Schweiz
«Bankgeheimnis ist ein sterbender Schwan»
Die Weissgeldstrategie des Bundesrates beginnt zu wirken. Dies lässt zumindest ein Realitätscheck des deutschen Handelsblatts vermuten. Die Journalisten schafften es nicht Schwarzgeld bei sieben Schweizer Finanzinstituten zu deponieren.
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Obwohl das deutsch-schweizerische Steuerabkommen noch nicht in Kraft getreten ist, haben die heimischen Finanzinstitute das Bankgeheimnis de facto bereits abgeschafft. Dies soll ein anonym durchgeführter Realitätscheck des Handelsblatts zeigen.
Zu Testzwecken gaben sich zwei Reporter der deutschen Finanzzeitung in den vergangenen Tagen bei sieben Schweizer Banken als deutsche Neukunden aus. Sie wollten ein neues Schwarzgeld-Depot eröffnen. Unter den getesteten Instituten waren die Deutsche Bank Schweiz, UBS, Julius Bär und Credit Suisse.
Totes Bankgeheimnis
Die beiden Journalisten versuchten, die Banken zu überzeugen, dass sie 350‘000 Euro aus einem unversteuerten Immobilienverkauf in Spanien verwalten. Zusätzlich boten die Lockvögel 1,5 Millionen korrekt versteuertes Geld an. «Wir melden alle Erträge. Im Prinzip geben wir damit das Bankgeheimnis auf», erwiderte ein Berater von Julius Bär zu dem «unmoralischen» Angebot. Und ins gleiche Horn stiess ein Schweizer Berater der Deutschen Bank: «Das Bankgeheimnis ist ein sterbender Schwan.»
Hoher Geldabfluss aus der Schweiz
Wegen des internationalen Drucks auf Steuerflüchtlinge sollen derweil immer mehr reiche Kunden aus Europa ihr Geld aus der Schweiz abziehen. «Wir gehen davon aus, dass insgesamt Hunderte Milliarden Franken aus der Schweiz abfliessen werden», sagte Jürg Zeltner, Vermögensverwaltungschef bei der UBS, in einem Interview des Magazins «Schweizer Bank».
Bei der UBS selbst dürften 12 bis 30 Mrd. Franken abfliessen, bekräftigte Zeltner. Im Mai hatte Zeltner erklärt, dass europäische Kunden in den vergangenen Quartalen rund zehn Milliarden Franken von ihren Konten bei der UBS abgehoben haben. Stärker als die UBS leidet die Credit Suisse: Seit 2009 haben Westeuropäer unter dem Strich bereits 32 Mrd. Franken abgezogen.
(sf/rufi;horm)



