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International

Grausame Umsetzung der Scharia in Mali

Dienstag, 9. Oktober 2012, 16:49 Uhr

Die Islamisten im Norden Malis begehen systematische Menschenrechtsverletzungen. Zu diesem Schluss kommt – nach diversen Menschenrechtlern – ein UNO-Delegierter. Insbesondere Frauen seien oftmals Opfer der «grausamen Strafen», die im Namen der Scharia praktiziert werden.

Seit islamistische Gruppen im Norden Malis an die Macht gelangt sind, finde die Rechtsprechung im Namen der Scharia zunehmend Verbreitung, teilte der stellvertretende UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Ivan Simonovic, in Genf mit. Er hielt sich vier Tage in der Region auf.

«Hinrichtungen, Amputationen und Steinigungen werden systematisch angewandt», schreibt Simonovic in einem Communiqué. In den letzten Monaten habe es mindestens drei Hinrichtungen, acht Amputationen und zwei Auspeitschungen gegeben. Zudem würden Frauen immer häufiger zwangsverheiratet.

Islamisten an der Macht

Im März 2012 war es Tuareg-Rebellen und mit ihnen verbündeten Islamisten gelungen, den gesamten Norden Malis unter ihre Kontrolle zu bringen. Anschliessend haben die Islamisten die Tuareg-Kämpfer allerdings vertrieben.

Ein Interviewpartner vor Ort sagte dem UNO-Delegierten, dass Frauen oftmals «für weniger als 1000 Dollar verkauft werden», um anschliessend verheiratet zu werden. Die Rechte der Frauen auf Arbeit und Bildung seien zudem stark eingeschränkt. Auch hätten sie kaum Zugang zu den Sozialdiensten.

Offenbar besässen die islamistischen Gruppen Listen mit Namen von Frauen, die uneheliche Kinder haben.

Auch für Kinder ist die Lage angespannt. Da zahlreiche Lehrer flohen, sind die Schulen oftmals geschlossen. «Die extreme Armut, die Arbeitslosigkeit und die mangelnde Ausbildung bringen die jungen Männer dazu, sich den Extremisten anzuschliessen», so Simonovic.

Simonovic ist nicht der Erste, der die Menschenrechtsverletzungen anklagt. So hat der malische Premier Cheikh Modibo Diarra im September vor der UNO-Vollversammlung neben den bereits erwähnten Menschenrechtsverletzungen zudem von «Vergewaltigungen sowie Plünderungen und Zerstörungen von Kulturstätten» geklagt.

Bild Premier Cheikh Modibo Diarra im September vor der UNO-Vollversammlung.
Premier Cheikh Modibo Diarra im September vor der UNO-Vollversammlung. reuters

Mali beantragte bei den Vereinten Nationen offiziell einen internationalen Militäreinsatz in dem von Islamisten kontrollierten Norden des Landes. Ministerpräsident Cheikh Modibo Diarra bat den UNO-Sicherheitsrat um eine Resolution, die eine Intervention gegen die Rebellen im Norden billigt.

Schweiz um Vermittlung bemüht

Zur Lösung der Krise in Mali will die Schweiz auf Dialog setzen. Dies sagte Aussenminister Didier Burkhalter am Rande der UNO-Generalversammlung an einem Treffen über das Sahelgebiet.

(sda/sf/engf;horm)