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100 Tage im Amt: Ägyptens Präsident feiert im Gegenwind
Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat die Bilanz seiner ersten 100 Tagen im Amt verteidigt. Auch wenn er bei einer Rede in Kairo Versäumnisse einräumte. Sehr viel kritischer gehen allerdings viele Bürger mit dem Staatsoberhaupt ins Gericht.
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«Diese Nation, diese Menschen, diese Armee, (...) der Präsident, die Kinder Ägyptens - wir alle bewegen uns auf ein Ziel zu: ein neues Ägypten», sagte Mursi am Samstag vor Zehntausenden Menschen im grössten Sportstadion Kairos. Gleichzeitig räumte er ein, nicht alle sein Wahlkampfversprechen erfüllt zu haben. Es liege noch viel Arbeit vor ihm, sagte der erste zivile Präsident Ägyptens in seiner Ansprache, die im Fernsehen übertragen wurde.
Mursi hatte im Wahlkampf versprochen, in den ersten drei Monaten seiner im Juni begonnenen Amtszeit einige der dringendsten Probleme des Landes zu lösen. Der islamische Politiker verwies in seiner Rede auf Erfolge bei der Korruptionsbekämpfung und der Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit.
«Mursi-Meter»: Kritische Internetgemeinde
Er versprach ausserdem Reformen für die angeschlagene Wirtschaft des Landes, wie etwa die Überarbeitung eines jahrzehntealten Zuschusssystems der Regierung, das den Staatshaushalt belastet. Er betonte aber gleichzeitig, dass er islamische Bankenvorschriften beibehalten werde und keine Zinsen auf Kredite akzeptieren würde. «Lieber hungern wir, als uns von Zinsen zu ernähren», sagte Mursi.
Doch vielen Kritikern des Präsidenten verlaufen die Reformen zu langsam. Laut dem «Mursi-Meter», einer Webseite, die die Errungenschaften des Präsidenten auflistet, hat er in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit, die heute Sonntag enden, 4 von 64 Versprechen erfüllt. Und die Internetgemeinde lässt kaum ein gutes Haar am Staatsoberhaupt und verteilt schlechte Noten. für die ersten 100 Tage im Amt.
58 Prozent unzufrieden
In dem von Aktivisten ins Web gestellten «Mursi-Meter» zeigten sich zum Ende der Schonfrist am Samstag 58 Prozent der Nutzer unzufrieden mit der Arbeit des Islamisten, dessen politische Heimat die Muslimbruderschaft ist. 42 Prozent waren am Tag 98 hingegen zufrieden.
Die Aufgabenliste liest sich zum Teil allerdings eher wie die eines Kleinstadtbürgermeisters und nicht wie die des Präsidenten eines Landes im Umbruch. So geht es etwa um Parkplätze für Minibusse oder ein besseres Ampelsystem sowie um die Strassenreinigung. Zugleich werden aber auch Aufgaben thematisiert, die das Land emotionalisieren wie die Reform des verhassten Polizeiapparates und die Sicherung des Brot- und Benzin-Nachschubs.
Zeichen der Muslimbruderschaft
Mursi wurde im Juni zum Präsidenten gewählt. Sein Vorgänger Husni Mubarak war im Februar des vergangenen Jahres nach knapp drei Jahrzehnten an der Macht und wochenlangen Massenprotesten gestürzt worden. Zu den Demonstrationen hatte die Jugendbewegung über das Internet mobilisiert.
Vor der Rede Mursis am Samstag in Kairo fand eine Militärparade anlässlich des Jahrestages des Kriegs mit Israel 1973 statt. Die Zeremonie war ein Zeichen der Stärke der Muslimbruderschaft, deren Mitglieder die Ränge füllten und Mursi, der ebenfalls aus ihren Reihen kommt, mit grossem Jubel empfingen.
(agenturen/halp;buev)



