International
Schmähvideo: Tote nach Protesten in Pakistan
Die blutigen Massenproteste gegen ein islamfeindliches Video aus den USA haben in Pakistan mindestens 16 Todesopfer gefordert. Zu Protesten kam es auch in vielen anderen Ländern wie in Indien, Indonesien oder in Malaysia.
80 Menschen wurden in Pakistan verletzt. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Toten noch steigen könnte. Bei Unruhen im nördlichen Peshawar gab es nach Angaben des Rettungsdienstes vier Tote, unter ihnen ein Mitarbeiter eines Fernsehsenders. Landesweit protestierten Zehntausende gegen den Film, der den Propheten Mohammed verunglimpft.
In der Hauptstadt Islamabad gelang es der Polizei gegen Abend, die aufgebrachte Menge unter Kontrolle zu bringen. Wie der Rettungsdienst berichtete, zogen aber Randalierer durch die Stadt. Zuvor hatten nach Medienberichten Hunderte aufgebrachte Muslime Absperrungen rund um das Regierungsviertel durchbrochen. In dem Bereich liegen in einem zusätzlich gesicherten Areal auch westliche Botschaften. Zahlreiche Polizisten und Demonstranten seien verletzt worden. Innenminister Rehman Mailk erklärte, die Armee stünde zum Eingreifen bereit.
Feiertag zu Ehren des Propheten Mohammed
Auch in der ostpakistanischen Stadt Lahore lieferten sich Hunderte Demonstranten Strassenschlachten mit Sicherheitskräften. Politische und religiöse Gruppen hatten in ganz Pakistan zu Protesten gegen den islamfeindlichen Mohammed-Film nach den Freitagsgebeten aufgerufen.
Pakistans Premierminister Raja Pervez Ashraf hatte den Freitag zum landesweiten Feiertag zu Ehren des Propheten Mohammed erklärt. Zahlreiche politische und religiöse Gruppen hatten zuvor zu Protesten nach den Freitagsgebeten aufgerufen. Das Schmähvideo aus den USA, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, sei die «schlimmste Art von Bigotterie», sagte Ashraf. Gleichzeitig forderte er die internationale Gemeinschaft dazu auf, Wege zu finden, um Äusserungen zu verbieten, die «Hass schüren und die Saat der Zwietracht säen».
US-Regierung schaltet in Pakistan TV-Spots
Die US-Regierung versucht im pakistanischen Fernsehen den Spannungen entgegenzuwirken. Auf sieben Sendern laufe ein Spot, in dem sich Präsident Barack Obama und Aussenministerin Hillary Clinton vom Schmäh-Video gegen den Propheten Mohammed distanzierten, sagte eine Sprecherin des US-Aussenministeriums in Washington. Lesen Sie hier mehr
Zu Protesten kam es auch in vielen anderen Ländern. Im indischen Teil Kaschmirs gingen zahlreiche Menschen auf die Strasse, in der Regionalhauptstadt Srinagar kam es laut Medienberichten zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei. In Neu Delhi blieb die US-Botschaft aus Sicherheitsgründen geschlossen.
In Malaysia zogen nach Polizeischätzungen etwa 5000 Menschen vor der US-Botschaft und einer nahe gelegenen Moschee auf. In Indonesien waren gepanzerte Polizeifahrzeuge vor der US-Botschaft aufgefahren. In Kabul protestierten Hunderte Afghanen friedlich.
Proteste auch in Europa
Die radikale Salafisten-Bewegung konnte in Ägypten nicht die Massen für ihre Proteste gegen die französischen Mohammed-Karikaturen mobilisieren. Ein kleiner Trupp von etwa 70 Männern sei zur französischen Botschaft in Kairo marschiert, berichtete Journalisten. Gross war der Andrang dagegen bei einer Protestaktion der libanesischen Schiiten-Bewegung Hisbollah. Tausende Anhänger marschierten unter dem Motto «Wir werden zu diesen Beleidigungen der Religion nicht schweigen», durch die libanesische Stadt Baalbeck.
Frankreich erstickt dagegen nach der Veröffentlichung derber Mohammed-Karikaturen in einem Pariser Satire-Blatt mögliche Proteste im Keim: Ursprünglich für diesen Samstag in Paris geplante Demonstrationen bleiben verboten. Frankreichs Innenminister Manuel Valls betonte, es gebe «sehr klare Anweisungen». Etwaige Versammlungen oder Demonstrationen würden aufgelöst.
Die ersten Proteste gegen das umstrittene Mohammed-Video in Deutschland sind friedlich angelaufen. In Freiburg in Baden-Württemberg demonstrierten nach Angaben der Veranstalter mehr als 1000 Menschen gegen das in den USA entstandene Schmähvideo, die Polizei sprach von rund 900 Teilnehmern. Der Demonstrationszug, an dem viele Frauen und Kinder teilnahmen, wurde von einem starken Polizeiaufgebot begleitet. Auf Transparenten stand «Nein zur Beleidigungsfreiheit» und «Unser Prophet Mohammed ist tabu».
Auch in der Innenstadt von Münster in Nordrhein-Westfalen erwarteten die Beamten keine Zwischenfälle. Der Protestzug unter dem Motto «Gegen den religionsbeleidigenden Film im Internet» begann nach Polizeiangaben mit 80 bis 100 Teilnehmern. Kleinere Aktionen gab es auch in Cuxhaven mit knapp 100 Menschen und in Hannover, wo drei Einsatzfahrzeuge der Polizei, 14 Journalisten und ein Demonstrant gezählt wurden. An diesem Samstag sind Proteste in Karlsruhe und Dortmund angemeldet. Für den 6. Oktober wurde auch für Berlin eine Demonstration angekündigt.
In Göttingen beschmierte ein 26jähriger aus Protest gegen den Islam zwei Moscheen und die Räume eines islamischen Vereins – auch Schweineköpfe mit Turban sprühte er auf die Wände. Er habe die Tat zugegeben, erklärte die Polizei. Ihn erwartet ein Verfahren wegen Sachbeschädigung.
(sda/meru/hesa; muei)



