Vermischtes
Gewalt bei Facebook-Party: Schock in den Niederlanden
Ausgebrannte Autos, geplünderte Geschäfte: Eine Facebook-Party in der niederländischen Kleinstadt Haren ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Die Polizei spricht von ungeheurer Gewalt und geplanten Angriffen.
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Nach der Nacht des Schreckens vom Freitag auf den Samstag bietet die niederländische Kleinstadt Haren ein Bild der Verwüstung: Glas, Steine und Absperrgitter liegen auf den Strassen. Schaufenster sind zertrümmert. Am Strassenrand steht ein ausgebranntes Auto. Vor einem geplünderten Supermarkt liegen aufgerissene Waschmittelpackungen. Das Ergebnis einer aus dem Ruder gelaufenen Facebook-Party in Haren bei Groningen.
Dummer Fehler als Ausgangspunkt
Hunderte Randalierer hatten sich in der Nacht zum Samstag Strassenschlachten mit der Polizei geliefert, Geschäfte geplündert, Autos und Schuppen in Brand gesteckt. Den Bürgern ist der Schock anzusehen. «Die ganze Nacht hatten wir Angst», sagt ein älterer Mann und räumt die Trümmer aus seinem Vorgarten. «Warum hat die Polizei das nicht verhindert?» Die Frage stellen sich viele in den Niederlanden.
Angefangen hatte es mit einem dummen Fehler. Das Mädchen Merthe wollte Freunde über Facebook zu seinem 16. Geburtstag einladen. Doch die junge Frau vergass das Häkchen bei Privatfeier. 30'000 Facebook-Freunde meldeten sich an. Merthe sagte die Party zwar ab. Auch Bürgermeister und Polizei warnten - vergeblich. Schätzungsweise 3000 Jugendliche kamen. Dazu gehörten auch die 16-jährigen Lindsay und Annemiek. «Wir wollten Spass», sagte Lindsay. «Und die Sensation», gibt ihre Freundin zu. «Aber auf einmal konnten wir nur noch rennen.»
Randalierer planten Angriffe
Ein paar hundert Randalierer hätten die Angriffe geplant, sagte der regionale Polizeichef, Oscar Dros. «Erfahrene Rädelsführer aus dem ganzen Land gingen mit ungeheurer Gewalt und Aggression vor.» Die Täter sind keine Unbekannten. «Es ist eine neue Generation der Fußballhooligans», stellte das Institut für Sicherheit und Krisenmanagement in einer Studie jüngst fest.
Gewaltbereite Fußballanhänger der Niederlande sind in Europa berüchtigt. Seit einigen Jahren kommen sie der Studie zufolge auch zu anderen Ereignissen. Sie werden gewalttätiger und sind über die sozialen Medien schnell zu mobilisieren. «Diese Gewalt hat es bisher noch nicht gegeben», sagte Bürgermeister Rob Bats fassungslos am Samstag. Das gilt vielleicht für das wohlhabende 18'000 Einwohner zählende Städtchen mit seinen gepflegten Vorgärten und großzügigen Einfamilienhäusern. Doch die Niederlande sind längst nicht mehr das friedliche Land hinter den Deichen.
«Eltern sollen über ihre Verantwortung nachdenken»
2009 eskalierte ein Strandfest in Hoek van Holland. Die Polizei schoss in die Menge, ein Mann starb. Und jedes Jahr in der Silvesternacht herrscht Randale in niederländischen Städten. Autos brennen, Polizei, Krankenwagen und Feuerwehr werden angegriffen. Nun traf es Haren.
Die Täter sollen schnell und hart bestraft werden. Bürgermeister Bats rief auch zum Nachdenken auf: «Die Eltern, die Jugendlichen, aber auch Twitter und Facebook und andere Medien sollten über ihre Verantwortung nachdenken.»
(dpa/halp;schubeca)



