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Krise im Euro-Land

50 Jahre deutsch-französische Freundschaft verpflichtet «voran zu marschieren»

Samstag, 22. September 2012, 15:49 Uhr

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande haben sich vehement für eine verstärkte Zusammenarbeit ausgesprochen. «Wir haben keine andere Wahl, als voran zu marschieren», so Hollande.

Eine enge Kooperation sei essenziell, um die Krise in Europa zu überwinden, sagten Merkel und Hollande in Ludwigsburg in  einer Feierstunde zum 50. Jahrestag der Rede des damaligen französischen Präsidenten Charles de Gaulles an die deutsche Jugend.

Bild Merkel und Hollande.
Europas Jugend wird von den Staatschefs beschworen. reuters

Finanzwelt besser kontrollieren

«Deutschland und Frankreich haben eine ausserordentliche Verantwortung. Wir bilden das Herz Europas», sagte Frankreichs sozialistischer Präsident. Im Wahlkampf hatte er noch exklusive bilaterale Abstimmungen in EU-Fragen kritisiert. In Ludwigsburg betonte er, dass man sicher nicht für die EU-Partner entscheide. «Aber wir müssen sie mitnehmen», sagte Hollande.

Es sei dringend nötig, die Voraussetzungen für Wachstum zu schaffen, die Euro-Zone zu stärken, die Finanzwelt besser zu kontrollieren und die wirtschaftspolitische Koordinierung zu stärken. «Statt die Flamme der Freundschaft nur am Brennen zu halten, ist es unsere Pflicht, sie jeden Tag neu zu entzünden», mahnte Hollande. Es gelte, sowohl eine Banken- und Wirtschaftsunion wie auch eine soziale und politische Union zu schaffen.

«Vive la jeunesse européenne»

Auch Kanzlerin Merkel betonte die Bedeutung der bilateralen Freundschaft. «Wir arbeiten an der nachhaltigen Gesundung Europas. Deutschland und Frankreich haben dafür eine ganz besondere Verantwortung», sagte sie. «Aber es braucht den politischen Willen dazu.» Dies sei auch die Aufgabe für die Jugend.

Bild De Gaulle in Uniform.
General de Gaulle arbeitete hart an der Versöhnung mit Deutschland. keystone

Merkel endete mit dem französischen Satz: «Vive la jeunesse franco-allemande, vive la jeunesse européenne.» Hollande sagte auf Deutsch: «Es lebe die deutsch-französische Freundschaft.» De Gaulles Rede bildete zusammen mit dem Versöhnungsgottesdienst in der Kathedrale von Reims die Grundlage für die Aussöhnung beider Länder und den Abschluss des Élysée-Vertrages, der die deutsch-französische festschreibt.

Ende der Kriege

Vor 50 Jahren hielt Frankreichs damaliger Staatschef Charles de Gaulle in Ludwigsburg seine berühmte Rede an die deutsche Jugend, in der er die Deutschen als «grosses Volk» würdigte. In 200 Jahren hatten Deutschland und Frankreich, deren Beziehung mit dem Begriff der «Erbfeindschaft» charakterisiert wurde, zuvor fünf Kriege gegeneinander geführt.

Der Weltkriegs-General eroberte die Herzen der Deutschen auch deshalb, weil er sich in deutscher Sprache und auswendig an die Bevölkerung wandte. «Ich beglückwünsche Sie, junge Deutsche zu sein, das heisst Kinder eines grossen Volkes, jawohl, eines grossen Volkes, das manchmal im Lauf seiner Geschichte grosse Fehler begangen hat. Ein Volk, das aber auch der Welt geistige, wissenschaftliche, künstlerische und philosophische Wellen gespendet hat.»

(agenturen/fasc;godc)