International
Neue Mohammed-Karikaturen: Paris warnt seine Bürger
Nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen durch eine französische Zeitung bleiben französische Botschaften und Schulen in 20 Ländern geschlossen. Frankreichs Aussenminister Laurent Fabius hat diese und weitere Massnahmen angeordnet.
Die Veröffentlichung der Karikaturen in der Satire-Zeitung «Charlie Hebdo» kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Die Stimmung in einigen muslimischen Ländern ist ohnehin wegen des in den USA produzierten islamfeindlichen Films schon aufgeheizt. Dessen Publikation führte teils gar zu gewaltsamen Protesten, so unter anderem in Libyen, Tunesien, Sudan und Jemen.
Zorn in der arabischen Welt
Über die Proteste in der arabischen Welt gegen das in den USA produzierten Schmäh-Videos können Sie sich hier informieren.
Überall dort, wo die Zeichnungen zu Problemen führen könnten, seien besondere Vorkehrungen angeordnet worden, sagte Aussenminister Laurent Fabius. Reisende wurden zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. An französische Bürger in Pakistan wurde gar eine SMS verschickt mit der Mitteilung, dass es Drohungen gebe und besondere Vorsicht geboten sei. Des weiteren wurden Botschaften, Konsulate und Schulen in rund 20 Ländern vorsorglich geschlossen.
Laurent Fabius fügte an, es sei nicht «intelligent», zum jetzigen Zeitpunkt «Öl ins Feuer zu giessen» und kritisierte damit das französische Satire-Zeitung «Charlie Hebdo».
«Charlie Hebdo» legt nach
Der Chefredaktor des Magazins, Stephane Charbonnier, erklärte dagegen: «Wir veröffentlichen Karikaturen über jeden und alles jede Woche. Wenn wir es aber mit dem Propheten machen, wird es Provokation genannt.»
«Charlie Hebdo» hatte eine ganze Reihe von Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. Die sozialistische Regierung hatte daraufhin zur «Verantwortung» aufgerufen und vor «Provokation» gewarnt.
Hebdo scheint die «Regierungs-Schelte» nicht zu beeindrucken. Die Magazin-Macher kündigten an, die aktuelle Ausgabe mit den Mohammed-Karikaturen in einer Sonderauflage nachzudrucken. Die wöchentliche Auflage liegt nach eigenen Angaben bei rund 75‘000 Exemplaren. Nun soll in gleicher Höhe nachgelegt werden.
Der Prophet nackt, als Jude oder Unruhestifter
Die neuen Mohammed-Karikaturen in «Charlie Hebdo» bergen reichlich Provokationspotenzial. In einer der Zeichnungen ist der Hauptdarsteller des umstrittenen Mohammed-Schmähvideos aus den USA mit einem Schweinekopf in der Hand zu sehen. Er fragt den Filmemacher, ob er sich sicher sei, dass der Prophet mit so etwas Sex gehabt habe. Das Schwein gilt in der islamischen Welt als unrein.
Eine andere Karikatur trägt die Überschrift «Mohammed: Ein Stern ist geboren». Sie zeigt den Propheten nackt in Gebetshaltung mit hoch aufgerecktem Hintern. Darüber hat der Zeichner einen grossen gelben Stern gesetzt.
Anzeige erstattet
Die Internetseite von «Charlie Hebdo» brach nach der Veröffentlichung der Karikaturen zusammen. Hacker sollen den Online-Auftritt von «Charlie Hebdo» lahmgelegt haben. Die Seite war für Stunden nicht erreichbar.
Frankreich verbietet Demonstrationen
Eine für kommenden Samstag in Paris geplante Demonstration gegen das Mohammed-Video aus den USA hat die französische Regierung verboten. Es gebe keinen Grund, Konflikte zuzulassen, die mit dem eigenen Land nichts zu tun hätten, erklärte Premierminister Jean-Marc Ayrault.
Am vergangenen Wochenende waren bei einer nicht angemeldeten Demonstration nahe der US-Botschaft in Paris rund 150 Personen festgenommen worden.
In Frankreich wurden inzwischen juristische Schritte eingeleitet: Eine Organisation namens Syrische Vereinigung für die Freiheit erstattete bei der Staatsanwaltschaft von Paris Anzeige. Die Zeitung habe öffentlich zur Diskriminierung, zum Hass und zur Gewalt aufgerufen, hiess es darin.
(agenturen/red/)



