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Schweiz

Schweizer Forscher machen Karbon fabriktauglich

Martina Mieth Polke, Redaktorin «Einstein»
Donnerstag, 27. September 2012, 11:42 Uhr, Aktualisiert 23:41 Uhr

Leichtbau heisst das Zauberwort in der Autoindustrie. Ultraleichter, kohleverstärkter Kunststoff, besser bekannt unter dem Namen Karbon, soll helfen, Sprit zu sparen. Doch das Material hat einen Nachteil: In der Verarbeitung ist es 10-mal so teuer wie Stahl. Schweizer Forscher präsentieren jetzt eine Lösung.

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Die Formel 1 setzt schon länger auf Karbon. Alle Karosserieteile für die superleichten Boliden werden in Handarbeit daraus hergestellt. Ein bis zwei Tage dauert es, um ein solches Bauteil zu produzieren. Für die Autoindustrie wäre das viel zu lang. Doch nun gibt es eine Lösung: Statt Karbon-Matten von Hand zu verkleben, verarbeitet Clemens Dransfeld, Professor für Kunststofftechnik an der Fachhochschule Nordwestschweiz, einzelne, sehr klein geschnittene Fasern.

Schweizer Forscher machen Karbon fabriktauglich (Einstein, 27.09.2012)

Diese Karbon-Chips lassen sich in eine Form schütten und danach bei sehr hohen Temperaturen zu einem Bauteil pressen, wie Clemens Dransfeld gegenüber «Einstein» erläutert. Mit seinem Team ist es ihm damit gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, das sich für die industrielle Produktion eignet. «Wir brauchen heute 45 Minuten, um ein Bauteil herzustellen, doch wir sind zuversichtlich, dass wir mit den nötigen Investitionen Bauteile bald im Minutentakt produzieren», so Dransfeld.  

Gewicht sparen ist entscheidend

Für die Automobilindustrie könnte das ein entscheidender Durchbruch sein. Das Material ist für die Hersteller interessant, weil es so fest wie Stahl ist, aber viel leichter: Karbon wiegt dreimal weniger als Aluminium und hält mehr als die siebenfache Belastung aus. Wollen Autohersteller beim CO2-Ausstoss einen Schritt weiter kommen, müssen sie Gewicht sparen. Das gilt auch für Elektroautos: Batterien wiegen viel; eine Karbon-Karosserie könnte dieses Gewicht wettmachen. 

Bauteile bald im Minutentakt?

Als einer der ersten Automobilhersteller will sich BMW an die Serienproduktion heranwagen. 2013 soll ein Elektroauto aus Karbon auf den Markt kommen. Damit sich der Werkstoff bezahlt macht, müssen die Kosten aber deutlich sinken. Die bisherigen 8 Stunden pro Bauteil sind für die Automobilindustrie zu lang.

Das weiss auch Clemens Dransfeld. «In der Automobilindustrie muss es schnell gehen, Bauteile müssen im Minutentakt hergestellt werden», sagt er, «ausserdem muss man die Bauteile recyclieren können. Beides haben wir gelöst.