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International

Schäuble will «Abschleichern» den Weg nach Singapur versperren

Samstag, 6. Oktober 2012, 17:25 Uhr

Die deutsche Regierung ist offenbar an einem Steuerabkommen mit Singapur interessiert. Medienberichten zufolge will Finanzminister Schäuble schon in Kürze nach Südostasien reisen. Hintergrund dürften die vermuteten Schwarzgeldabflüsse aus der Schweiz sein.

Bild Will auch ein Steuerabkommen mit Singapur: Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. (keystone)
Will auch ein Steuerabkommen mit Singapur: Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. keystone

Die deutsche «Bild-Zeitung berichtet, Schäuble werde bei einer Reise nach Singapur mit der dortigen Regierung über ein neues Auskunftsabkommen verhandeln. Dieses soll den deutschen Behörden Informationen über Steuerpflichtige liefern, die ihr Vermögen am Fiskus vorbei nach Singapur verschieben. 

Medienberichten zufolge gibt es Hinweise darauf, dass deutsche Steuerflüchtlinge derzeit ihr Geld aus der Schweiz abziehen und nach Singapur schaffen. Die Rede ist von einem zweistelligen Milliardenbetrag. Der Schweizer Staatssekretär für internationale Finanzfragen, Michael Ambühl, sagte Ende September bei einer Expertenanhörung im deutschen Bundestag, genauere Daten zu diesen so genannten «Abschleichern» würden demnächst vorliegen.

Wieviele «Abschleicher» gibt es?

Nach Ambühls Einschätzung wird das Problem überbewertet. So seien im Falle einer Schweizer Grossbank seit September 2011 nur ein Prozent der Konten deutscher Kunden geschlossen worden. Die Hälfte dieses Geldes sei nach Deutschland, ein Viertel in andere EU-Staaten oder innerhalb der Schweiz verschoben worden. Das verbleibende Viertel – und damit 0,25 Prozent der deutschen Kunden – könnten potentielle Abschleicher sein.

Die Chancen für ein solches Abkommen mit Singapur gelten als intakt: Das Land verfolge eine «Weissgeld-Strategie» und habe folglich kein Interesse daran, unversteuertes Schwarzgeld anzuziehen. Dies entspricht der offiziellen Linie Singapurs. Im August hatte die dortige Finanzaufsicht erklärt, keine Zuflüsse von Schwarzgeld ins eigene Finanzsystem zu tolerieren.

Umstrittenes Steuerabkommen

Gemutmasst wird, dass vor dem Hintergrund des geplanten deutsch-schweizerischen Steuerabkommens deutsche Steuerhinterzieher derzeit nach Möglichkeiten suchen, ihr Schwarzgeld an anderen Orten unterzubringen. 

Das umstrittene Abkommen sieht eine pauschale Besteuerung von deutschen Vermögen in der Schweiz vor. Allerdings ist längst nicht sicher, ob das von beiden Regierungen bereits unterzeichnete Abkommen schliesslich auch ratifiziert wird. In Deutschland sperrt sich die Opposition gegen die Ratifizierung des Staatsvertrages. Sie moniert, es bevorzuge Steuerflüchtlinge im Vergleich zu ehrlichen Steuerzahlern.
 
Allerdings können deutsche Steuerhinterzieher mit Geld in der Schweiz auch bei einem Scheitern des Steuerabkommens nicht beruhigt sein. Deutsche Steuerbehörden haben angekündigt, weiter Kundendaten aus der Schweiz kaufen zu wollen. 

(agenturen/krua)