US-Wahlkampf 2012
Romney verprellt auch noch Latinos
Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney kommt immer mehr unter Beschuss. Nach seiner abfälligen Bemerkung über Obama-Wähler und Palästinenser soll er sich auch verächtlich über Latinos geäussert haben. Das blieb nicht ohne Konsequenzen.
Bild
Die jüngsten umstrittenen Äusserungen von Mitt Romney wirken sich nun auch auf den US-Kongresswahlkampf aus: Zwei republikanische Senats-Bewerber gingen zu ihrem Präsidentschaftskandidaten auf Distanz.
«Das ist nicht meine Sicht der Welt», erklärte Senator Scott Brown aus Massachusetts in der Zeitung «The Hill». Auch Linda McMahon, die in Connecticut um einen Sitz kämpft, gab in einer Erklärung bekannt, sie sei mit Romney nicht einer Meinung.
Larry Sabato von der University of Virginia sprach von fünf engen Senats-Rennen, in denen der Ausgang allgemein sehr von Romney abhänge. Zusätzlich werde es auch in Massachusetts eng. Brown könne dort «nicht viel mehr Gegenwind ertragen».
Romney-Scherz brüskiert Latinos
Romney hatte während einer exklusiven Wahlkampfveranstaltung über die Anhänger von Präsident Barack Obama erklärt, sie sähen sich als Opfer und setzten nur darauf, dass der Staat sie unterstützen müsse. Den Palästinensern sprach er den Willen zum Frieden ab. Der Auftritt war heimlich mitgeschnitten und am Montag veröffentlicht worden (Originalwortlaut hier).
Wie erst jetzt publik wurde, soll sich Romney in dieser Rede auch verächtlich über Latinos geäussert haben. «Wären meine Eltern Mexikaner gewesen», sagt Romney dort, «dann hätte ich jetzt bessere Chancen, zu gewinnen», war einer seiner makabren Scherze.
Von der Minderheit zum Zünglein an der Waage
Die Latinos dürften aufgrund dieser Äusserung aber nun noch weniger bereit sein wird, ihn zu unterstützen. 21 Millionen von ihnen sind wahlberechtigt. Traditionell stimmen sie eher widerwillig ab – doch wenn, dann vor allem für Demokraten.
Für Republikaner war das bisher kein Problem, da Latinos nur eine kleine Minderheit waren. Doch das hat sich geändert: In einigen Bundesstaten können sie Wahlen inzwischen entscheidend beeinflussen.
Demokratische Senatsmerheit wahrscheinlich
Am 6. November werden in den USA neben dem Präsidenten auch ein Drittel des Senats und das ganze Repräsentantenhaus gewählt. Während die Republikaner die Kontrolle über das Repräsentantenhaus behalten dürften, stand die demokratische Mehrheit im Senat Umfragen zufolge lange Zeit auf der Kippe.
Wahlforscher des «New York Times»-Blogs FiveThirtyEight gingen in einer am Dienstag veröffentlichten Studie inzwischen allerdings von leichten Vorteilen für die Demokraten aus. In den USA werden die Abgeordneten direkt gewählt, nicht über ihre Parteien.
(sda/maiu;mihm)



