Inhalt

Schweiz

Datendiebstahl legt Mängel offen – UBS informierte Geheimdienst

Sonntag, 30. September 2012, 10:25 Uhr

Der Datendiebstahl beim Nachrichtendienst des Bundes (NDB) sorgt für Schlagzeilen. Die Sonntagspresse bringt nun weitere Details rund um den Datendiebstahl an die Öffentlichkeit. So herrscht angeblich sei längerem ein Chaos in der NDB-Informatikabteilung. Der Tipp für den Diebstahl kam offenbar von der UBS.

Bild

Der Diebstahl fand in einem chaotischen Umfeld statt. Es fehlt offenbar nicht nur ein Chef, sondern gemäss Insidern hat die IT-Abteilung auch zu wenig Personal, schreibt «Der Sonntag». Gemäss dem Blatt lässt Geheimdienstchef Markus Seiler zudem ein neues Informationssystem namens ISAS aufbauen. Dieser Prozess dauere schon zwei Jahre. Nötig sei das neue System, weil die bisherige Datenbank des Auslandnachrichtendienstes angeblich nicht für die zukünftige Datenauswertung kompatibel sei.

Kein durchdachtes Sicherheitskonzept

Keine Führung, zu wenig Personal, Überforderung im Umgang mit dem neuen System: Die Stimmung unter den Angestellten in der IT-Abteilung ist schlecht. Von Orientierungslosigkeit sei gar die Rede. «Denn im Nachrichtendienst des Bundes gibt es gemäss gut informierten Kreisen gar kein IT-Sicherheitskonzept, das diesen Namen verdient», schreibt «Der Sonntag».

Zudem seien «die internen Überwachungssysteme inexistent», wie es heisst. «Es gibt kein durchdachtes Konzept mit Überwachungskameras, persönlicher Führung von Mitarbeitern, die mit sensiblen Geheimdaten zu tun haben, und auch keine effizienten Zugangsbeschränkungen im IT-Bereich», erklärt ein Insider.

Diebstahl war «schweres Delikt»

Beim Datendiebstahl innerhalb des Nachrichtendiensts des Bundes handelt es sich offenbar um einen schweren Spionagefall. Der Mitarbeiter, der die Daten mutmasslich gestohlen hat, wollte diese ans Ausland verkaufen. Über den genauen Inhalt der Daten wurde nichts bekannt. Lesen Sie hier mehr dazu

Tipp kam von der UBS

Der Informatiker, der beim NDB riesige Mengen vertrauliche und geheime Informationen kopierte, wurde in letzter Minute dank eines Tipps der Grossbank UBS gestoppt. Gemäss Recherchen der «SonntagsZeitung» wollte der Mann bei einer UBS-Filiale in der Region Bern ein Nummernkonto eröffnen.

Der Kundenberater habe die Anfrage intern weitergeleitet, worauf eine Warnung an die NDB-Spitze ging. «Erst nach diesem Tipp stellte der NDB fest, dass Daten kopiert worden waren», schreibt die Zeitung. Die Affäre sei vergangene Woche publik geworden, weil Journalisten der «SonntagsZeitung» das Verteidigungsdepartement mit Fragen konfrontiert hatte.

Passwörter für sensible Datenbanken geändert

Auf ein Versagen des NDB unter Direktor Markus Seiler deute der Umstand hin, dass die NDB-Spitze seit Sommer 2011 von Problemen mit dem Informatiker wusste: Dieser warf seinem Vorgesetzten wiederholt Mobbing vor, hatte immer wieder Absenzen wegen angeblicher Gebrechen und war als «nicht sehr konstruktiver Mitarbeiter» aufgefallen.

Gemäss dem Blatt ging der Mann so weit, dass er Datenbanken mit neuen Passwörtern versah, sodass seine Kollegen nicht mehr damit arbeiten konnten. Die Personalabteilung sei zwar eingeschaltet worden, allerdings behielt der Mann sein Aufgabengebiet. Er hatte zudem bis zuletzt volle Zugriffsrechte zu allen Datenbanken.

Bei den entwendeten Daten handelt es sich um den ganzen Server des internen E-Mail-Systems SILAN. Das Netz ist gegen aussen abgeschottet, innerhalb tauschen die Geheimdienstler sensible Daten wie Berichte von ausländischen Geheimdiensten aus oder geben Anweisungen für Satellitenüberwachung. Neben dem Mail-Server kopierte der Informatiker auch den Speicher seiner Abteilung.

(sf/frua; horm)