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International

Wieder syrische Granaten gegen Türkei – Kriegsrhetorik aus Ankara

Sonntag, 7. Oktober 2012, 16:46 Uhr

Die Türkei droht tiefer in den Strudel des Bürgerkriegs in Syrien hineingerissen zu werden. Am Sonntag schien sich die Lage zu beruhigen, bis erneut syrische Geschosse in der Türkei niedergingen. Die Türkei reagierte mit Beschuss Syriens, und neuerlichen Warnungen.

Am Wochenende wurde der fragile Frieden zwischen den beiden Ländern erneut auf die Probe gestellt, als mehrere Granaten auf türkischem Boden einschlugen. Die Armee des Nato-Mitglieds feuerte zurück. Ob es Tote und Verletzte auf beiden Seiten gegeben hat, darüber sind sich Beobachter uneins.

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Drei Raketen am Samstag

Offiziell werteten die türkischen Behörden den Vorfall nicht als Angriff auf ihr Land. Dennoch warnte Aussenminister Ahmet Davutoglu: «Jeder künftige Angriff auf die Türkei – von woher auch immer – wird zum Schweigen gebracht.» Die türkische Zeitung «Sabah» zitierte ihn mit der Forderung nach einer Übergangsregierung in Syrien ohne Assad. Der Vize des syrischen Präsidenten, Faruk al-Scharaa, solle übernehmen, sagte er.

Drei aus Syrien abgefeuerte Mörsergranaten waren im Laufe des Samstags in den Feldern um das türkische Dorf Güveççi detoniert, nur 50 Meter von der Grenze entfernt. Es wurde niemand verletzt. Das türkische Militär habe sofort das Feuer erwidert.

Bild Grenze.
Die Grenze ist streng bewacht, die Anspannung hoch. reuters

Keine Entschuldigung aus Syrien

Gleichzeitig wurden heftige Kämpfe auf syrischer Seite zwischen Regierungstruppen und Rebellen vermeldet - kaum zwei Kilometer von der Ortschaft Güveççi entfernt. Die Truppen von Baschar al-Assad hätten versucht, Kontrollpunkte der Regimegegner zu erobern, berichteten Aktivisten. Die mehr als zwölfstündigen Gefechte hätten mindestens 40 Assad-Soldaten das Leben gekostet. Auch neun Rebellen seien getötet worden.

Eine schwere Explosion hat das Zentrum der syrischen Hauptstadt Damaskus erschüttert. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira unter Berufung auf das syrische Staatsfernsehen berichtete, detonierte eine Autobombe in der Nähe des Polizeihauptquartiers. Anschliessend sei heftiges Gewehrfeuer zu hören gewesen. Angaben zu Opfern und Schäden lagen zunächst nicht vor.

Orte «von Terroristen gesäubert»

Syrische Regierungstruppen haben im Grossraum Damaskus eine neue Offensive gegen Rebellen gestartet. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete am Sonntag, dass die Vororte Al-Hammah und Kudsaja «von Terroristen gesäubert» worden seien, und erklärten sie zu sicheren Zonen.

Oppositionelle meldeten, dass in Al-Hammah zehn Leichen gefunden worden seien. Die Männer, darunter ein Angehöriger der Rebellen, seien von Regimesoldaten bei einer mehrtägigen Militäroperation erschossen worden. Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade des Regimes von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Die Lage zwischen Syrien und der Türkei ist explosiv, seit am Mittwoch im türkischen Akcakale nahe der syrischen Grenze eine Mutter und ihre vier Kinder durch Granaten starben. Eine Entschuldigung für die Zwischenfälle gab es von syrischer Regierungsseite nicht. Wenig später beschoss die Türkei erstmals Ziele in Syrien. Der arabische Sender Al-Dschasira meldete damals 34 Todesopfer - Oppositionelle sagten hingegen, die Zahl der Toten liege im einstelligen Bereich.

Nordafrika und Europa gegen Assad 

Am Donnerstag erlaubte das Parlament in Ankara der Regierung für ein Jahr Militäreinsätze über die Grenze hinweg. Der Sonntag war bereits der fünfte Tag in Folge mit Schüssen über die Grenze hinweg. Der iranische Aussenminister Ali Akbar Salehi warnt den Westen im Nachrichtenmagazin «Spiegel» derweil vor Fehleinschätzungen in Bezug auf Syrien. «Assad glaubt an seinen Sieg, er zeigte sich überzeugt, die Auseinandersetzung in Syrien militärisch gewinnen zu können», sagte er. Iran ist einer der wichtigsten Verbündeten Syriens.

Zehn europäische und afrikanische Mittelmeerstaaten fordern einen Regimewechsel in Syrien. Die Lage sei nicht länger hinnehmbar, hiess es in einer Erklärung zum Abschluss der «5+5-Konferenz» in Malta. Die Gruppe vereint die nordafrikanischen Länder Algerien, Libyen, Marokko, Mauretanien und Tunesien sowie von europäischer Seite Spanien, Frankreich, Italien, Malta und Portugal.

DEZA fürchtet Grosskonflikt

Die Nervosität in und um Syrien steigt. Es bestehe Sorge, dass es zu einem internationalen Konflikt kommt. Dieser Meinung ist der Koordinator der Schweizer Auslandhilfe im Nahen Osten, Beat von Däniken, mit Sitz in Amman.

Eine so deutliche Drohung wie seitens der Türkei habe es noch nie gegeben.  «Es muss eine politische Lösung geben, es müssen sich Akteure finden, um zu verhandeln.» Sonst bestehe die Befürchtung, dass sich der Konflikt nicht auf die Türkei und Syrien beschränke.

(agenturen/fasc;)