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Schweiz

Nagra-CEO lehnt Rücktrittsforderung ab

Montag, 8. Oktober 2012, 11:47 Uhr, Aktualisiert 23:16 Uhr

Die Nagra, die nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle, sorgt mit einem internen Papier für Wirbel. Nicht mehr von sechs möglichen Standorten für ein Endlager für radioaktive Abfälle ist die Rede, sondern nur noch von zwei. In «10vor10» hat Nagra-CEO Thomas Ernst dazu Stellung genommen.

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Nagra-CEO Thomas Ernst stellt sich der Kritik. («10vor10», 8.10.2012)

Gestern publizierte die Sonntagspresse einen vertraulichen Bericht der Nagra. Statt von sechs möglichen Standort-Regionen für ein Atommüllendlager spricht die Nagra darin nur noch von zwei möglichen Varianten. Dass die Nagra offenbar schon mehr entschieden hat, als öffentlich bekannt ist, ruft Kritiker auf den Plan.

Doch Nagra-CEO Thomas Ernst betonte gegenüber «10vor10», dass es sich bei dem Papier lediglich um ein hypothetisches Referenzszenario handle und dass dafür «belastbare Daten» von realistischen Standorten verwendet worden seien. Konkret von Jura-Ost und Zürich-Nord. Alle anderen in Frage kommenden Regionen würden nach wie vor gleich behandelt.

Darum komme für Ernst auch ein Rücktritt, wie er von Politikern gefordert wurde, nicht infrage. «Wenn die Vorwürfe zutreffen würden, würde ich selbstverständlich den Hut nehmen.» Stattdessen wolle er betonen, dass es keinerlei Vorfestlegungen gebe.

Vertrauen «gestört»

Der vertrauliche Bericht, den die «SonntagsZeitung» gestern publik gemacht hat, ist detailliert, nennt Orte und konkrete Bohrpläne. In den betroffenen Regionen ist die Empörung gross, viele fühlen sich von der Nagra verschaukelt – einmal mehr.

Der Präsident der Regionalkonferenz Zürich Nordost, Jürg Grau, zeigt sich denn auch entsetzt über das veröffentlichte Dokument der Nagra: Das Vertrauen ins Verfahren zur Ermittlung von Standorten zur Endlagerung von Atomabfällen sei gelinde gesagt «leicht gestört».

Gleichzeitig verlangt nun die Regionalkonferenz Zürich Nordost, dass das Bundesamt für Energie (BFE) in aller Deutlichkeit schriftlich erklärt, dass weiterhin alle sechs offiziellen Standorte für atomare Endlager gleichwertig geprüft werden.

Ähnliche Töne aus dem Zürcher Baudirektorium: Für dessen Vorsteher Markus Kägi (SVP) sei es «völlig inakzeptabel», wenn bereits jetzt potenzielle Standortgebiete aus dem Auswahlverfahren ausgeschlossen würden.

«10vor10» 8.10.12_ Informationschefin des Bundesamtes für Energie, Marianne Zünd, kommentiert das Vorgehen der Nagra.

Auch für den Bund ist die Vorgehensweise der Nagra problematisch. Marianne Zünd, Informationschefin bei Bundesamt für Energie, hält es im Interview mit «10vor10» für unzulässig, dass die Nagra für ihre Planspiele die tatsächlichen Bezeichnungen der Regionen verwendet hat.

Um das Vertrauen wiederherzustellen, wolle die Nagra gemäss CEO Ernst nun das Gespräch mit den Regionen suchen.

«Führungsteam auswechseln»

Kurz nach Veröffentlichung des Berichts wurden Rücktritts-Stimmen laut. Der Geologie-Professor und Nagra-Kritiker Walter Wildi, der bis im August noch im «Beirat Entsorgung» sass, sagte: «Ich nehme an, dass man in der Nagra das Führungsteam auswechseln muss. Dann kann es vielleicht wieder eingerenkt werden.»

Neuer Zeitplan für Endlager-Suche

Bei der Suche nach einem Endlager hält der Bund am geplanten Auswahlverfahren fest – ungeachtet der Kontroverse um ein internes Nagra-Papier. Das BFE hat indes einen neuen Zeitplan bekannt gegeben. Lesen sie mehr dazu hier.

Hans Grunder: Die Betroffenen hätten nicht über die Medien informiert werden dürfen.

Die Rücktrittsforderung stiess auch im Nationalrat auf offene Ohren, beispielsweise bei den Mitgliedern der Urek, der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie. So sagte BDP-Nationalrat Hans Grunder: «Ich denke, die muss man diskutieren. Als ich diesen Bericht gelesen habe, habe ich auch gedacht, für Verhandlungen, die auf dieser Ebene geführt werden müssen, um schliesslich Lösungen zu finden, ist das eine schlechte Voraussetzung.»

Filippo Leutenegger will von der Nagra eine Erklärung.

Die Urek traf sich heute zu einer Sitzung – mit der Nagra als Thema. FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger sagte im Vorfeld: «Wenn die Spielregeln nur ein klein wenig geändert werden, während des Spiels, dann gibt es natürlich Zoff, das ist klar. Deshalb müssen wir Klarheit haben, auch in der Kommission, wer was genau gemacht hat.

(srf/redaktion)