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Krise im Euro-Land

Generalstreik lähmt ganz Griechenland

Mittwoch, 26. September 2012, 16:30 Uhr, Aktualisiert 20:32 Uhr

Unter dem Motto «Generalstreik – alle gemeinsam, um den Sparpakt (Memorandum) zu zerbrechen» sind in Griechenland Hunderttausende Menschen in den Streik getreten. Derweil arbeitete die Regierung ein neues Sparpaket aus.

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Den Anfang machten die Busfahrer Athens mit einer dreistündigen Arbeitsniederlegung. Im Flugverkehr kam es zu erheblichen Behinderungen, weil auch die Fluglotsen ab 9 Uhr Mitteleuropäischer Zeit für drei Stunden die Arbeit niederlegten. Im Ausstand waren auch die Seeleute. Keine Fähre lief aus dem Haupthafen des Landes in Piräus aus.

Ministerien und Steuerämter sowie Schulen blieben geschlossen. Sogar Priester gingen auf die Strasse vor dem Parlament in Athen, berichteten Augenzeugen. Die Polizei zog starke Einheiten rund um das Parlament zusammen.

Einigung über Sparpaket

Der griechische Finanzminister Yannis Stournaras und Ministerpräsident Antonis Samaras verständigten sich offenbar auf das neue Sparpaket. Dies berichteten mehrere Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Ministeriumskreise. Die beiden anderen Vorsitzenden der Koalitionspartner sollten am Donnerstag von Samaras informiert werden, hiess es aus Parteikreisen. Bevor im Parlament darüber abgestimmt wird, muss auch die Gläubiger-Troika zustimmen.

Die griechische Regierung fordert eine Verlängerung der Frist zum Erreichen ihrer Reformziele um zwei Jahre. Das Finanzministerium bestätigte, dass in einem solchen Fall mit einer Finanzierungslücke von 13 bis 15 Milliarden Euro zu rechnen sei. Die Troika-Experten werden am Sonntag zurück in Athen erwartet.

Ärzte behandelten nur Notfälle und die Apotheken blieben zu. Auch die Journalisten legten ihre Arbeit für vier Stunden nieder. Zwischen 11 und 15 Uhr Ortszeit gab es nur Nachrichten über die Streikbewegungen und die Demonstrationen.

Viele Geschäfte und Banken waren im Zentrum Athens zu. Die Händler protestierten gegen den «Einbruch des Konsums als Folge der Rotstiftpolitik».

Einschätzungen von SF-Korrespondentin Wasiliki Goutziomitros (Tagesschau vom 26.9.12, 12:45 Uhr)

Scharmützel und Tränengas vor Parlament

50'000 Menschen protestierten vor dem Parlament in Athen. Am Rande der Demonstration kam es zu Scharmützel zwischen Polizisten und Vermummten.

Rund 200 vermummte Autonome schleuderten mehrere Brandflaschen auf die Polizei. Die Beamten setzten Tränengas und Blendgranaten ein, wie das Fernsehen zeigte. Tausende Demonstranten flüchteten in Nebenstrassen.

Bild Polizei in einem Feuerwall.
Die griechische Polizei wird von gewalttätigen Demonstranten angegriffen. keystone

Grösster Streik seit Februar

Die Streiks sind nach übereinstimmenden Schätzungen der Gewerkschaften und der Medien die massivsten seit Februar. Zu den Aktionen aufgerufen haben die Gewerkschaftsdachverbände des privaten und des staatlichen Bereichs. Nach eigenen Angaben vertreten sie zusammen mehr als drei Millionen Arbeitnehmer.

Wegen dem 11,5 Milliarden Euro schweren Sparpaket rechnen die Gewerkschaften mit weiteren Kürzungen von Löhnen und Renten zwischen sechs und 20 Prozent. Die Arbeitnehmer haben nach Angaben der Gewerkschaften bereits fast einen Drittel ihres Einkommens verloren.

Generalstreik in Griechenland (Tagesschau vom 26.9.12, 12:45 Uhr)

Am Abgrund

Nur wenn Athen die weiteren Sparauflagen erfüllt, die von der Geldgeber-Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU- Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) geprüft werden, kann die Regierung mit einer weiteren Finanztranche von 31,5 Milliarden Euro rechnen. Andernfalls steht Griechenland vor dem Staatsbankrott.

(agenturen/horm; buet)