International
Del Pontes Erfahrungen mit Despoten und Gräueltaten
Carla Del Ponte verstärkt die UNO-Sonderkommission zu Syrien. Damit kehrt die 65-jährige Tessinerin auf das internationale Parkett zurück. Del Ponte hat sich als Chefanklägerin des UNO-Kriegsverbrechertribunals einen Namen als forsche Verbrecherjägerin gemacht.
Als Chefanklägerin der UNO-Kriegsverbrechertribunale für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag und für Ruanda in Kenia erlangte Del Ponte internationale Bekanntheit. Die Chefanklage beim Ruanda-Tribunal vertrat sie bis 2003, jene beim Jugoslawien-Tribunal bis 2007.
Milosevics Tod eine «Niederlage»
Del Ponte scheute dabei den Konflikt mit der serbischen Regierung nicht und warf dieser offen vor, mutmassliche Kriegsverbrecher zu decken. Ihre unermüdliche Suche nach den Verantwortlichen der Gräueltaten während der Balkan-Kriege der 1990er Jahre beschrieb sie im Buch «La Caccia, io e i criminali di guerra» (»Die Jagd, ich und die Kriegsverbrecher»).
Unter ihrer Ägide wurde zahlreichen Verdächtigen der Prozess gemacht, darunter auch Serbiens Ex-Präsident Slobodan Milosevic. Doch bevor er verurteilt werden konnte, starb Milosevic im März 2006 in der Haft in Den Haag. Del Ponte bezeichnete den Tod Milosevics als «Niederlage».
Seit 2011 in Pension
In der Schweiz war Del Ponte zuvor von der Untersuchungsrichterin zur Staatsanwältin und schliesslich zur Bundesanwältin aufgestiegen. Ihre Tätigkeit als oberste Strafverfolgerin des Bundes von 1994 bis 1999 wurde von Skepsis begleitet. Ihr wurde vorgehalten, sie reisse viele Fälle mit viel unnötigem Wirbel an, schliesse aber nur wenige erfolgreich ab. Kritisiert wurde auch ihr Umgang mit den Medien. So löste Ende 1996 die Nachricht Proteststürme aus, die Bundesanwältin habe in mehreren Zeitungsredaktionen Telefone abhören lassen.
Mehr Anerkennung wurde der Bundesanwältin im Ausland zuteil. Das gilt besonders für Italien: 1994 verlieh ihr das südliche Nachbarland eine Verdienstmedaille. Der 1992 ermordete italienische Richter Giovanni Falcone war nur einer der prominenten ausländischen Kollegen, mit denen Del Ponte im Kampf gegen das organisierte Verbrechen zusammenarbeitete.
Anfang 2008 trat Del Ponte den Posten als Schweizer Botschafterin in Argentinien an. Mit der Ernennung von Del Ponte zur Botschafterin vollzog der Bundesrat einen eher ungewöhnlichen Schritt. Quereinsteiger sind im diplomatischen Dienst auf dem Niveau Botschafter selten. Ende Februar 2011 ging Del Ponte in Pension.
(sda/fasc;schj)



