Schweiz
Schweizer kassieren bei Goebbels-Auktion
Ein US-Auktionshaus versteigert heute Liebesbriefe von Hitlers Propagandachef Goebbels. Die Schriftstücke stammen aus der Westschweizer Rechtsextremen-Szene. Jüdische Organisationen reagieren mit scharfer Kritik.
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Ein Auktionshaus im US-Bundesstaat Connecticut versteigert bis Freitag einen Teilnachlass des deutschen NS-Propagandaministers Joseph Goebbels. An den Auktionen kann die Korrespondenz aus den jungen Jahren Goebbels' sowie selbstverfasste Dramen, Gedichte und Schulzeugnisse erworben werden.
Die mehrere tausend Seiten starken Dokumente zeigten, wie sich «ein eher schlichter, schüchterner und liebestrunkener Student» radikalisiert habe und so später zur rechten Hand Adolf Hitlers werden konnte, erklärt Bill Panagopulos, Chef des amerikanischen Auktionshauses «Alexander Autographs, Inc.». Panagopulos erwartet einen Erlös von mehr als 200'000 Dollar.
Schweizer Unternehmen besitzt Dokumente
Recherchen von «SF Online» erhellen die Vorgeschichte dieser Schriftstücke. Obwohl der Auktionator erklärt, dass Goebbels Erben nicht davon profitieren – die Spuren der aktuellen Eigentümer führen in die Schweizer Rechtsextremen-Szene.
Dies geht aus einem Gespräch mit der Münchner Rechtsanwältin Cordula Schacht hervor, der Tochter des früheren Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht. Sie verfüge jedoch immer noch alleine über die Urheberrechte der Werke von Goebbels. Eine Veröffentlichung dieser Quellen ohne ihre Einwilligung sei damit nicht möglich.
Laut Schacht gehören die zur Versteigerung stehenden Original-Dokumente dem Schweizer Philippe Brennenstuhl. Dieser ist Westschweizer Präsident der rechtsextremen Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) und kandidierte für die PNOS bei den letzten Nationalratswahlen. Der 56jährige Brennenstuhl wurde von der Schweizer Justiz wegen Holocaust-Leugnung verurteilt.
Brennenstuhl erklärte auf Anfrage von «SF Online», er habe die Schriften Goebbels vom verstorbenen Lausanner Bankier François Genoud in den 90er-Jahren geerbt. Genoud hat verschiedene Nationalsozialisten finanziell unterstützt. Er hat bis zu seinem Freitod 1996 gegen Urheber von Veröffentlichungen von seinem historischen Material rechtlich gekämpft.
Der Westschweizer PNOS-Chef beteuert jedoch, er habe die Goebbels-Schriften vor sechs bis sieben Jahren an ein Schweizer Unternehmen weiterverkauft. Mehr Informationen über den Käufer sowie über den Kaufpreis wollte Brennenstuhl nicht preisgeben.
Auch das US-Auktionshaus gibt sich in dieser Sache bedeckt. Das Auktionsgeschäft ist eben verschwiegen, wie Bill Panagopoulos sagt. Immerhin bestätigt er, dass es sich beim Anbieter um ein «unabhängiges Schweizer Unternehmen» handle, das ihm die alleinigen Besitzrechte versichert habe. Und sein geschäftlicher Kontakt sei nicht Herr Brennenstuhl.
Scharfe Kritik an Auktion
Dass ein privater Besitzer aus der Versteigerung Profit ziehen kann, sorgte bereits für scharfe Kritik einer Gemeinschaft von Holocaust-Überlebenden in den USA. Zudem gehörten die Unterlagen zur historischen Forschung in ein öffentliches Archiv, forderte der Präsident der US-Vereinigung Jüdischer Holocaust-Überlebender. Das deutsche Bundesarchiv bemüht sich schon seit Jahrzehnten um diesen Nachlass. Die jüdische Vereinigung befürchtet, dass die Schriften bei der Auktion in die falschen Hände geraten könnten.
Auch der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) findet Auktionen mit Nazi-Schriften sehr bedenklich, wie Generalsekretär Jonathan Kreutner mitteilt. Yves Kugelmann, Chefredaktor des jüdischen Wochenmagazins Tachles, geht sogar noch weiter. Die Herkunft des Materials zeige, dass PNOS, NPD, Front National und viele andere zugelassene Parteien Goebbels Ideologien in neuen Formen weiter vertreten. Die Gesellschaft müsse das zur Kenntnis nehmen und allenfalls eine Debatte darüber führen.







