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US-Wahlkampf 2012

TV-Duell: Die Angst vor der Blamage

Mittwoch, 3. Oktober 2012, 8:09 Uhr, Aktualisiert 20:29 Uhr

Die erste TV-Debatte zwischen Barack Obama und Mitt Romney steht kurz bevor. Die ganze USA warten auf den verbalen Schlagabtausch der beiden Kontrahenten. Das Duell wird als Stunde der Wahrheit angesehen – als der Moment, in dem eine Wahl gewonnen oder verloren werden kann.

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Ein kleiner Rückblick auf frühere TV-Duelle (Tagesschau 03.10.2012, 19:30 Uhr)

Mann gegen Mann. Obama gegen Romney. Die Fernsehdebatte vom 3. Oktober ist das erste direkte Aufeinandertreffen von Barack Obama und Mitt Romney im Wahlkampf. Geleitet wird die Diskussion von Moderator Jim Lehrer. Er hat schon 11 Debatten geleitet. Das Duell in Denver ist einer der grossen Höhepunkte – und könnte das Rennen um die Präsidentschaft nochmals so richtig lancieren.

Obama: guter Redner, weniger guter Debattierer

Obama und Romney bereiten sich entsprechend schon seit längerem auf die Debatte vor. Mit Senator John Kerry hat Obama einen routinierten Sparringpartner, der ihm vor allem kurze und prägnante Sätze im Duell beibringen soll. Zwar gilt Obama als ausgezeichneter Redner, seine Debattierkünste sind aber steigerungsfähig. Denn als Obamas Schwäche werden seine zum Teil professoralen Ausschweifungen angesehen.

Während den Vorwahlen der Demokraten 2008 bediente Obama teils Vorurteile, er sei abgehoben und arrogant. Damals sagte er seiner damaligen Konkurrentin Hillary Clinton sie sei «ja ganz sympathisch». Ein Kompliment, das etwas abschätzig tönte.

Romney: angriffig, aber kein Wadenbeisser

Aber auch in der anderen Ecke – in der republikanischen – hat sich Romney mit Senator Rob Portman einen erfahrenen Trainingspartner ausgesucht. Er soll Romney beibringen, wie er Obama im Rededuell eine entscheidende Verletzung beibringen kann. Portman war schon 2008 John McCains Trainingspartner. Insider sagen, er habe McCain in den damaligen Trainings richtiggehend an die Wand debattiert.

Portman soll Romney beibringen, wie er angriffig sein soll, ohne ein Wadenbeisser zu sein. Überlegen soll er wirken, aber nicht abgehoben. Präsidial eben. In den Debatten des republikanischen Vorwahlkampf gelang ihm dies nicht immer. In einer Debatte wollte er eine Wette um Fakten mit 10'000 Dollar Einsatz untermauern. Damit bediente er aber Vorurteile, er sei ein abgehobener Milliardär.

Darüber werden Obama und Romney streiten

Seit Wochen sind die Themen der ersten Fernsehdebatte zwischen Barack Obama und Mitt Romney festgelegt. Beim Duell geht es ausschliesslich um innenpolitische Themen, vor allem um die Wirtschaft in den USA. Zum genauen Ablauf der Debatte erfahren Sie hier mehr.

Schon die Vergangenheit hat gezeigt: in den Debatten kann eine Wahl weniger gewonnen als vielmehr verloren werden. Aus früheren Debatten bleibt vor allem in Erinnerung, wie etwa George Bush senior 1992 gelangweilt auf seine Uhr blickte. Al Gore seufzte 2000 oft und laut. Und in der allerersten TV-Debatte 1960 fiel ein angespannter Richard Nixon neben dem jung wirkenden John F. Kennedy richtiggehend ab.

Manchmal ist Schweigen Gold

Dass es oft gar nicht auf die Worte ankommt, zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 1976 im Wahlkampf Jimmy Carter gegen Gerald Ford. Bei der TV-Übertragung fiel der Ton aus. Aus Angst eine unangebrachte Geste zu machen, blieben die Kandidaten wie Statuen stehen. Das TV-Publikum blickte gebannt auf die beiden schweigenden Männer, bis der Ton wieder da war. Ganze 27 Minuten lang.

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Gerade die Unberechenbarkeit der Live-Sendung macht das TV-Duell aus. Auch die beiden aktuellen Kandidaten werden vor allem auch mit sich selbst zu kämpfen haben. So hatte Romney in den republikanischen TV-Debatten des Vorwahlkampfs einen Hang zu Patzern gezeigt. Und Obama kann von seinern Erfahrungen 2008 nur bedingt zehren. Damals war er noch der unverbrauchte Visionär.

Hauptsache nicht blamieren

Die Wahlkampfteams wollen möglichst gut gewappnet in den Ernstkampf. Obama und Romney haben sich in den letzten Tagen zur Vorbereitung zurückgezogen. Trotz der aufgestauten Dramatik wollen die Wahlkampf-Teams die Erwartungen tief halten. Ein Memo des Obama-Teams warnte, dass Romney «ein gut vorbereiteter, disziplinierter und aggressiver Debattengegner sein wird». Und das republikanische Lager liess seine Hochachtung für Obama verlauten. Er sei «einer der talentiertesten politischen Kommentatoren der modernen Geschichte».

Ob einer der beiden Kandidaten wirklich punkten kann, wird sich zeigen. Der Vorteil liegt aber sicherlich bei Obama. Er liegt seit Wochen in den Umfragen vorne. Romney steht viel mehr unter Zugzwang. Unter seinen Beratern soll die Einschätzung kursieren, dass die Debatten die einzig echte verbliebene Chance böte, gegen Obama «den entscheidenden Schlag zu landen». Tatsächlich gilt aber für beide Kandidaten vor allem eines: sich nicht blamieren.

Präsidentschaftsdebatte live

In der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober stossen Barack Obama und Mitt Romney erstmals im Wahlkampf direkt aufeinander. Das Schweizer Fernsehen überträgt die erste von drei TV-Debatten live ab 2.45 Uhr auf SF1 und auf tagesschau.sf.tv im Livestream. Zu Gast in der Sendung ist USA-Kenner Kurt Spillmann.

(sf/dpa/frua)