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Schweiz

Neuenburgs Regierung will TransRun nicht sterben lassen

Montag, 24. September 2012, 21:11 Uhr

Der Neuenburger Regierungspräsident Philippe Gnaegi will die Idee einer besseren Bahnverbindung zwischen dem oberen und dem unteren Kantonsteil nicht beerdigen – trotz des Volksneins zum Schnellbahnprojekt TransRun am Sonntag. Er wird der Regierung am Mittwoch einen neuen Vorschlag unterbreiten.

Bild Gnaegi an einem Tisch sitzend.
Neuenburgs Regierungspräsident Philippe Gnaegi (Mitte, zur Kamera schauend) will den Entscheid des Souveräns nicht wahr haben. keystone

«Wir müssen uns die Frage stellen, ob das wirklich das ist, was die Stimmberechtigten wollten», sagte Gnaegi. Die Diskussionen, die er nach dem Nein am Sonntag mit Gegnern von TransRun geführt hatte, scheinen beim Regierungspräsidenten einen anderen Eindruck hinterlassen zu haben.

Viele Gegner von TransRun hätten gedacht, die SBB habe einen Plan B, sagte Gnaegi. Ausserdem hätten einige von ihnen sogar enttäuscht darüber gewirkt, dass das Schnellbahnprojekt nun beerdigt werde. Diese Eindrücke hätten ihn bestärkt, das Projekt in abgeänderter Form nochmals aufs Tapet zu bringen.

SBB will trotzdem investieren

Die rund 240 Millionen Franken, welche die SBB in das Schnellbahnprojekt TransRun investiert hätte, würden in Absprache mit dem Bundesamt für Verkehr für den Kanton reserviert bleiben, erklärte SBB-Mediensprecher Jean-Philippe Schmidt.

Bereits am Sonntag hatte die SBB angekündigt, die bestehende Strecke zwischen Neuenburg und La Chaux-de-Fonds zu sanieren und auszubauen, um weiterhin einen guten Service bieten zu können.

Keine Schnellbahn durch den Neuenburger Jura (Schweiz Aktuell, 24.09.12)

Zudem waren die Renovationsarbeiten ohnehin vorgesehen, da es zu lange gedauert hätte, bis TransRun realisiert worden wäre. In den nächsten Tagen wird nun mit einer entsprechenden Studie begonnen.

Das Aus für TransRun AG

Für die TransRun AG, die für die Studien in der Vorprojektphase verantwortlich war, gibt es nach dem Volks-Nein keine Existenzberechtigung mehr. Deshalb hat ihr Direktor Patrick Vianin der Neuenburger Regierung vorgeschlagen, die AG aufzulösen. Der Entscheid obliege Neuenburgs Exekutive als einzige Aktionärin von TransRun, sagte Vianin.

Die einzige gute Nachricht sei, dass der vom Kantonsparlament bewilligte Kredit von 6,6 Millionen Franken nicht vollständig ausgegeben worden sei, sagte er. Es bleiben einige Hunderttausend Franken übrig. Die drei Personen, die bei TransRun zu hundert Prozent beschäftigt waren, werden nun entlassen.

Bild Projekt-Studie
TransRun soll in einer anderen Form wieder auferstehen. pd

Der Wille, die beiden Städte näher zu bringen, bleibe bestehen, sagte Vianin. Doch ein solches Projekt des Öffentlichen Verkehrs werde man in den nächsten Jahrzehnten nicht so schnell wieder auf die Beine stellen.

Vorlage äusserst knapp abgelehnt

Am Sonntag hatten die Stimmberechtigten die TransRun-Vorlage mit nur 50,29 Prozent abgelehnt und sagten damit Nein zur neuen Bahnlinie zwischen Neuenburg und La-Chaux-de-Fonds.

Der Bau der neuen Bahnstrecke hätte die Fahrzeit zwischen dem unteren und dem oberen Kantonsteil von 30 Minuten auf 14 Minuten verkürzt. Ausserdem wäre der Kanton besser an Basel, Genf, das Mittelland und den Rest der Schweiz angebunden worden.

Gekostet hätte das Projekt insgesamt 919 Millionen Franken. Davon hätten die SBB mindestens 240 und der Bund 111 Millionen übernommen. Für die restlichen gut 560 Millionen hätten der Kanton und die Gemeinden aufkommen müssen.

(sda/horm;schubeca)