US-Wahlkampf 2012
Romney zieht auch über Palästinenser her
Aus dem Internet-Video, in welchem der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney ziemlich ungehemmt über die Wähler von Präsident Barack Obama herzieht, sind nun weitere Ausschnitte im Netz aufgetaucht. Darin werden auch Palästinenser von Romney nicht verschont.
Mitt Romneys explosive Aussagen fielen bei einem Treffen mit reichen Spendern, von dem eine heimliche Videoaufnahme nun im Internet landete. So sagte der Republikaner den Spendern, die Palästinenser hätten «überhaupt kein Interesse» an einem Frieden mit Israel. Sie verfolgten vielmehr das Ziel, Israel zu zerstören und zu beseitigen.
Romney selbst glaube nicht an den Friedensprozess und als Präsident würde er im Nahostprozess lediglich auf Zeit spielen. Auch sagte er, dass sich Israel den Palästinensern nicht beugen dürfe. «Das ist die schlechteste Idee auf der Welt.»
«Obama-Wähler zahlen keine Steuern»
Der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner schmähte auch jene «47 Prozent der Menschen», die im November ohnehin für Barack Obama stimmen würden.
«47 Prozent sind auf seiner Seite, sind abhängig von der Regierung, glauben, dass sie Opfer sind, dass die Regierung verpflichtet ist, sich um sie zu kümmern, dass sie Anspruch haben auf eine Gesundheitsfürsorge, auf Lebensmittel, Wohnung, was auch immer. 47 Prozent der Menschen zahlen keine Einkommenssteuern.»
Lange hatte es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Obama und Romney ausgesehen. Doch 50 Tage vor der Wahl liegt der Präsident in landesweiten Umfragen sowie in mehreren möglicherweise wahlentscheidenden Bundesstaaten spürbar vorn.
Äusserungen «nicht gerade elegant»
Das US-Magazin «Mother Jones» hatte am Montag mehrere Ausschnitte von Romneys pikantem Vortrag online gestellt. Die Teilnehmer eines Spenden-Dinners, in den Aufnahmen unkenntlich gemacht, lauschen den Worten von Romney. Als Kandidat für das Weisse Haus sei es seine Aufgabe, «mir über diese Leute keine Sorgen zu machen».
Er könne sich über die Leute keine Gedanken machen. «Ich werde diese Leute nie überzeugen können, dass sie Verantwortung übernehmen und sich um ihr eigenes Leben kümmern müssen.»
Auf einer rasch einberufenen Pressekonferenz am Montagabend räumte Romney ein, seine Kommentare seien nicht elegant formuliert gewesen. Er habe aus dem Stegreif gesprochen. Romney entschuldigte sich nicht, bemühte sich aber um eine Klarstellung. «Natürlich will ich allen Amerikanern helfen», erklärte er.
An seiner Botschaft halte er aber fest: Die Einstellung des Präsidenten sei attraktiv für jene Menschen, die keine Steuern zahlten. Er dagegen wolle Steuern senken und erreiche damit eher die Mittelklasse.
Wann und wo das Video entstanden ist, war unklar. Romney forderte, das vollständige Video müsse im Internet gezeigt werden und nicht nur Ausschnitte.
Wasser auf Obamas Mühlen
Die heimlichen Aufnahmen spielen Obamas Wahlkampfteam in die Hände. Das Video unterstütze das Bild von Romney als abgehobenen Multimillionär, der sich nicht um die Sorgen der Mittelschicht und Arbeitnehmerschaft schere. Dies sagte Obamas Wahlkampfmanager Jim Messina.
Er nannte die Äusserungen «schockierend». Es sei schwer, den USA als Präsident zu dienen, «wenn man die Hälfte der Nation geringschätzend abgeschrieben hat», erklärte Messina.
Die Abgesänge einiger US-Kommentatoren auf Romney scheinen zwar verfrüht, immerhin stehen im Oktober noch drei TV-Debatten an. Doch der Wahlkampf des Republikaners verläuft alles andere als geschmeidig: Ende Juli stolperte er bei einer Reise nach Grossbritannien, Israel und Polen über das internationale Parkett. Auch beim Republikaner-Parteitag Ende August konnte Romney nicht überzeugen.
(sda/red; red)







