International
Pussy-Riot-Anhörung vertagt
Ein Moskauer Gericht hat das Berufungsverfahren gegen drei Frauen der Polit-Punkband Pussy Riot überraschend auf den 10. Oktober vertagt. Die Richterin gab einem Antrag einer der inhaftierten Künstlerinnen statt, ihren Anwalt auszutauschen.
Ihre Position stimme nicht mit der ihrer Verteidiger überein, sagte Jekaterina Samuzewitsch im Gerichtssaal. Einer der Gründe für das Zerwürfnis sei die «undurchsichtige Verwendung von Spenden für Pussy Riot», berichtete die Zeitung «Nowaja Gaseta». Zudem sollen die Juristen Briefe unterschlagen haben.
Die beiden Mitangeklagten von Samuzewitsch, die wie die 30Jährige erneut in einem Glaskäfig sassen, sowie die Juristen der Frauen zeigten sich überrascht. Dagegen sprach der Anwalt der Nebenkläger von einer «abgekarteten Sache». Er fürchte, dass am 10. Oktober die beiden anderen Frauen ihre Verteidiger entlassen würden, um den Prozess in die Länge zu ziehen, sagte Alexej Taratuchin.
Das Gericht muss entscheiden, ob die Verurteilung der Musikerinnen zu je zwei Jahren Haft nach einer Aktion gegen Kremlchef Wladimir Putin in einer Kirche rechtmässig ist.
Kurz vor Beginn der Berufungsverhandlung gegen drei Mitglieder der russischen Frauenband Pussy Riot wies ein Anwalt die Forderungen der orthodoxen Kirche nach Busse zurück. «Falls mit Busse ein Schuldeingeständnis gemeint ist, so ist das sehr unwahrscheinlich», sagte der Verteidiger.
Proteste Pro und Contra
Die jungen Frauen hätten stets klar gemacht, dass sie ihr umstrittenes Punkgebet gegen Kremlchef Wladimir Putin in einer Kirche als politische Performance sehen. Bei Gläubigen, die sich durch die Aktion beleidigt fühlten, hätten sich die Künstlerinnen bereits entschuldigt.
Vor dem Gerichtsgebäude nahm die Polizei mehrere Menschen fest, die mit aufblasbaren Puppen eine schärfere Verurteilung der drei Frauen gefordert hatten. Sie kritisierten die internationale Unterstützung für Pussy Riot als «Politschwindel». Dagegen zeigten zahlreiche andere Demonstranten ihre Sympathie für die drei Frauen.
«Free Pussy Riot»-Transparent am Berner Münster
Aktivisten haben am Berner Münsterturm ein riesiges Transparent für die Freilassung der russischen Punkband aufgezogen. Ein gutes Dutzend weitere Aktivisten in bunt gestrickten Sturmhauben unterstützten die Forderung lautstark auf dem Münsterplatz.
Zwei Aktivisten kletterten oben auf dem Münsterturm über die Brüstung und seilten sich ab. Dabei entrollten sie ein mehrere Meter grosses Transparent. «Free Pussy Riot – Fuck Putin now» war darauf zu lesen. Die Polizei liess die Aktivisten gewähren. Gegen 13 Uhr beendeten diese ihren Protest wieder.
Die Musikerinnen waren wegen Rowdytums aus religiösem Hass zu je zwei Jahren Straflager verurteilt worden. Das Moskauer Stadtgericht soll nun prüfen, ob das international scharf kritisierte Urteil rechtmässig ist.
Milderung des Urteils erwartet
Er rechne nicht damit, dass die Frauen freigesprochen werden, sagte ein Anwalt der Agentur Itar-Tass. Allerdings erwarte die Verteidigung, dass das Urteil abgemildert werde.
Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Aljochina – beide Mütter kleiner Kinder – und Jekaterina Samuzewitsch sitzen seit Anfang März hinter Gittern. Bürgerrechtler kritisieren das Vorgehen der Justiz als politisch motiviert.
Die Moskauer Polizei zog rund um das Gericht ein Grossaufgebot zusammen. Streifenwagen patrouillierten in der Umgebung.
Angeklagte erhalten weltweite Unterstützung
Der Prozess gegen die drei Musikerinnen hat zu einer grossen Sympathiewelle geführt. Zahlreiche Prominente setzten sich für die drei Punk-Rockerinnen ein. Mehr...
(sda/horm; muei)



