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International

«Vatileaks»-Prozess gegen Kammerdiener vertagt

Samstag, 29. September 2012, 10:22 Uhr, Aktualisiert 14:16 Uhr

Der Prozess gegen den Ex-Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, in der Enthüllungsaffäre «Vatileaks» könnte in wenigen Verhandlungstagen beendet sein. Der Prozess werde am Dienstag fortgesetzt, berichteten vom Vatikan zugelassene Prozessbeobachter nach dem ersten Prozesstag.

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Es könne sein, dass vier Verhandlungstage ausreichten, zitierten Prozessbeobachter den Präsidenten des vatikanischen Tribunals, Giuseppe Dalla Torre.

Die Affäre hat den Vatikan in Aufruhr versetzt. Geheime und brisante Dokumente aus den privaten Gemächern des Papstes landeten in den Medien, Informationen über Intrigen und Missstände sickerten durch die sonst so undurchdringlichen Mauern. Monatelang suchten die Ermittler nach der undichten Stelle.

Nun muss sich in der Enthüllungsaffäre «Vatileaks» der Ex-Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, vor dem Tribunal des Vatikans als Hauptangeklagter verantworten – in einem kleinen Gerichtssaal innerhalb des Vatikanstaates. Gabriele wird schwerer Diebstahl vorgeworfen – nach Paragraf 403 des vatikanischen Strafrechts stehen darauf bis zu vier Jahre Haft.

Mordkomplott gegen den Papst?

Der 46jährige Gabriele, der auf so vielen Fotos direkt neben Benedikt zu sehen ist, war dem Papst so nah wie kaum ein anderer. Er half Benedikt beim Ankleiden, bediente ihn beim Essen und begleitete ihn auf Reisen. Noch nie wurden so gravierende Vorwürfe gegen einen so engen Mitarbeiter des Papstes bekannt. Angeklagt ist neben ihm wegen Beihilfe ein Informatiker aus dem Staatssekretariat.

Ex-Kammerdiener steht vor Gericht. («Tagesschau» vom 29.09.2012)

Anfang des Jahres hatte die Serie von Veröffentlichungen geheimer Dokumente eingesetzt und die Kirche nach dem Missbrauchsskandal unter Druck gebracht. Es ging um mögliche Kungeleien an der Spitze der Kirche. Von einem angeblichen Mordkomplott gegen den deutschen Papst war die Rede, vom Ränkeschmieden um den Posten eines künftigen Kirchenführers, von undurchsichtigen Geschäften der wiederholt in Verruf geratenen IOR-Bank des Vatikans.

Unter den Namen, die immer wieder auftauchten, war der des umstrittenen Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone. Den vatikanischen Augias-Stall auszumisten, ist dem 85-jährigen Oberhaupt der katholischen Weltkirche ein dringendes Anliegen. Er berief dafür eigens eine Kardinalskommission ein.

Begnadigung durch Papst?

Der Vatikan setzte Ermittler ein, im Mai nahmen sie Gabriele fest. Wochenlang sass der Familienvater in Untersuchungshaft, dann wurde er in den Hausarrest entlassen. Er hat mit den Ermittlern kooperiert, Reue für seine Tat bekundet und den Papst um Vergebung gebeten.

Die Chronologie

Mitte Februar hat die linke italienische Zeitung «Il Fatto Quotidiano» erstmals aus vertraulichen Dokumenten aus dem Vatikan zitiert. Seither jagten sich Gerüchte und Anschuldigungen. Hier ein Rückblick.

Sollte Gabriele verurteilt werden, könnte der Papst ihn begnadigen. Ein Gefängnis, dass auf dauerhafte Häftlinge eingerichtet ist, gibt es im Vatikan ohnehin nicht – Gabriele müsste dann auf italienischem Staatsgebiet hinter Gitter.

Wie lange der Prozess dauern wird, sei völlig offen, sagte Giovanni Giacobbe, Jurist am vatikanischen Berufungsgericht vor Verfahrensbeginn. «Es gibt Prozesse, die am selben Tag zu Ende sind, und andere, die Monate dauern. Es gibt keine Regel.»

(dpa/frua; horm)