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Vermischtes

Der Tod aus der Flasche: Neue Fälle von Vergiftungen

Dienstag, 18. September 2012, 0:41 Uhr, Aktualisiert 18:31 Uhr

Nach mindestens 21 Vergiftungstoten hat Tschechien die Notbremse gezogen. Seit Freitag gilt ein landesweites Schnapsverbot. Es könnte Wochen dauern, bis der Verkauf wieder anläuft. Wirte sind besorgt. Inzwischen sind auch andere Länder betroffen.

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In der Slowakei sind erste Fälle von Vergiftungen mit gepanschten alkoholischen Getränken aus Tschechien bekanntgeworden. Für eine private Geburtstagsfeier im Ort Kapusany hatte ein Slowake zehn Liter Schnaps per Internet aus Tschechien bestellt – mit unangenehmen Folgen. Keiner der Gäste aber befinde sich in Lebensgefahr, heisst es seitens der tschechischen Polizei.

In Tschechien ist die Zahl der Toten inzwischen auf 21 gestiegen. Ein 29jähriger starb im Krankenhaus. Ärzte meldeten zudem drei neue Vergiftungsfälle. Seither geht in dem Land die Angst vor gepanschtem Alkohol um. Die Ansage von Gesundheitsminister Leos Heger ist klar: Solange sich weiter Menschen mit dem Industriealkohol Methanol vergiften oder gar sterben, bleibt hochprozentiger Schnaps landesweit unter Verschluss.

Betroffene in einem Spital in Tschechien. (TagesschauNacht, 17.09.2012)

Trotzdem fliesst in der Partymetropole Prag der Alkohol weiter in Strömen. Man weicht auf Wein oder Bier aus. «Wir bieten Fruchtcocktails an oder mischen spanischen Sangria mit Früchten und Obstsaft», sagt Jesus Castillo von der lateinamerikanischen Bar «Casa Blu» im Stadtzentrum. Unbemerkt bleibt das Schnapsverbot jedoch auch hier nicht. «Wir haben natürlich Verluste, weil die Leute abends gern harten Alkohol trinken.»

Bild Zeitungen und Männer
Tschechiens Prohibition ist nicht nur in aller Munde sondern auch auf den Titelblättern der Zeitungen. reuters

Tschechiens Gastwirtschaft fürchtet deshalb dramatische Einnahmeeinbussen wegen der Todesserie. Nicht nur die Wirtschaft, auch die Staatskasse bekommt die «Prohibition» zu spüren. Nach Medienberichten entgehen dem Fiskus jeden Tag umgerechnet fast eine Million Euro an Einnahmen aus der Branntweinsteuer.

«Epidemie ist nicht beendet»

Weiterhin ist völlig unklar, in welche Geschäfte und Kneipen das Gift gelangen konnte. Die Polizei fahndet fieberhaft nach den Giftmischern, bislang aber weitgehend erfolglos. «Das Verkaufsnetz ist auf eine Weise infiltriert, die kaum durchschaubar ist», sagte Gesundheitsminister Leos Heger in Prag. «Die Epidemie ist nicht beendet», warnte der konservative Politiker, Arzt und Hochschullehrer.

Bild Polizisten in einer Bar
Allgegenwärtige Alkoholkontrollen - Tschechiens Polizei überwacht Bars und Geschäfte. reuters

Das generelle Verkaufsverbot für Hochprozentiges ist nicht unumstritten. Es wächst die Befürchtung, dass unerfahrene Amateure zu Hause Fusel-Schnaps brennen und sich auf diese Weise gefährden. Alkoholiker könnten sogar zu Haushaltsreiniger greifen, hiess es. Der EU-Mitgliedsstaat liegt im Alkoholkonsum weltweit auf dem zweiten Platz hinter der Ex-Sowjetrepublik Moldawien, wie aus einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation hervorgeht.

Was mit den weggepackten Vorräten in Tschechien geschehen soll, weiss im Moment niemand. Rund 20 Millionen Flaschen harter Alkohol liegen laut Gesundheitsminister im ganzen Land auf Eis. Das sind mehr als zwei für jeden erwachsenen Einwohner Tschechiens.

Reaktionen

In Litauen forderte die staatliche Lebensmittel- und Veterinärbehörde die Bürger am Montag auf, keinen Alkohol unklarer Herkunft zu trinken. Auch Marktbeschränkungen schloss die Behörde im Falle einer Bedrohung der Konsumenten nicht aus, wie die Nachrichtenagentur BNS meldete.
Polen verhängte sogar ein komplettes Einfuhr- und Handelsverbot für tschechische Spirituosen.

(dpa/sda/halp/mery;mihm)