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International

Ungewohnter Gegenwind für Hugo Chávez

Sonntag, 7. Oktober 2012, 15:30 Uhr, Aktualisiert 08.10.2012, 1:56 Uhr

Schafft Hugo Chávez die Wiederwahl? Erstmals muss Venezuelas eigenwilliger Präsident bei der heutigen Wahl um eine weitere Amtszeit bangen. Grund ist der starke Kandidat der Opposition – der 40jährige Henrique Capriles Radonski. Umfragen sagten ein enges Rennen voraus.

Einschätzungen von Ulrich Achermann, SR DRS-Korrespondent in Santiago de Chile. («Tagesschau» vom 07.10.2012)

In Venezuela zeichnet sich ein sehr knapper Ausgang der Präsidentenwahl ab. Nach der offiziellen Schliessung der Wahllokale um 0.30 Uhr MESZ verlautete am Sonntag aus den Lagern beider Seiten, der Siegerwerde nur mit einem sehr dünnen Vorsprung gewinnen.

In den meisten Umfragen hatte der 58jährige Amtsinhaber Hugo Chavez zwar vorn gelegen. Doch nach knapp 14 Jahren an der Macht ist Chavez mit dem erst 40jährigen Oppositionspolitiker Henrique Capriles erstmals ein ernster Gegner erwachsen.

Chávez mahnt alle Parteien zu Respekt

Chàvez mahnte die Parteien im Land bereits am Morgen zu gegenseitigem Respekt. Er rufe «alle politischen Akteure – von der Linken, der Rechten und aus dem Zentrum auf», das Wahlresultat zu akzeptieren.

Erste Ergebnisse will die Wahlbehörde nach eigenen Angaben erst veröffentlichen, wenn es einen «nicht umkehrbaren Trend» gibt. Den Kontrahenten ist es zudem verboten, vorher den Sieg zu erklären.

Will sechs weitere Jahre an der Macht bleiben: Venezuelas Präsident Hugo Chávez. («Tagesschau» vom 07.10.2012)

Rund 19 Millionen Menschen waren aufgerufen, ein neues Staatsoberhaupt zu wählen. Amtsinhaber Hugo Chávez stellt sich bereits zum dritten Mal zur Wiederwahl.

Bei der Abstimmung hatte sich bereits im Laufe des Tages eine hohe Wahlbeteiligung abgezeichnet. Vielerorts warteten die Wähler Stunden in langen Schlangen vor den Lokalen, um ihre Stimme abgeben zu können. Die Behörden hatten bereits mitgeteilt, die Wahllokale könnten bei Bedarf vereinzelt auch länger geöffnet bleiben.

Herausforderer will Kurswechel

Chávez' Herausforderer ist ein Einheitskandidat der Opposition, Ex-Gouverneur Henrique Capriles Radonski. Er gilt als stärkster Herausforderer, gegen den Chávez in Wahlen bislang antreten musste. Der 40Jährige gewann klar die Vorwahlen der Opposition im Februar und wurde Einheitskandidat des Bündnisses Mesa de la Unidad Democrática (Tisch der demokratischen Einheit).

Zahlen und Fakten zu Venezuela

Riesige Erdölreserven – wahrscheinlich die grössten der Welt – lassen Venezuelas Staatseinnahmen sprudeln. Benzin wird fast verschenkt. Gleichzeitig kämpfen die Menschen mit einer exorbitanten Inflationsrate und leben in einem Land, in dem so viel geraubt und gemordet wird wie sonst nur in wenigen anderen Flecken der Erde. Mehr. 

Chávez strebt bei der Wahl weitere sechs Amtsjahre an, um seinen «Sozialismus des 21. Jahrhunderts» zu festigen. Sollte er wiedergewählt werden und die Amtszeit bis 2019 gesundheitlich durchstehen, wäre er 20 Jahre im Amt. 2011 erkrankte er an Krebs und musste sich zwei Operationen sowie Chemo- und Strahlentherapien unterziehen. Er selbst hat sich jedoch vor einigen Monaten für geheilt erklärt.

Capriles propagierte im Wahlkampf einen Kurswechsel. Er wäre im Falle eines Wahlsieges der jüngste Präsident des Landes. Der Jurist kündigte an, dass er als Präsident keinen Tropfen Öl mehr an andere Staaten verschenken werde. Die Regierung Chávez hatte mit ihren Petro-Dollars linke Regierungen in der Region gestützt, allen voran die sozialistische Karibikinsel Kuba.

«Sozialismus à la Chavez» oder dezente Marktwirtschaft?

Rasende Inflation, Mordraten höher als in einem Bürgerkrieg – und ein Präsident, der dagegen nicht vorgehen will, weil Linke dies angeblich nicht tun. Hugo Chavez will in Venezuela wiedergewählt werden. Umfragen vor der Wahl zeigten kein klares Bild. Mehr

(dpa/reu/krua/weis)