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Wirtschaft

Unruhen wegen Produktionsstress bei iPhone

Samstag, 6. Oktober 2012, 5:05 Uhr, Aktualisiert 15:26 Uhr

Wegen des Produktionsdrucks bei Apples neuem iPhone 5 streiken die Arbeiter beim Auftragsfertiger Foxconn. Das Unternehmen räumte eine Auseinandersetzung zwischen Arbeitern und Qualitätskontrolleuren in einem seiner Werke ein.

Den Bericht einer Arbeitsrechtsorganisation über einen Streik mehrerer tausend Arbeiter, der die Produktion unterbrochen habe, wies Foxconn aber zurück. Der Streit sei noch am Freitagnachmittag beigelegt worden, sagte ein Sprecher.

Bild Demonstration gegen Foxconn-Werk in China. (keystone/archiv)
Schon vor mehr als einem Jahr wurden die Arbeitsbedingungen bei Foxconn von Studenten kritisiert, weil sich mehrere Arbeiter das Leben genommen hatten. keystone/archiv

Die Organisation China Labor Watch hatte zuvor berichtet, etwa 3000 bis 4000 Arbeiter im Werk Zhengzhou hätten die Arbeit niedergelegt. Mehrere Produktionslinien seien dadurch gestoppt worden. Eine Bestätigung für eine gross angelegte Arbeitsniederlegung aus weiteren Quellen gab es nicht.

Foxconn ging nicht näher auf die Hintergründe des Streits ein. China Labor Watch zufolge gab es mehrere Gründe für die Unzufriedenheit der Arbeiter.

So seien sie aufgefordert worden, Feiertage durchzuarbeiten. Ausserdem werfen die Arbeiter der Organisation zufolge der Werksleitung und Apple vor, zu hohe Qualitätsanforderungen zu stellen, ohne die Beschäftigten entsprechend ausgebildet zu haben.

Hohe Präzision gefordert

Apple hatte schon bei der Vorstellung des iPhone 5 betont, dass die Geräte zum Teil mit einer Präzision von Bruchteilen eines Millimeters zusammengebaut würden. Jetzt soll diese Genauigkeit ein Auslöser des Streiks gewesen sein, ebenso wie Probleme mit Kratzern auf der Aluminium-Rückseite des Telefons.

Wegen Streits um die Anforderungen sei es auch schon mehrfach zu Handgreiflichkeiten zwischen Arbeitern und Qualitätskontrolleuren gekommen, berichtete China Labor Watch. Die Organisation überwacht die Arbeitsbedingungen bei chinesischen Unternehmen und hatte bei Foxconn bereits öfter Missstände angeprangert.

Grosse Nachfrage

Das iPhone 5 war vor zwei Wochen auf den Markt gekommen. Derzeit kann Apple die Nachfrage noch nicht erfüllen: Die Wartezeit liegt bei drei bis vier Wochen.

Das Werk Zhengzhou in der zentralchinesischen Provinz Henan ist einer der wichtigsten Standorte des Auftragsfertigers. Dort arbeiten laut früheren Berichten rund 120'000 Menschen.

Apple-Chef Tim Cook hatte die Fabrik während seiner China-Reise im März besucht. Foxconn beschäftigt in China insgesamt mehr als eine Million Menschen und produziert auch für viele andere Schwergewichte der IT-Branche wie Hewlett-Packard oder Dell.

Schon länger in der Kritik

Die Arbeitsbedingungen bei Foxconn stehen schon lange in der Kritik. Eine von Apple selbst eingeleitete unabhängige Inspektion hatte im März zahlreiche Missstände aufgedeckt. Bemängelt wurden unter anderem viel zu lange Arbeitszeiten von teilweise mehr als 60 Stunden pro Woche und mangelhafte Sicherheits- und Gesundheitsbedingungen.

Ausserdem gab es immer wieder Auseinandersetzungen und Zwischenfälle. Erst Ende September stand das Werk Taiyaun mit rund 80'000 Beschäftigten einen Tag still nach einer Massenschlägerei, an der sich rund 2000 Arbeiter beteiligt haben sollen. Vor einigen Jahren hatte eine Serie von Arbeiter-Selbstmorden Foxconn in die Kritik gebracht.

Gleichzeitig sind Jobs bei Foxconn in China sehr begehrt, weil sie nach chinesischen Massstäben gut bezahlt werden. Ausserdem wollen zahlreiche Arbeiter selbst möglichst viele Überstunden machen, um ihren Familien mehr Geld schicken zu können. Foxconn hatte nach Kritik einige Male die Gehälter angehoben.

(sda/weis/buev/galc;krua)