Schweiz
Geheimdienst-Experte: «Reif für Guinness-Buch der Rekorde»
Der Datendiebstahl im Nachrichtendienst des Bundes ist nur dank Kommissar Zufall aufgedeckt worden. Ein Informatiker spazierte unbehelligt mit Festplatten im Rucksack durch die Sicherheitsschleuse. Pleiten, Pech und Pannen? Nicht gerade vertrauenserweckend für die Partnergeheimdienste, meint einer der renommiertesten Geheimdienst-Kenner Europas.
Der Datendieb wurde laut «SonntagsZeitung» erst durch einen Tipp der UBS gestoppt, dort wollte er ein Nummernkonto eröffnen. «Der Mann konnte also noch frühzeitig gestoppt werden», versucht der Nachrichtendienst zu beruhigen. Das sei kein Grund sich stolz in die Brust zu werfen, erklärte dagegen der Geheimdienst-Experte Erich Schmidt-Eenboom gegenüber «10vor10».
«Ein solcher Datendiebstahl bei einem Nachrichtendienst in diesem Umfang ist einmalig und vom Datenumfang her, wohl der grösste, den wir je in der Geschichte der Spionage erlebt haben», stellt Schmidt-Eenboom fest.
Klarer Vertrauensverlust
Bisher hätten Maulwürfe im Nachrichtendiensten immer einzelne Dokumente – möglicherweise über Jahre hinweg Sätze von Dokumenten – für gegnerische Nachrichtendienste beschafft, aber Terrabytes von Informationen aus einem Nachrichtendienst herauszuziehen, das sei wirklich reif für das Guinness-Buch der Spionagerekorde, setzt er hinzu.
Schmidt-Eenboom diagnostiziert einen erheblichen Mangel an Sicherheitsvorkehrungen im Schweizer Nachrichtendienst. Diese Episode sei für das Ansehen des Schweizer Nachrichtendienstes verheerend. «Das hat zu einem Vertrauensverlust bei befreundeten Nachrichtendiensten geführt, die sich künftig genau überlegen werden, welche Informationen sie mit der Schweiz teilen wollen.»
(sf)







