Inhalt

International

Forscher bestätigen Wahlbetrug in Russland

Montag, 24. September 2012, 21:21 Uhr

Österreichische Forscher haben dank einer neuen Analyseart nachweisen können, dass bei der letztjährigen Parlamentswahl in Russland Wahlbetrug begangen wurde. Auch bei der diesjährigen Präsidentschaftswahl und bei den Wahlen in Uganda 2011 vermuten die Wissenschaftler Manipulation.

Bild

Die russische Parlamentswahl 2011 wurde von Unruhen und Protesten begleitet. Immer wieder wurden Vorwürfe laut, die Wahl sei manipuliert. Auch die Präsidentschaftswahl von diesem Jahr stand unter einem ähnlichen Stern, Putin soll die Resultate zu seinen Gunsten gefälscht haben.

Stefan Thurner und Peter Klimek von der Medizinischen Universität Wien haben nun eine wissenschaftliche Methode entwickelt, um Wahlergebnisse zu untersuchen und so mögliche Manipulationen festzustellen. Dies berichten die Forscher im US-Fachblatt «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS).

Mit dem neuen Instrument untersuchten die beiden Forscher nun die russische Parlamentswahl 2011. Ihre Auswertung zeigt deutliche Abweichungen von vergleichbaren Urnengängen: «Ohne Manipulation wäre Wladimir Putins Partei Geeintes Russland auf nur knapp 40 Prozent statt der offiziellen 50 Prozent gekommen», erklärte Thurner gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Auch bei den russischen Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr sowie bei den Wahlen in Uganda 2011 vermuten die Forscher Manipulation: «Es gibt hier wahnsinnige Verzerrungen, die sofort darauf hinweisen, dass die Daten sehr verdächtig sind», sagte Thurner.

Verschiedene Arten von Wahlbetrug

Die Forscher unterscheiden zwei Formen des Wahlbetrugs: Beim sogenannten «Ballot Stuffing» gibt es mehr abgegebene Stimmen als Wahlberechtigte, die alle für die selbe Partei stimmen. Beim «Extreme Fraud» wird dagegen am Ende des Wahltages die gesamte Kiste mit vorgefertigten Stimmzetteln ausgetauscht. «Wenn wir Abweichungen entdecken, heisst es natürlich nicht, dass es zu 100 Prozent einen Betrug gab, aber ab einer gewissen Grösse ist es schon sehr aussergewöhnlich», erklärt Thurner.

Die Wissenschaftler bieten ihr System online an, damit jeder Interessierte Wahlergebnisse auswerten und veröffentlichen kann. Aus den USA gab es bereits 20 Anfragen zur Analyse von Vorwahlen der Präsidentschaftswahl.

Neue Methode zur Aufdeckung von Wahlbetrug

Das Modell der Wissenschaftler funktioniert nur, wenn detaillierte Ergebnisse für einzelne Regionen vorhanden sind: Mit den abgegebenen Stimmen für die Parteien und der Anzahl der Wahlberechtigten jedes Wahlbezirks werden Diagramme erstellt. Optisch gleichen die Auswertungen aus europäischen Ländern oder den USA nur diffusen Wolken, die in der Mitte zweier Achsen angesiedelt sind. Bei starken Abweichungen im Wahlverhalten zeigt sich im rechten oberen Feld des Diagramms eine deutliche Verdichtung. Dies entsteht, wenn bei einer überdurchschnittlich hohen Wahlbeteiligung einheitlich für eine Partei abgestimmt wird – ein Hinweis, dass etwas nicht stimmen kann.

(sda/stam;schubeca)