Schweiz
Diebstahl beim Nachrichtendienst war «schweres Delikt»
Beim Datendiebstahl beim Nachrichtendienst des Bundes handelt es sich offenbar um einen schweren Spionagefall. Der Mitarbeiter, der die Daten mutmasslich gestohlen hat, wollte diese ans Ausland verkaufen. Über den genauen Inhalt der Daten wurde nichts bekannt.
Es gehe um einen «schweren Fall von wirtschaftlichem Nachrichtendienst», sagte Carlo Bulletti, Leitender Staatsanwaltschaft des Bundes, der den Fall betreut, vor den Medien. Ermittelt werde ausserdem wegen politischem Nachrichtendienst und Amtsgeheimnisverletzung.
Hinweis von aussen
Was für Daten genau gestohlen wurden, gab Bundesanwalt Michael Lauber nicht bekannt. Er sagte aber, dass es sich um «sensible» Inhalte sowie um Zugangsdaten mit Passwörtern gehandelt hat. Das Material sei möglicherweise geeignet gewesen, die Sicherheit der Schweiz zu gefährden. Der Dieb habe versucht, die gestohlenen Daten ins Ausland zu verkaufen.
Laut dem Bundesanwalt handelt es sich beim Datendieb um einen Informatiker, der seit mehreren Jahren für den Nachrichtendienst gearbeitet hatte. Der Mann soll psychische Probleme gehabt haben.
Der Mann habe die Daten «über eine Zeitspanne von mehreren Wochen und in mehreren Etappen» entwendet. Die gestohlene Datenmenge bewegt sich demnach im Terrabyte-Bereich er habe sie auf mehrere Festplatten kopiert.
Auf den Fall aufmerksam wurde der Nachrichtendienst durch einen Hinweis von ausserhalb der Bundesverwaltung. Der Dienst informierte daraufhin am 25. Mai die Bundesanwaltschaft. Diese löste eine Grossaktion aus, bei der der Mann festgenommen und mehrere Datenträger sichergestellt wurden.
Der mutmassliche Datendieb wurde darauf in U-Haft gesetzt. Seit 25. Juli ist er wieder auf freiem Fuss. Die Ermittlungen konzentrieren sich ausschliesslich auf den Schweizer, Personen aus dem Ausland seien nicht involviert, sagte Lauber.
Reputationsschaden für die Schweiz
Laut SF-Bundeshauskorrespondent Hans Bärenbold liegt die Vermutung nahe, dass zumindest Teile der Daten von ausländischen Geheimdiensten stammen. «Wenn solche Daten in der Schweiz nicht unter dem Deckel bleiben, dann ist der Ruf des Schweizer Nachrichtendienstes ruiniert. Das ist nach offizieller Lesart auch ein Sicherheitsrisiko für die Schweiz.»
Käufer im Ausland gesucht
Bei einer Analyse der Daten hat der Nachrichtendienst auch versucht festzustellen, ob die Daten kopiert oder weitergegeben wurden. Dies war laut Lauber offenbar nicht der Fall. Es habe aber einen Versuch gegeben, einen Käufer im Ausland zu finden.
In welches Land der Informatiker die Daten verkaufen wollte, wurde nicht bekannt. Der Mann hat die Daten laut Bundesanwaltschaft mit der Absicht der Bereicherung gestohlen. Carlo Bulletti von der Bundesanwaltschaft sagte, er könne sich vorstellen, «dass sie doch einen beträchtlichen Marktwert hätten».
(sf/sda/weis/red;from)






