Schweiz
Zürcher Bildungsdirektorin: «Mörgeli kannte die Kritik seit November 2011»
Christoph Mörgeli ist bereits im November 2011 mit der Kritik an seiner Arbeit konfrontiert worden. Das sagt die Zürcher Regierungsrätin Regine Aeppli in der «Rundschau». Der Medizinhistoriker ist seit 6 Monaten auf dem Prüfstand. Die Entscheidung über seine berufliche Zukunft fällt am Freitag.
SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli betonte noch am Montag, die Kritik an seiner Arbeit am medizinhistorischen Museum der Universität Zürich sei ihm neu. Und Mörgelis Anwalt Valentin Landmann doppelte gestern nach: «Mörgeli muss alles aus der Presse erfahren.» Der Vorwurf: sein Museum sei veraltet, fehlerhaft und tausende Objekte würden im Keller verstauben.
Universität erteilte Bewährungsfrist im Februar
Recherchen der «Rundschau» des Schweizer Fernsehen zeigen ein anderes Bild: Der SVP-Nationalrat wusste bereits seit November des letzten Jahres von der Kritik.
Mörgeli wurde in einem Gespräch die Kritik mitgeteilt und aufgefordert, Stellung dazu zu nehmen. Dies bestätigt die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli heute Abend in der Sendung: «Es ist nicht ganz richtig, dass Herr Mörgeli die Kritik aus der Zeitung erfahren hat. Christoph Mörgeli ist im November 2011 mit den Vorhaltungen dieses Berichtes konfrontiert worden». Damals durchleuchtete eine international zusammengesetzte Expertenkommission das Museum und kam zu einer sehr kritischen Einschätzung.
Weiter führt sie aus: «Im Februar 2012 fand eine ausserordentliche Mitarbeiterbeurteilung mit einem weiteren Gespräch zu kritischen Punkten statt. Darauf ist eine Bewährungsfrist von 6 Monaten angesetzt worden und die läuft dieser Tage ab.»
Aeppli bedauert, dass der interne Bericht öffentlich wurde. Die Uni Zürich prüfe jetzt eine Strafanzeige einzureichen wegen Amtsgeheimnisverletzung.
Entscheidendes Gespräch diesen Freitag
Aeppli betont, Mitarbeiter Mörgeli habe im Februar 2012 einen schriftlichen, kritischen Bericht erhalten, den die Uni von externen Fachleuten erstellen liess. Verliert SVP-Nationalrat Mörgeli sein 80-Prozent-Job an der Uni?
Aeppli zur «Rundschau»: «Diesen Freitag findet eine weitere, zweite ausserordentliche Mitarbeiterbeurteilung mit Herrn Mörgeli statt.» Am Mitarbeitergespräch mit Christoph Mörgeli dabei sein wird Uni-Rektor Andreas Fischer, Mörgelis Chef Flurin Condrau und ein Mitarbeiter des Personalbüros.
Aeppli: «Mörgeli wird bei negativer Beurteilung entlassen»
Die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli betont, dass die Beurteilung am zweiten ausserordentlichen Mitarbeitergespräch entscheidend sei. Aeppli auf die Frage der Rundschau: «Was passiert wenn die Personalbeurteilung negativ ist?» «Dann wird die Kündigung ausgesprochen und Christoph Mörgeli der Lohn weitere sechs Monate gezahlt.»
Mörgeli: «Keine fristlose Entlassung am Freitag»
Christoph Mörgeli bestätigt gegenüber der «Rundschau», dass es im November 2011 zu einem Treffen mit dem Dekan und im Februar 2012 zu einer ungenügenden Beurteilung kam.
Er stellt sich jedoch auf den Standpunkt, dass es am Freitag nicht zu einer Entlassung kommen darf. Er gehe davon aus, dass es bei einer negativen Personalbeurteilung erneut eine halbjährige Frist zur Zielerfüllung gebe.
Mörgeli-Affäre: Was bisher geschah
Mörgeli geriet am Dienstag 11.9.12 in die Schlagzeilen. Der «Tages-Anzeiger» machte publik, dass der Medizinhistoriker wegen seiner Leistung bei der Universität Zürich in der Kritik steht. In einem internen Bericht soll von veralteten Ausstellungen und mangelhaft gelagerten Präparaten die Rede sein.
Am Sonntag 16.9.12 spitzte sich die Lage für den SVP-Nationalrat weiter zu. Laut der Zeitung «Sonntag» soll SVP-Stratege Christoph Mörgeli seine Stelle als Konservator an der Universität Zürich verlieren. Am Freitag soll ihm fristlos gekündigt werden. Zudem will ihn die Fachgesellschaft der Medizinhistoriker angeblich ausschliessen, wie Sonntagszeitungen schreiben.
Christoph Mörgeli nahm am Montag 17.9.12 bei «Schweiz aktuell» Stellung. Er sei «erstaunt über die Kritik», sagte der SVP-Politiker. Das Medizinhistorische Museum der Universität Zürich, wo er Konservator ist, sei aber nicht das neueste, räumte Mörgeli ein. Der Medizinhistoriker habe jedoch mehrere Anträge auf Erneuerungen gestellt.






