Inhalt

International

Unternehmer Stronach will in österreichische Politik

Donnerstag, 27. September 2012, 15:57 Uhr, Aktualisiert 16:39 Uhr

Die Politlandschaft in Österreich bekommt Konkurrenz. Der Selfmade-Milliardär Frank Stronach steht mit seiner neuen Partei in den Startlöchern. Schwerpunkt des Team Stronach ist die radikale Umstrukturierung der Eurozone.

Bild

Der 80jährige austro-kanadische Unternehmer will weiter einen entschiedenen Kurs gegen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel fahren. «Entweder ist sie so dumm oder sie spielt bei den Banken mit», sagte der Gründer und frühere Chef des kanadisch-österreichischen Autozulieferkonzerns Magna über den Umgang der Kanzlerin mit der Euro-Krise.

Wer ist Stronach?

Der gebürtige Österreicher wanderte als 22jähriger nach Kanada aus. Der gelernte Werkzeugmacher fasste Fuss in der Automobilindustrie und gründete den Zulieferer-Konzern Magna.

In seiner Heimat machte sich der Milliardär einen Namen im Fussballgeschäft. Mit Austria Wien wollte er in die Champions League einziehen. Weiter engagierte er sich im Pferdesport und Kultur. Viele dieser Projekte erwiesen sich aber als Flopp. Nun will er in die Politik.

In einem Interview mit dem österreichischen Wirtschaftsportal «Format» stelle Christoph Blocher den umtriebigen Unternehmer ein gutes Zeugnis aus und sagte: «Ich kenne Herrn Stronach nicht persönlich. Aber vom Beruf her scheint er für die Politik wie geschaffen».

Der millionenschwere Industrielle und Euroskeptiker sagte, die Eurozone funktioniere in ihrer derzeitigen Form nicht. Zwar sei sein Parteiprogramm noch nicht vollständig ausgearbeitet, «eine Lösung» könne aber sein, dass die 17 Eurostaaten zwar den Euro behielten, sich der Wert der Währung jedoch von Land zu Land unterscheide.
 
«Ich bin für ein starkes Europa», sagte Frank Stronach auf Deutsch mit starkem kanadischen Akzent. Die Einheitswährung lehne er jedoch ab. «Schulden sind schlecht», sagte der erfolgreiche Unternehmer. Jeder Bauer wisse, dass er, wenn er mehr ausgebe als er einnehme, seinen Bauernhof verlieren werde.
 
Liberales Parteiprogramm
 
Das Parteiprogramm von Team Stronach soll nach Angaben des Parteigründers Anfang April vorliegen. Bereits jetzt kündigte Stronach jedoch an, Bürokratie abbauen und Steuern senken zu wollen.
 
Umfragen zufolge könnte Team Stronach bei der Wahl zwischen zehn und zwölf Prozent erzielen und damit die Vier-Prozent-Hürde deutlich überspringen. In einer von der Zeitung «Der Standard» veröffentlichten Umfrage gaben gar 40 Prozent der Befragten an, sich die Partei in der Regierung zu wünschen.
 
Stronach war jüngst nach fast 60 Jahren in Kanada in seine Heimat Österreich zurückgekehrt. Bereits 1988 versuchte er sich als Kandidat der Liberalen Partei in der kanadischen Provinz Ontario, unterlag damals jedoch seinem konservativen Kontrahenten.

(sda/afp/blur; buet)