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Krank durch Lebensmittel: So reagiert das BAG

Dienstag, 2. Oktober 2012, 0:05 Uhr

In Deutschland haben sich vergangene Woche fast 9000 Personen mit einer Magen-Darm-Erkrankung infiziert. «SF Online» fragte beim BAG nach: Wie würden Schweizer Behörden in einem solchen Fall reagieren?

Die Epidemie Kinder und Jugendliche in Ostdeutschland. Sie hatten möglicherweise verdorbenes Essen in Schul- und Kindertagesstätten konsumiert, die vom gleichen Lieferanten mit Mahlzeiten beliefert wurden. Im Verdacht stehen hochansteckende Noroviren oder bakterielle Giftstoffe. 23 Personen sind hospitalisiert worden. Das Robert Koch Institut (RKI) spricht von dem «mit Abstand grössten bekannten lebensmittelbedingten Ausbruch in Deutschland».

Wie würde in der Schweiz eine Epidemie von diesem Ausmass unter Kontrolle gebracht? «SF Online» hat Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), befragt.

Wie erfährt das BAG von einem lebensmittelbedingten Krankheitsausbruch?

Daniel Koch: Sowohl Ärzte als auch Laboratorien senden erfasste Krankheiten über das obligatorische Meldesystem an die kantonalen Gesundheitsbehörden und das BAG. Tritt ein Ausbruch gehäuft auf, können auch sogenannte Häufigkeitsmeldungen eingegeben werden. Das Vorgehen gilt für sämtliche Erkrankungen – auch für solche, die durch Lebensmittel verursacht werden.

SF Online : Wie reagieren das BAG und die Kantonsärzte auf die Meldungen?

Wir verfügen über ein Überwachungssystem. Sobald etwas Verdächtiges auftaucht, analysieren wir es. Müssen beispielsweise Lebensmittel untersucht werden, wird auch der Kantonschemiker hinzugezogen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Bei Meningitis (Hirnhautentzündung) genügt beispielsweise bereits ein Fall, und das BAG wird aktiv. Dazu kann gehören, dass Personen aus dem Umfeld des Krankheitsfalls prophylaktisch behandelt werden. Bei einem Ausbruch des Norovirus in einem Pflegeheim kann beispielsweise dem erkrankten Personal geraten werden, von der Arbeit fernzubleiben, damit nicht das Personal die Patienten ansteckt. Bei grösseren Fällen wie beispielsweise einem Ausbruch der Schweinegrippe wird sofort eine Krisen-Organisation einberufen.

In Deutschland wurde bereits eine Task-Force verabschiedet. Wäre dies in der Schweiz ebenfalls passiert?

Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Deutschland ist wegen dem Ehec-Ausbruch sicher sensibilisiert und wird deshalb vermutlich rasch aktiv.

Wie verläuft die Kommunikation in der Schweiz?

Das BAG kommuniziert über die Kantonsärztlichen Dienste, die entsprechende Massnahmen einleiten. In dringenden Fällen kann das BAG auch direkt mit der Verbindung Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) und weiteren Stellen in Kontakt treten.

Bild Regal mit Eiern
Rohe oder ungenügend erhitze Eier können Salmonellen übertragen. keystone/symbolbild

Lebensmittelbedingte Ausbrüche in der Schweiz

Seit 1988 erfasst das BAG lebensmittelbedingte Ausbrüche systematisch. Spitzenreiter unter den Verursachern sind Salmonellen, die meist durch rohe Eier übertragen werden. Über die letzten 20 Jahre hat die Anzahl der Salmonellen-bedingten Ausbrüche dank neuer Sicherheitsvorkehrungen jedoch massiv abgenommen (1993: 27 Ausbrüche; 2010: 1 Ausbruch).

 

In diesen Lebensmitteln versteckten sich die Erreger

Inkriminierte Lebensmittel bei Ausbrüchen mit nachgewiesenem bakteriellem Erreger, 1993 – 2010, Quelle: bag

Eierspeisen 71
Fleisch und Fleischwaren 33
Milch und Milchprodukte 16
Rohmilch / Kontakt mit Kühen 5
Salate / Traiteurwaren 6
vorgekochte Speisen / Saucen 7
Trinkwasser 8
Patisseriewaren 3
unbekannte Quelle 42

(sf/buev)