Schweiz
Bluttat in Annecy: Frankreich sucht in der Schweiz nach Spuren
Frankreich sucht in der Schweiz nach Spuren zur Bluttat von Annecy. Der Genfer Staatsanwalt Dario Zanni bestätigte, dass bei einer Genfer Privatbank ein Konto beschlagnahmt worden ist, das «eine Verbindung haben könnte» mit dem Anfang September geschehenen Verbrechen.
Zanni bestätigte eine Information der Westschweizer Zeitung «La Tribune de Genève». Einen Betrag nannte der Staatsanwalt dabei nicht.
Die Genfer Justiz befasst sich auf Grund eines Rechtshilfeersuchens aus Frankreich mit dem Fall, wie die Staatsanwaltschaft zuvor mitgeteilt hatte. Genf sei vom Bundesamt für Justiz zum leitenden Kanton in der Affäre bestimmt worden.
Akten angefordert
Aus verschiedenen anderen Schweizer Kantonen forderten die zuständigen Stellen in Genf Akten an. Um welche Art von Unterlagen es sich handelt, wollte die Staatsanwaltschaft nicht bekanntgeben.
Die französischen Ermittler suchen in der Schweiz nach möglichen Fluchtwegen des Mörders oder der Mörder. In der britischen Presse war auch über die Existenz eines Schweizer Bankkontos spekuliert worden.
Derzeit liege nichts vor, das dem Fall eine neue Wendung geben könnte, sagte Eric Maillaud, der zuständige Staatsanwalt in Annecy. Am Samstag werde ein Zeugenaufruf erlassen, kündigte er an. Die Absicht sei, mit kurz vor der Tat aufgenommenen Fotos der Familie Zeugen ausfindig zu machen und die Ermittlungen so voranzubringen.
Bei der Bluttat in der Nähe der Ortschaft Chevaline waren am 5. September ein in England lebendes Ehepaar sowie die Mutter der Frau in einem Auto erschossen worden. Wahrscheinlich weil er Zeuge wurde, ist zudem ein zufällig vorbeifahrender französischer Velofahrer getötet worden.
Die Töchter des Paares im Alter von sieben und vier Jahren überlebten. Die siebenjährige ältere Schwester wurde aber durch einen Schuss und Schläge auf den Kopf schwer verletzt. Sie musste zwischenzeitlich in ein künstliches Koma versetzt und zweimal operiert werden.
Verschiedene Schwerpunkte
Die jüngere Schwester konnte den Ermittlern nicht weiterhelfen, weil sie während der Bluttat zwar Schreie gehört, aber nichts gesehen hatte. Die Vierjährige hatte sich in dem Auto ihrer Eltern stundenlang unter ihrer getöteten Mutter versteckt.
Die ältere Schwester, die die Bluttat miterlebt hatte, war von den Ermittlern kurz angehört worden. Sie sagte laut dem Staatsanwalt, sie habe «einen bösen Mann» gesehen. Weitere Anhörungen des Kindes seien derzeit nicht geplant, sagte der Staatsanwalt.
Nach jüngsten Angaben der Staatsanwaltschaft werden zur Aufklärung des Verbrechens Kontakte des getöteten Vaters in dessen Geburtsland Irak verfolgt. Zwei andere Ermittlungsschwerpunkte sind das berufliche Umfeld des Mannes, der in der Luft- und Raumfahrtbranche beschäftigt war, sowie ein möglicher Erbstreit mit dem Bruder.
(sda/weis)



