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International

Islamisten unter Druck: Libyer stürmen Miliz-Stützpunkt

Samstag, 22. September 2012, 5:38 Uhr, Aktualisiert 13:38 Uhr

Zehn Tage nach der Tötung des US-Botschafters in der ostlibyschen Stadt Bengasi haben dort Demonstranten eine Salafisten-Gruppe aus einer Kaserne vertrieben. Die Demonstranten setzten den Stützpunkt der Islamisten anschliessend in Brand.

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Hunderte greifen Stützpunkt der Islamisten in Bengasi an. (Tagesschau, 21.09.2012, 13.00 Uhr)

Mehrere hundert Demonstranten beteiligten sich am Freitagabend an dem Überfall auf die Gruppierung Ansar al-Scharia. Diese steht im Verdacht, für den tödlichen Angriff auf Botschafter Chris Stevens und andere US-Amerikaner verantwortlich gewesen zu sein.

In die Menge geschossen

Die Mitglieder der Gruppierung Ansar al-Scharia feuerten nach Angaben eines AFP-Reporters Schüsse in die Luft ab, bevor sie sich aus der Kaserne zurückzogen. Der Angriff auf die Salafisten erfolgte im Anschluss an eine Grossdemonstration in Bengasi, an der sich 30'000 Libyer beteiligt haben sollen.

In den frühen Morgenstunden zogen sich die Islamisten auch aus ihrer letzten grösseren Basis in der Stadt zurück, wie Reuters-Reporter berichteten. Zuvor war es im Osten der Stadt zu heftigen Angriffen der vertriebenen Milizionäre auf Demonstranten gekommen. Dabei sei mit Maschinengewehren in die Menge geschossen worden.

Bild Mann mit Transparent
Gerechtigkeit für den Mord an US-Botschafter Stevens forderten Demonstranten in Bengasi. keystone

«Weg mit al-Kaida»

Bei ihrem Sturm auf das Hauptquartier der Islamisten riefen die Menschen «Libyen, Libyen», «Weg mit al-Kaida» oder «Das Blut, das wir für die Freiheit vergossen haben, soll nicht umsonst gewesen sein.» Ein Demonstrant sagte, nach dem, was in der vergangenen Woche am Konsulat passiert sei, habe die Bevölkerung genug von den Extremisten. «Nein, nein zu den Milizen», riefen einige Demonstranten.

«Ich will nicht, dass Männer in afghanisch aussehender Kleidung mich auf der Strasse anhalten und mir Befehle erteilen.»
Libyscher Student

Danach griffen sie den Stützpunkt einer weiteren Miliz, Rafallah Sahati, an. Deren Kämpfer schossen in die Menge, mindestens 20 Demonstranten wurden verletzt. Nach Berichten des Fernsehsenders Al-Dschasira wurden mindestens drei Menschen getötet.

Bild Frauen mit Transparent.
An ihrem Rechtsverständnis liessen Frauen in Bengasi keinen Zweifel aufkommen. keystone

Milizen besser bewaffnet als Armee

Die Milizen sind im nach-revolutionären Libyen zu einem der schwierigsten Probleme geworden. Sie sind teils besser bewaffnet als offizielle Sicherheitskräfte. Viele Libyer werfen ihnen vor, die Zivilbevölkerung nach ihren radikalen Vorstellungen zu gängeln.

«Ich will nicht, dass Männer in afghanisch aussehender Kleidung mich auf der Strasse anhalten und mir Befehle erteilen, ich will nur Leute in Uniform sehen», brachte ein Student die Empörung derer auf den Punkt, die wie er das Gebäude von Ansar al-Scharia stürmten. Etliche Demonstranten sagten, Polizei und Militär hätten sie unterstützt.

US-Botschafter bei Angriff in Libyen getötet (Tagesschau, 12.09.2012)

Aus Protest gegen einen in den USA produzierten islamfeindlichen Film hatten Angreifer am 11. September das US-Konsulat in Bengasi attackiert. Dabei wurden Stevens, drei US-Diplomaten und mehrere libysche Sicherheitskräfte getötet. Wegen des Videos gibt es seit Tagen in vielen muslimischen Ländern Demonstrationen und gewaltsame Ausschreitungen.

(agenturen/halp; buet)