Schweiz
Medikamentenengpässe: Von der Armeeapotheke zur Bundesapotheke
Trotz Pharmaindustrie – auch in der Schweiz werden Medikamente knapp. Auf politischer Ebene werden jetzt Lösungen diskutiert. Dass die Armeeapotheke bei Engpässen einspringen könnte, ist einer der Vorschläge. Möglich wäre die, da die Armeeapotheke die Kapazität hätte.
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Laut einer Studie des Vereins Schweizerischer Amts- und Spitalapotheker (GSASA) hat sich die Situation in den letzten Jahren verschlechtert und ist in den vergangenen zwölf Monaten gar eskaliert. Mittlerweile fehlten nicht mehr nur einzelne Produkte, die Lieferengpässe würden inzwischen alle therapeutischen Gruppen betreffen. Die Spitalapotheke des Universitätsspitals Basel hat Zahlen erhoben und in der Studie publiziert: Im Schnitt dauert ein Medikamenten-Engpass 21 Tage, aber es gibt auch Lieferengpässe, die sich über fast ein ganzes Jahr hinziehen.
Die Herstellung von arzneilichen Wirkstoffen ist zu einem Monopol geworden: vier von fünf kommen aus Indien und China. Treten in der Region Probleme auf, dann sind alle Generika-Hersteller betroffen, die mit diesen Wirkstoffen arbeiten. Zudem werden Produkte nicht mehr hergestellt, die nicht genug Geld einbringen. Der Preisdruck führt auch zum Abbau der Lagerhaltung. Darüber hinaus muss in der Schweiz jedes Arzneimittel, unabhängig davon ob es in der EU zugelassen ist oder nicht, noch mal von Swissmedic geprüft und zugelassen werden. Der Markt ist klein – fällt ein Medikament aus, gibt es nicht viele Alternativen.
Armeeapotheke wird vergrössert
Sicherheit bei der Versorgung von Medikamenten forderte SP Nationalrätin Bea Heim in einem parlamentarischen Vorstoss, welcher am Freitag angenommen wurde. Sie plädiert im Interview mit der «Tagesschau» für ein Frühwarnsystem – die Industrie soll rechtzeitig über Engpässe informieren – und sie will die Strategie der Pflichtlager überprüfen. Zudem setzt sie auf die Armeeapotheke: «Die Armeeapotheke wandelt sich zur Bundesapotheke. Sie hat die Kompetenz und die Kapazitäten, um bei Engpässen in die Bresche zu springen», so SP Nationalrätin Bea Heim.
Tatsächlich ist bei der Armeeapotheke in Ittigen bei Bern mehr möglich als bisher. Für knapp zwanzig Millionen Franken wird sie renoviert und vergrössert. Wie Ueli Haudenschild vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung bestätigt, könnte die Armeeapotheke die Produktion von Medikamenten übernehmen, die für andere Hersteller nicht mehr lukrativ seien. Nach Informationen der «Tagesschau» dürfte die Armeeapotheke die Zahl von aktuell vier zugelassenen Medikamenten in den nächsten Jahren deutlich erhöhen. Allerdings: Ob und was möglich ist und zu welchem Zweck, wird noch geprüft. Die Anlage in Ittigen soll im nächsten Februar fertig sein. Produziert wird voraussichtlich wieder ab Mitte 2014.






