Krise im Euro-Land
Griechenland und «die Grenze des Ertragbaren»
Griechenlands Wirtschaft rollt langsam aber stetig an. Die hohen Schuldzinsen aber verhindern erste schwarze Zahlen nach 6 Jahren der Rezession. Deshalb bleibt die Zukunft aussichtslos. Kommt hinzu: Die Griechen zahlen in Europa am meisten für ihre Lebenshaltungskosten.
«Die Grenze des Ertragbaren ist erreicht», schreibt die Zeitung «To Vima» in ihrer täglichen Kolumne zur Lage der Nation. Und bald würden auch die Portugiesen, Spanier, Italiener, Franzosen und Gott weiss wer an diese Grenzen stossen.
Von einem «kurzsichtigen Europa» ist die Rede, welches die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft der jeweiligen Schuldenländer mit Augenmerk auf die nackten Zahlen übersehe.
Grassierende Schwarzarbeit
In der konservativen Zeitung «Kathimerini» titelt Kolumnist Ilias Maglinis «Das Volk kocht vor Wut». Dabei sei aber nicht die «700 Euro-Generation» gemeint. Betroffen seien inzwischen auch diejenigen Arbeitnehmer, die über 1000 Euro verdienen. Diejenigen also, schreibt Magnilis weiter, die sich selber eigentlich als «Glückliche» bezeichnen dürfen.
Bereits 2010 berichtete «ECO» über den schwierigen Alltag der Griechen unter dem Spardiktat.
Besorgniserregend sind auch die von der Gewerbeaufsicht veröffentlichten Zahlen für Schwarzarbeit. Im ersten Halbjahr 2012 arbeitete laut Statistik jeder dritte Arbeitnehmer schwarz. Die Zahlen wurden aus 18'698 Kontrollen erhoben. 57,2 Prozent betreffen Griechen, 48,2 sind Ausländer.
Höhere Steuern, tiefere Löhne, explodierende Preise
In ihrem Haushaltsentwurf geht die Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras davon aus, dass 2013 mit 24,7 Prozent fast jeder Vierte im Land arbeitslos sein wird. Experten rechnen gar mit einer Quote von 27 Prozent.
Dazu kommt: Abgesehen von den Mieten sind viele Preise nicht gesunken, im Gegenteil. Vieles ist sogar teurer als in westeuropäischen Ländern.
Die Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat sprechen für sich: Zu Beginn des vergangenen Jahres, als die Teuerungsrate im Euroraum bei 2,4 Prozent lag, stiegen die Preise ausgerechnet im rezessionsgeplagten Griechenland schneller als in jedem anderen Staat der gemeinsamen Währungszone.
Bei 4,2 Prozent lag die Inflation im Februar 2011, im März stieg sie sogar noch einmal leicht. Zum November hin sank die Teuerung dann zwar auf 2,8 Prozent, doch das entsprach immer noch der Inflationsrate, wie jene Deutschlands – mit seiner boomenden Wirtschaft.

Teures Griechenland
Griechen zahlen bis zu 31% mehr für Milch, Käse, Eier sowie Unterhaltungselektronik als die übrigen Europäer. Das sind Spitzenwerte in der Eurozone. Die neusten Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat zeigen weiter: Bei Preisen für Brot, Fisch, Spirituosen und Kleidung gehört Griechenland ebenfalls zu den Top 10 der teuersten Länder.
Einer der Gründe ist die gleich zu Beginn der Krise auf Druck des Internationalen Währungsfonds zweimal erhöhte Mehrwertsteuer. Sie stieg von 19 auf 21, dann auf 23 Prozent, den höchsten Satz in der Eurozone. Später gab es sogar noch eine dritte Erhöhung, bei der die Kategorien der Produkte und Dienstleistungen, die traditionell einem reduzierten Mehrwertsteuersatz unterliegen – Lebensmittel zum Beispiel –, erheblich eingeschränkt wurden.
Ohne Schuldendienst läge ein Plus drin
Auf die geplagte Seele der Griechen drückt ein weiterer Umstand: Müsste Griechenland nicht so hohe Zinsen für seine Schulden bezahlen, hätte es kommendes Jahr dem Haushaltsentwurf zufolge zum ersten Mal seit langem einen Haushaltsüberschuss von 1,1 Prozent des BIP.
Unter Berücksichtigung des Schuldendienstes werde daraus allerdings ein Defizit von 4,2 Prozent. 2012 soll das Haushaltsdefizit 6,6 Prozent betragen.
Milliarden werden gespart
Um den Haushalt zu sanieren, will die griechische Regierung allein im kommenden Jahr 7,8 Milliarden Euro einsparen. Dies wäre mehr als die Hälfte der 13,5 Milliarden Euro, die Athen auf Druck von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) in den kommenden beiden Jahren einsparen soll.
(zeitungen/agenturen/koua;schubeca)






