Inhalt

International

Festnahmen nach Doppelmord bei Grenoble – Entsetzen in Frankreich

Donnerstag, 4. Oktober 2012, 9:21 Uhr

Nach dem bestialischen Mord an zwei jungen Männern in einem Vorort von Grenoble hat Frankreichs Justiz Ermittlungen gegen sieben Verdächtigte eingeleitet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft, wurden die Verdächtigen in der Nacht in U-Haft genommen.

Bild

Was mit einem achten Mann geschah, der ebenfalls in der Nacht den Haftrichtern vorgeführt werden sollte, ist bislang unklar.

Der zuständige Staatsanwalt Jean-Yves Coquillat hatte am Mittwochnachmittag gesagt, er vermute, dass die Verdächtigen «direkt an den beiden Morden beteiligt waren». Keiner von ihnen habe dies jedoch zugegeben.

Rund 50 Polizisten begannen am Dienstagmorgen damit, Wohnungen im Problemviertel Villeneuve zu durchsuchen. Insgesamt wurden zwölf Männer wegen Mordverdachts festgenommen. Drei Personen waren nach der Razzia noch auf der Flucht.

Bild Kartenauschnitt Frankreich
Der Doppelmord ereignete sich in einem Vorort südlich von Grenoble. sf

«Hinterhältiges Verbrechen»

Am Mittwoch wurden vier Verdächtige auf freien Fuss gesetzt, weil laut Coquillat entweder keine ausreichenden Beweise vorlagen oder sie vermutlich nicht am Tatort waren.

Zwei 21jährige waren am Freitagabend in Villeneuve in einem Park von einer Gruppe von 15 bis 20 Männern brutal ermordet worden. Die Angreifer waren mit Messern, Hämmern und Stöcken bewaffnet. Der Bluttat, die in Frankreich für Entsetzen sorgte, ging ersten Ermittlungen zufolge ein Streit voraus, in den ein jüngerer Bruder eines der Mordopfer verwickelt war. Eines der Opfer ist mit 30 Messerstichen getötet worden.

Die traurige Geschichte ist längst zum Politikum geworden. Frankreichs Präsident François Hollande besuchte am Montagabend zusammenmit Innenminister Manuel Valls die Opferfamilien und versprach, er werde alles unternommen, um die Schuldigen für dieses «hinterhältige Verbrechen» zu finden.

Jugendliche in Frankreich zu Tode geprügelt («Tagesschau», 03.10.12, 19.30 Uhr)

Schwere Unruhen im Sommer 2010

Das Problemviertel Villeneuve war bereits vor zwei Jahren in den Blickpunkt der Medien geraten. Nach dem Tod eines 27 Jahre alten Casino-Räubers, der bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet worden war, kam es im Sommer in dem Vorort im Sommer 2010 drei Tage lang zu schweren Unruhen.

Dabei wurden Geschäfte geplündert, dutzende Autos angezündet und auf Polizisten geschossen. Nach den Ausschreitungen rief der damalige Staatschef Nicolas Sarkozy einen «nationalen Krieg» gegen die Kriminalität insbesondere in den Problemvierteln von Grossstädten aus.

(sda/muei;hesa)