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International

SS-Massaker in toskanischem Bergdorf bleibt ungesühnt

Montag, 1. Oktober 2012, 17:55 Uhr

Jahrelang war mit grossem Aufwand ermittelt worden – vergebens, wie sich nun zeigt: Das Massaker der deutschen SS im August 1944 in Sant'Anna di Stazzema wird keine juristischen Folgen haben. Die Ermittlungen gegen die Beschuldigten wurden eingestellt.

Bild Mahnmal im italienischen Sant'Anna di Stazzema: Die Täter von damals müssen wohl keine Strafverfolgung mehr fürchten.
Mahnmal im italienischen Sant'Anna di Stazzema: Die Täter von damals müssen wohl keine Strafverfolgung mehr fürchten. reuters

Die Staatsanwaltschaft in Stuttgart hatte die Ermittlungen zu dem Massaker vor gut zehn Jahren aufgenommen. Sie konnte sich dabei auf Vorarbeiten der Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Deutschland stützen.

Schuldnachweis kann nicht erbracht werden

Trotz der jahrelangen Ermittlungen kann die Justiz den 17 Beschuldigten die damals verübten Morde nicht nachweisen. Massgebend für die Einstellung des Verfahrens sei gewesen, dass sich heute nicht mehr nachweisen liesse, ob es sich bei dem Massaker um eine geplante und befohlene Vernichtungsaktion gegen die Zivilbevölkerung gehandelt habe, so die Staatsanwaltschaft.

Es bestehe auch die Möglichkeit, dass das Ziel des Einsatzes die Bekämpfung von Partisanen war. Die Erschiessung der Zivilbevölkerung könnte erst befohlen worden sein, als klar war, dass dieses Ziel nicht erreicht werden konnte.

Die blosse Zugehörigkeit eines Menschen zu einer der in Sant' Anna di Stazzema eingesetzten Einheiten der Waffen-SS könne den notwendigen individuellen Schuldnachweis nicht ersetzen, teilte die Anklagebehörde weiter mit. Vielmehr müsse bei jedem einzelnen Beschuldigten festgestellt und belegt werden, dass und in welcher Form er an dem Massaker beteiligt gewesen sei.

Genaue Zahl der Opfer bis heute unklar

Das Massaker war von Angehörigen der 16. SS-Panzergrenadierdivision «Reichsführer SS» am 12. August 1944 in dem toskanischen Bergdorf verübt worden. Die Zahl der Opfer lässt sich heute nicht mehr genau feststellen, da sich in dem Ort zum Tatzeitpunkt zahlreiche Flüchtlinge aufhielten. Italienische Behörden gehen von 560 Todesopfern aus – darunter mindestens 107 Kinder.
 
Der Justizminister des Bundeslandes Baden-Württemberg, Rainer Stickelberger, bedauerte, dass es trotz des grossen Ermittlungsaufwands nicht gelungen sei, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. «Ich bin mir bewusst, dass dies besonders für die Angehörigen der Opfer dieses Kriegsverbrechens eine grosse Belastung ist.»

(agenturen/krua;galc)