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Krise im Euro-Land

IWF warnt vor Absturz der Weltwirtschaft

Dienstag, 9. Oktober 2012, 6:44 Uhr, Aktualisiert 15:03 Uhr

«Die Risiken für eine ernsthafte globale Konjunkturabkühlung sind alarmierend hoch», warnt der Internationale Währungsfonds. Schuld daran seien die europäische Schuldenkrise und die politischen Grabenkämpfe in den USA.

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Generell hätten sich die Abwärtsrisiken noch einmal verstärkt und seien erheblich, schreibt der IWF-Chefökonom Olivier Blanchard in dem in Tokio veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Rede ist von einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 6, dass das globale Wachstum unter zwei Prozent liegt und die Industrieländer als Ganzes betrachtet in eine Rezession stürzen könnte.

«Der wichtigste Grund ist, dass die Politik in den wichtigsten Industrieländern es nicht geschafft hat, Vertrauen in die mittelfristige Entwicklung wiederaufzubauen», heisst es in dem Bericht weiter. Das gelte hinsichtlich der Lebensfähigkeit der Euro-Zone wie bei der Fähigkeit der USA, von ihrem hohen Schuldenberg wieder herunterzukommen.

Wirtschaftslage wird schwieriger (Tagesschau 09.10.2012, 12:45 Uhr)

IWF-Ökonomen ändern ihre Prognosen

Als Konsequenz nahm der IWF seine Wachstumsprognosen für nahezu alle Länder zurück. Für die Weltwirtschaft sieht er nun ein Wachstum von nur noch 3,3 Prozent in diesem Jahr und 3,6 Prozent im nächsten Jahr – eine Revision nach unten um 0,2 beziehungsweise 0,3 Punkte.

Für den Euroraum korrigierten die IWF-Ökonomen ihre Prognose ebenfalls nach unten. In diesem Jahr werde beim BIP sogar ein Minus von 0,4 Prozent verzeichnet. 2013 werde es zwar wieder leicht um 0,2 Prozent wachsen. Bisher war aber für die 17 Eurostaaten mit einem Wachstum von 0,7 Prozent gerechnet worden.

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Das Wirtschaftswachstum einiger Länder und weltweit. sf

Die düsteren Aussichten lassen sich laut dem IWF vor allem mit dem «allgemeinen Gefühl der Unsicherheit über die Zukunft» begründen, sagte Blanchard weiter. Es sei derzeit für Investoren sehr schwierig vorherzusagen, ob etwa Europa seine Probleme wirklich in den Griff bekommen könne. Im schlimmsten Fall bestehe sogar die Gefahr, dass das weltweite Wachstum rasant unter 2 Prozent abstürze. Die Wahrscheinlichkeit dafür liege derzeit bei 17 Prozent. Im April lag sie nur bei 4 Prozent, heisst es in dem Bericht.

Schulden der Euroländer ziehen alle hinunter

Als die offensichtlich grösste Bedrohung der Weltwirtschaft stuft der IWF die Euro-Staatsschuldenkrise ein.

Um einen globalen Niedergang zu verhindern, müssten etwa in den USA die Gesetzgeber trotz des laufenden Wahlkampfes schleunigst verhindern, dass im Januar wegen auslaufender Fristen gleichzeitig drastische Steuererhöhungen und automatische Haushaltseinsparungen in Kraft treten. Ein Sturz von dieser sogenannten «Fiskalklippe» wie auch ein erneut drohender Streit über die Erhöhung der Schuldengrenze könnte die US-Wirtschaft in eine tiefe Rezession katapultieren. «Mit schädlichen Konsequenzen für den Rest der Welt», sagte IWF-Ökonom Jörg Decressin.

Auch in Europa dürfe der Kampf gegen die Krise nicht nachlassen. Spanien und Italien müssten weiter die Konjunktur ankurbeln, die Haushalte sanieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. An den Notenbanken sei es, mit ihrer Geldpolitik weiter für niedrige Zinsen zu sorgen. Blanchard nannte das Zusammenspiel der verschiedenen Massnahmen ein «komplexes Puzzle». Werde es schnell vollendet, «kann man berechtigt darauf hoffen, dass das Schlimmste hinter uns liegen könnte», sagte er.

Unter anderem müssten die Regierungen nun ihre Schutzschirme flexibler machen. Speziell der neue Euro-Schutzschirm ESM sollte dabei auch direkt im Bankensystem intervenieren können.

Neuer Rettungsschirm ESM

Meilenstein für die Euro-Sanierer: Mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) spannen die Euro-Finanzminister in Luxemburg einen dauerhaften Rettungsschirm für krisengeschüttelte Länder auf. Der ESM löst seinen Vorgänger EFSF ab. Mehr dazu finden Sie hier.

Unter den grossen Industrienationen stehen die USA im nächsten Jahr beim Wachstum mit einem Plus von 2,1 Prozent laut IWF immerhin noch am besten da.

Insgesamt werde das globale Wachstum weiterhin vor allem von Schwellenländern wie China und Indien geschultert. Doch auch hier mussten die Prognosen teils deutlich gesenkt werden. Kapazitätsengpässe, eine schwächere Nachfrage aus den grossen Volkswirtschaften und länderspezifische Probleme hätten zu einer Abkühlung geführt. Diese Nationen müssten sich durch Reformen weiter gegen negative wirtschaftliche Einflüsse von aussen wappnen.

(sda/dpa/buet/godc;hues)