Schweiz
Tödliches Canyoning-Unglück: Waren die Sportler zu risikofreudig?
Zwei junge Menschen sind am Sonntag bei einem Canyoning-Unfall oberhalb von Amden (SG) ums Leben gekommen. Sie wagten sich an dem verregneten Nachmittag in den Fallenbach – und wurden offenbar von den Wasserfluten überrascht. Dabei sind diese in einem Karstgebiet keine Seltenheit.
Das Gebiet des Fallenbachs oberhalb von Amden im Kanton St. Gallen ist ein Karstgebiet. Dies bestätigt Marco Paganoni vom kantonalen Amt für Umwelt und Energie auf Anfrage von «SF Online». Das heisst: Bei Regen fliesst das Wasser sehr rasch ab. «Das Gelände in dieser Region ist sehr steil», sagt Paganoni. Das Regenwasser fliesse in Richtung See, also in Fallrichtung.
Als die beiden Canyoning-Gruppen in den Bach gestiegen seien, sei das Wasser aussergewöhnlich tief gewesen, sagt Thomas Exposito von Amden und Weesen Tourismus. «Dann muss es wohl auf einmal herausgeschossen sein.»
Gefahr durch unterirdische Kanäle
«SF Meteo» hatte den starken Regen für diese Region vorausgesagt. Eine Überraschung dürfte dieser für die Sportler also nicht gewesen sein – vielmehr sind sie laut Thomas Exposito wohl von der Menge des Wassers überrascht worden.
Das sieht der Leiter des Anbieters «Fischer Adventures» anders. Die Teilnehmer, die bei seiner Firma gebucht haben, konnten allesamt gerettet werden. Für ihn ist das Ausmass des plötzlichen Wasseranstiegs zumindest sehr ungewöhnlich, wie er zu «Schweiz aktuell» sagte.
Ob auch unterirdische Zuflüsse für einen raschen Anstieg des Wassers im Bach gesorgt haben, ist unklar. Laut Marco Paganoni vom Amt für Umwelt und Energie beinhaltet Karst die Möglichkeit von Höhlenbildung und Kanälen. Jedoch sei dieses Phänomen dann sehr lokal. Ein Experte müsste vor Ort die Begebenheiten überprüfen.
Zwei Tote nach Canyoning-Unfall
Zwei junge Menschen sind am Sonntag bei einem Canyoning-Unglück oberhalb von Amden (SG) ums Leben gekommen. Lesen Sie hier mehr dazu.
Warnschilder vor extremen Wassermassen sind im Gebiet um den Fallenbach nicht angebracht, sagt Thomas Exposito. Bislang habe es auch noch nie Probleme mit Canyoning-Sportlern gegeben. Offizielle Touren könnten ohnehin nur gebucht werden, wenn sie von lokalen Guides begleitet werden.
Konsequenzen noch offen
Eines der Todesopfer ist der Guide der einen Canyoning-Gruppe. Dieser ist nicht – wie ursprünglich kommuniziert – Belgier, sondern belgisch-schweizerischer Doppelbürger mit Wohnsitz in der Schweiz. Dies bestätigte die Kantonspolizei St. Gallen auf Anfrage. Ob der 24-Jährige das Gebiet kannte, ist jedoch Gegenstand der Ermittlungen. Das zweite Opfer ist eine 23jährige Touristin aus Rostock.
Die Staatsanwaltschaft hat unterdessen eine Strafuntersuchung eingeleitet. Die Prüfung des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung richtet sich nicht gegen bestimmte Personen oder Akteure. Wie bei solchen tragischen Vorfällen üblich, würden neben den Beteiligten auch Sachverständige befragt, um die Unfallursache zu eruieren. Die Abklärungen dürften einige Zeit in
Anspruch nehmen.
Ob das tödliche Unglück jetzt Konsequenzen hat und ob Canyoning im Fallenbach gänzlich verboten wird, kann Thomas Exposito noch nicht sagen. Was er jedoch sagen kann, ist, ob er sich selbst am gestrigen Sonntag in den Bach gewagt hätte: «Wahrscheinlich nicht.»
(sf/gern/from; frua)







