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Schweiz

Kampagne zeigt Blocher als Flüchtling

Montag, 1. Oktober 2012, 12:33 Uhr, Aktualisiert 20:55 Uhr

Amnesty International (AI) provoziert mit einem Werbe-Feldzug gegen Asyl-Hardliner. Anlass für die Kampagne gegen die Bundespolitiker seien die jüngsten Verschärfungen des Asylgesetzes, so AI.

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In Videos, Plakaten und Postkarten werden Schweizer Politiker, die für ihre harte Gangart in der Asylpolitik bekannt sind, satirisch in Szene gesetzt: Die Parlamentarier werden zu Asylbewerbern gemacht.

Die Kampagne von Amnesty International und weiteren Schweizer NGOs sei «ein Appell an die Schweizer Öffentlichkeit, sich für eine faire und menschenwürdige Asylpolitik einzusetzen». In einem YouTube-Video zeigen sie die beiden SVP-Politiker als somalische Flüchtlinge, die Geissbock und SVP-Maskottchen Zottel im Kochtopf garen müssen, um nicht zu verhungern.

Amnesty International bezeichnet ihre neuste Kampagne als satirisch. Sie soll für Solidarität und Verständnis werben. Und malt politische Gegner dafür Schwarz. Das ist eine zunehmend populäre Methode. «Provokationen gehören zum politischen Geschäft und sie gehören zu politischen Kampagnen», erklärt Politik- und Kampagnenberater Mark Balsiger in der «Tagesschau».

Neue Asylinitiative angekündigt

Insbesondere die harten, direkten Angriffe auf Personen hätten zugenommen, erklärt Mark Balsiger. Mit Amnesty International habe nun zum ersten Mal eine etablierte Organisation eine neue Stufe erreicht, indem sie ebenfalls einen direkten und personifizierten Angriff ausführe.

Mark Balsiger: «Das ist eine zunehmend populäre Methode.» («Tagesschau», 01.10.12)

Die Kampagne von Amnesty International will auf jüngste Entscheide im Parlament aufmerksam machen. Mit Hilfe der Dringlichkeitsklausel hat die Bundesversammlung Massnahmen in der Herbstsession im Parlament verabschiedet, die nun sofort in Kraft treten. Der SVP geht die Verschärfung des Asylrechtes nicht weit genug.

Die Volkspartei hat aus diesem Grund am Sonntag eine neue Asylinitiative angekündigt. Diese sieht unter anderem vor, Asylsuchende während des gesamten Verfahrens in geschlossenen Lagern zu internieren. Die SVP hat in der Vergangenheit auch mit provokativen Kampagnen von sich reden gemacht. Dennoch ist der Werbestil so effektiv, dass er bereits in andere Länder importiert wurde (z.B. nach Belgien).

Die Kampagnen aus dem politisch rechten Lager sind meist erfolgreich. Allerdings zielen sie nie auf den personifizierten Gegner. «Die nationalkonservativen Kreise können seit mehr als 40 Jahren immer wieder die gleichen diffusen Ängste in der Bevölkerung wecken. Und sie können die Ängste auch bewirtschaften», führt Balsiger aus. Diese Kreise benötigten in ihren Kampagnen kein Gesicht des Gegners. Vielmehr können sie auf diese diffusen Ängste zurückgreifen.

Kampagnen vor Gericht

Kampagnen, die ohne deren Einverständnis mit Prominenten werben, sind umstritten. Im Rahmen einer Plakat-Kampagne haben die Schweizer Jungsozialisten Köpfe von Managern auf halbnackte Männerkörper montiert. Auf dem Bild steht Daniel Vasella in einer Reihe mit CS-Chef Brady Dougan und UBS-CEO Oswald Grübel.

Mit dem polarisierenden Motiv machte die Juso Stimmung für ihre eidgenössische Volksinitiative «1:12 – Für gerechte Löhne». Diese Kampagne endete vor Gericht: Eine Klage von Novartis-Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella gegen die Juso Schweiz ist in zweiter Instanz abgewiesen worden. Das Urteil wird jedoch weiter gezogen.

(sf/rufi;galc)