US-Wahlkampf 2012
Romney überzeugt in TV-Debatte
Medien und Umfragen sehen Herausforderer Mitt Romney nach dem ersten TV-Duell als Sieger. Auch SF-Korrespondent Arthur Honegger attestierte Romney, «inhaltlich einen guten Job» geleistet zu haben. Obama befand er als zurückhaltend. Insgesamt «wenig Fruchtbares» sah USA-Kenner Kurt Spillmann in einem Schlagabtausch mit «wenig Biss».
Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat mit dem TV-Duell gegen Amtsinhaber Barack Obama Boden gut machen können. Dies zeigte eine Reuters/Ipsos-Umfrage, die nach dem Duell in den USA durchgeführt worden war.
Romney wird demnach nun von 51 Prozent der Wählern positiv gesehen. Obamas günstigen Umfragewerten hat sein von vielen eher verhalten eingeschätzter Auftritt indes nicht geschadet: Er verteidigte seine Favoritenrolle und kam auf unverändert 56 Prozent.
Auch eine repräsentative Telefonumfrage des Senders CBS bei unentschlossenen Wählern sieht Romney vorn. 46 Prozent meinten, Romney habe die Debatte gewonnen, 22 meinten, Obama sei als Sieger von der Bühne gegangen. Der Rest spricht von einem Unentschieden.
Romney als Vertreter der Mittelklasse
Laut Arthur Honegger, SF-Korrespondent in den USA, war Romney gut vorbereitet. «Er hat sich Sachen vorgenommen und auch so durchgezogen». Einen Pluspunkt für Obama sah Honegger hingegen in seinem Auftreten. «Er wandte sich oft mit dem Blick zu Wählern und suchte so den direkten Kontakt». Romney hingegen fokussierte sich oft auf seinen Kontrahenten.
«Wer ist jetzt eigentlich Sprecher der Mittelklasse?», fragte USA-Kenner Kurt Spillmann rhetorisch kurz nach dem Ende der Debatte in der Sondersendung des Schweizer Fernsehens. Der Umstand sei auf alle Fälle neu, dass sich nun auch Romney als deren Vertreter positioniere.
Auf Spillmann wirkte Romney angriffslustiger. Obama hingegen befand er als «wenig präzis». Dieser Meinung war auch Beat Soltermann, Korrespondent von Schweizer Radio DRS in den USA: «Romney war angriffiger, präziser und witziger». Obama schien für Soltermann hingegegen «etwas aus der Debattierübung».
Romney habe konsistenter gesprochen, sagte Spillmann. Dies aber aus dem Vorteil heraus, dass er noch Versprechungen machen könne, wie sein Kontrahent vor vier Jahren, und nicht wie Obama die Regierungsverantwortung trage.
Obama kaum offensiv
Verschiedene US-Kommentatoren zeigten sich erstaunt, dass Obama zahlreiche Themen ausgeklammert hat, die zuvor Romneys Umfragewerte negativ beeinflusst hatten. So klammerte Obama persönliche Attacken gegen seinen Herausforderer weitgehend aus.
Kein Wort über Romneys Vergangenheit als knallharter Finanzmanager bei Bain Capital, kein Verweis auf seine Patzer im Wahlkampf – etwa als er 47 Prozent der Amerikaner quasi als Sozialschmarotzer charakterisierte. Auch Romneys Weigerung ältere Steuererklärungen offenzulegen, wurde nicht thematisiert.
Spillmann konstatierte Obama taktische Schwächen. Der amtierende US-Präsident habe gewichtige Pluspunkte seiner Innenpolitik «quasi nur im Vorbeigehen erwähnt», sagte Spillmann, so etwa die Rettung der US-Automobilindustrie.
Wer hat gepunktet?
«Obama wirkte schwächer», bilanzierte Spillmann. «Romney konnte punkten», befand auch Honegger, den Wahlkampf habe diese Debatte aber nicht entscheidend verändert. «Für unentschiedene Wähler schaute wenig Fruchtbares heraus», waren sich beide einig.
(sf/agenturen/koua/hesa/weis;krua)







