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US-Wahlkampf 2012

US-Wahlen: Turbo-Patriotismus für Ausland-Amerikaner

Dienstag, 2. Oktober 2012, 9:09 Uhr

Amerikanische Präsidentschaftswahlen finden in 54 Staaten statt. Ausserhalb der USA. Für die amerikanische Diaspora sind diese Wahlen nicht nur die Krönung eines freiheitlich politischen Ausdrucks. Sie sind ein Stück Heimat. Und die Zeit, um patriotisch zu sein.

Bild Menschenmenge am Times Square anlässlich der Verkündung der Wahlresultate bei den US-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2008.
Wenn auch nicht so zahlreich wie am Times Square im Jahr 2008, aber sicher so heimatverbunden wie möglich, werden die politisch interessierten Ausland-Amerikaner in der Schweiz die Wahlnacht im November begehen. reuters / archiv

Tage wie der kommende Mittwoch sind Kulminationspunkte amerikanischer Heimatgefühle. Wenn jenseits des Teichs die beiden amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney und Barack Obama in der ersten Wahlkampf-TV-Debatte die Klingen kreuzen, gibt es wohl kaum einen Ausland-Amerikaner, der nicht an den Lippen des einen oder anderen hängt.

Reichhaltige politische Identifikation

Sie sind gut organisiert, die politisch interessierten Amerikaner im Ausland. Von A wie Austria bis Z wie Zambia gibt es in 54 Ländern Lokalableger von politischen Organisationen für Ausland-Amerikaner. Notabene sauber gebündelt nach Demokraten und Republikanern.

Darüber hinaus agieren zahlreiche weitere Organisationen gerade während der Präsidentschaftswahlen als wahre Turbolader heimatlicher Identifikation. Interessensvereinigungen aller Art, vom «American Women Club» bis zum «American International Club». Für sie alle ist die kommende Wahl des mächtigsten Mannes der Welt nicht zuletzt auch ein Gruppenerlebnis mit kollektiv-patriotischem Unterbau.

American Breakfast «in big family»

In dieser Hinsicht geradezu zurückhaltend ist das Programm bei der «Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer»(AmCham). Die Dachorganisation für in beiden Ländern tätige Unternehmungen lässt sich nur gerade zu einem einzigen Anlass hinreissen. «Wir stehen politisch wohl eher den Republikanern nahe, es ist dennoch nicht unsere Aufgabe, uns in politische Prozesse einzugeben», sagt AmCham-Chef Martin Naville zu «SF Online».

Die Kammer organisiert für Interessierte ein Wahl-Frühstück am 7. November im Hotel Widder in Zürich. American Breakfast, heimisches Idiom und die Resultate des Wahlkampfs auf Grossbildschirm. Live geliefert von CNN, wenn alles gut geht und zum Frühstück die Sieger bereits feststehen.

«Es ist nicht in erster Linie eine politische Veranstaltung», sagt Naville, «wir wollen den Ausland-Amerikanern einfach eine Gelegenheit bieten, den Höhepunkt dieser Wahl in geselliger Gruppe zu erleben.» Über die mediale Live-Berichterstattung hinaus sei nichts geplant, so Naville weiter. Je nachdem, welche Gäste sich einfinden würden, wird man den einen oder anderen bitten, die Resultate am TV zu kommentieren.

Events im Takt des Weltgeschehens

Hingebungsvoller beteiligt man sich unter den Mitgliedern der politischen Clubs. Bei ihnen sind die vier historischen Wochen auf der Zielgeraden zur Wahl event-technisch sattsam bestückt.

Bei «Democrats Abroad Switzerland» (DA), der Vereinigung für politisch Interessierte Demokraten in der Schweiz, jagt ein Wahl-Event den nächsten. Selbstredend, dass die erste Präsidentschafts-Debatte vom Mittwoch gleich in drei grossen Schweizer Städten (Zürich, Genf, Lausanne) als kollektives Demokratieerlebnis zum Mitfiebern einlädt.

Mit Herzblut und Pancake

In Genf habe man ein ganzes Kino gemietet, erklärt die DA-Vorsitzende Maya Samara im schriftlich geführten Interview mit «SF Online». Da lädt man im Prinzip Obama-Fans aller Nationalitäten ein, gemeinsam «...das Wahlfieber und die Leidenschaft für die US-Politik zu teilen.»

In Zürich gehen die Ausland-Demokraten die Debatte familiärer an. Man trifft sich am Abend bei einem der Mitglieder. Jeder bringt etwas zu naschen mit, der Gastgeber spendiert die Cola dazu. Und CNN liefert das Adrenalin.

Über eine Live-Schaltung sind die rund 100 Teilnehmer mit Elizabeth Warren verbunden. Sie ist Spende-Managerin im Wahlkampf um den demokratischen Senat in Massachusetts. Sie wird die am TV verfolgte Debatte diskursiv anreichern und mit einem Schuss heimatlicher Authentizität ausstatten.

Party in der Wahlnacht

Ähnlich gewissenhaft finden auch die Vizepräsidentschafts-Debatte und die zweite Präsidentschaftsdebatte Eingang ins Club-Leben. Was dann am Wahlabend selbst bei den «Democrats Abroad Switzerland» passieren wird, ist im Moment – mindestens zum Teil  – noch Gegenstand der Entwicklung.

In Zürich wird es sich wie bereits in 2008 die Sektion zur Aufgabe machen, Obamas Wiederwahl in eine Party münden zu lassen. Oder dann niedergeschlagenen Ausland-Demokraten mit einer Party ein patriotisches «So what!» zu entlocken. Die Genfer Sektion will ihr Programm im Laufe der Woche der Öffentlichkeit vorstellen. Gefeiert wird sicherlich auch dort.

Man trifft sich

Ganz im Sinne der Auslandwähler sind auch die Anlässe der republikanischen Vereinigung «Republicans Abroad in Switzerland» gestaltet. Nicht ganz so zahlreich wie bei den Demokraten, aber in gleichem Mass getragen von einem heimatlich beschwingten Grundgefühl.

Im September hat die Vereinigung ihre 250 Mitglieder in den «Club Natique» in Genf geladen. «Bei Cocktail und Häppchen ist den Gästen das Prozedere für die Online-Wähler-Registrierung nahe gebracht worden», sagt der Vorsitzende der Vereinigung Ed Flaherty zu «SF Online». Im Oktober trifft man sich voraussichtlich zu einem weiteren Wahl-Event anlässlich eines Servette-Eishockey-Spiels.

Für die Nacht der Nächte vertraut man ganz den choreographischen Kompetenzen des «American International Clubs». Die meisten Anhänger des republikanischen Lagers würden die Wahl im Rahmen einer «Celebration Night» miterleben, so Flaherty weiter.

Auch politisch weniger Interessierte

Nicht alle in der Schweiz lebenden Amerikaner – nahezu 40'000 inklusive Doppelbürger – sind politisch organisiert, auch wenn sie ihr Wahlrecht recht komfortabel wahrnehmen können. Viele von ihnen verfolgen die Wahlen vom Sofa aus. Zusammen mit Freunden und den Genüssen aus ihrer Heimat.

Democrats and Republicans Abroad

Die beiden politischen Vereinigungen amerikanischer Demokraten und Republikaner in der Schweiz haben vor allem die politischen Rechte ihrer Mitglieder im Auge.

Beide, «Democrats Abroad Switzerland» als auch «Republicans Abroad Switzerland», bieten ihren Mitgliedern konkrete Hilfe bei ihrer Registrierung als Auslandwähler.

(sf/from; muei)