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US-Wahlkampf 2012

US-Wahlen: Der unbekannte Dritte als Zünglein an der Waage

Mittwoch, 10. Oktober 2012, 12:54 Uhr

Gary Johnson könnte für Barack Obama oder Mitt Romney zum Spielverderber werden. Gary wer? Fast unbemerkt von der Weltöffentlichkeit tritt der 59-Jährige für die Libertäre Partei zur Präsidentschaftswahl an – und kann in einigen Staaten Titelverteidiger und Herausforderer wichtige Stimmen klauen.

Eine Chance hat er wohl nicht, Gary Johnson, der ehemalige republikanische Gouverneur von New Mexico. Als Republikaner wollte er sich zum neuen US-Präsidenten wählen lassen – doch hier machten andere das Rennen. Statt weiter hintenanzustehen hat der 59-Jährige nun beschlossen, trotzdem zu kandidieren: und zwar für die Libertarian Party.

Bild Johnson an einem Rednerpult.
Kann er Barack Obama zum Wahlsieg verhelfen? Gary Johnson tritt für die Libertarian Party an. keystone

Das hat insofern eine gewichtige Wirkung, als dass Gary Johnson Titelverteidiger Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney wichtige Stimmen streitig machen könnte – Romney noch mehr als Obama. Eine Umfrage zeigt, dass Johnson Romney etwa in New Mexico bis zu 30 Prozent der Stimmen abnehmen könnte. Etwa 16 Prozent könnten sich statt für Obama für Johnson entscheiden.

Johnsons Rolle nicht zu unterschätzen

Somit würde Johnson dem amtierenden Präsidenten helfen, New Mexico, und damit den oft ausschlaggebenden Swing State zu gewinnen. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen könnte sich dank der Mitmischung Johnsons also zu Gunsten Obamas auswirken.

Dies sieht auch SF-Korrespondent Matthias Erne so. Er sagt, je kleiner der Abstand zwischen Obama und Romney sei, desto wichtiger werde Johnson. Dieser könnte also zum Spielverderber für die eine oder andere – vorwiegend aber die republikanische – Seite werden.

Über Gary Johnson

Gary Earl Johnson wurde 1953 im Bundesstaat North Dakota geboren. Er war als Republikaner von 1995 bis 2003 Gouverneur von New Mexico. Im April 2011 erklärte Johnson, sich um eine Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat bewerben zu wollen.

Noch vor Beginn der Primarys im Dezember 2011 gab er jedoch seinen Rückzug aus dem Rennen bekannt. Gleichzeitig kündigte er an, sich um die Nominierung der Libertarian Party zu bewerben. Am 5. Mai 2012 wurde er dann von der Partei tatsächlich als Kandidat aufgestellt.

Johnson ist ein Anhänger des Rechts auf Schwangerschaftsabbrüche, er unterstützt eine liberale Drogenpolitik – Marihuana will er legalisieren – und lehnt Einschränkungen des Rechts auf Waffenbesitz ab. Weiter spricht er sich für gleichgeschlechtliche Ehen aus.

Vor allem Jugendliche können sich für Gary Johnson begeistern. Auch wenn zu seinen Auftritten nur eine Handvoll Zuschauer erscheinen – diese lassen sich von ihrem Idol mitreissen. Er findet Gehör. «Junge Menschen werden betrogen», sagt Johnson. Er werde eines Tages eine Rente erhalten, habe eine Krankenversicherung. Die Jungen hätten das nicht mehr. «Und wir schicken sie auch noch in den Krieg.»

Gary Johnson punktet vor allem bei jungen Wählern (Tagesschau vom 10. Oktober 2012).

Mit Geduld gegen das System

Mit einem Wahlkampfbudget von gerade mal 2 Millionen Dollar ist auch der Kontakt zu den potenziellen Wählern besonders wichtig. In seinen wenigen Werbespots tritt Johnson, der leidenschaftliche Ausdauerläufer, dafür ein, die starren Krusten in Washington aufbrechen zu wollen.

Er sieht die Stimmen an ihn nicht als verschwendet. «Eine Stimme ist verschwendet, wenn sie an jemanden geht, an den man nicht glaubt. Mich wählen heisst Veränderung wählen.»

Karte der US-Bundesstaaten in den Parteifarben der Gewinner 2008: Blau für Obama (Demokraten) und Rot für McCain (Republikaner).

US-Präsidentschaftswahlen auf einen Blick

Interaktive Grafik mit den Resultaten der Vorwahlen der republikanischen Partei und den Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen von 1992 bis 2008.

(sf/gern;schj)