International
Immer mehr Tote wegen Schmähvideo – Macher sollen vor Gericht
Wegen des islamfeindlichen Mohammed-Videos müssen wieder Menschen sterben – 12 davon bei einem Selbstmordanschlag in Kabul. In Deutschland wollen einige Politiker verhindern, dass das Schmähvideo öffentlich gezeigt wird. In Ägypten sollen die Macher des Videos vor Gericht gezerrt werden.
Die islamische Welt ist weiter in Aufruhr: Bei einem Anschlag wegen des islamfeindlichen Mohammed-Videos starben in Kabul 12 Menschen. Ein Selbstmordattentäter, möglicherweise eine Frau, hatte ein mit Sprengstoff beladenes Auto neben einem Minibus in die Luft gesprengt. In dem Bus starben neun Ausländer – vermutlich Südafrikaner und Russen – und ein Afghane.
Die radikal-islamische Hesb-i-Islami (HIG) des früheren Premierministers Gulbuddin Hekmatjar übernahm die Verantwortung für den Anschlag auf der Flughafenstrasse.
HIG-Sprecher Subair Seddiki sagte in einem Telefongespräch, es habe sich um einen Vergeltungsanschlag für das islamfeindliche Mohammed-Video gehandelt. Die Attentäterin sei eine 20 Jahre alte Frau namens Fatima aus Kabul gewesen. Die Polizei konnte dies nicht bestätigen.
YouTube in der Kritik
In Indonesien demonstrierten rund 200 Menschen vor dem US-Konsulat in Medan auf Sumatra gegen das umstrittene Video und verlangten rechtliche Schritte gegen die Filmemacher. In Makassar auf Sulawesi verbrannten Studenten US-Fahnen.
In Thailand demonstrierten hunderte Menschen vor der US-Botschaft. «Zerstört Amerika» skandierten etwa 400 Teilnehmer. «Wir wollen keine Gewalt, aber wir wollen, dass die Filmemacher bestraft werden», sagte der Organisator der Proteste. Thailand ist überwiegend buddhistisch. Muslime machen etwa vier Prozent der Bevölkerung aus.
Die Internetplattform YouTube, auf der Teile des Videos zu sehen sind, geriet ins Visier mehrerer Länder. Nachdem sich YouTube bisher geweigert hatte, die Filmausschnitte zu entfernen, sperrte die pakistanische Regierung den Zugang zur Internetplattform. Auch Bangladesch sperrte den Zugang zu YouTube.
Intensive Diskussionen um Video in Deutschland
Die Terrorgruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) rief dazu auf, die Produzenten des umstrittenen Videofilms über den Propheten Mohammed zu töten. In einer Erklärung, die auf Islamisten-Websites veröffentlicht wurde, hiess es, wer einen Propheten beleidige, müsse hingerichtet werden.
Angesichts der Unruhen in der muslimischen Welt wegen des Videos wird in Deutschland weiter über ein Aufführungsverbot gestritten. Muslim-Verbände sind in der Frage uneins: Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland und der Zentralrat der Muslime sind für ein Verbot, der Liberal-Islamische Bund lehnt es ab.
Ägypten will Video-Macher vor Gericht sehen
Ein Strafgericht in Ägypten soll indessen nach der Veröffentlichung des umstrittenen Mohammed-Videos ein Verfahren gegen sieben radikale koptische Christen eröffnen. Den Kopten, die aus Ägypten stammen und in den USA leben, wird Beleidigung der islamischen Religion vorgeworfen. Das Verfahren gegen sie wird wohl in Abwesenheit stattfinden.
In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft der Staatssicherheit, die in Kairo veröffentlicht wurde, heisst es über die Auswanderer, diese hätten Spannungen zwischen den Religionsgruppen in Ägypten provoziert. Ihr Ziel sei es, das Land in fünf Kleinstaaten aufzuspalten.
Die Staatssicherheit hatte sich zu der Anklage entschlossen, nachdem ihnen zwei ägyptische Anwälte Videos präsentiert hatten, auf denen sich die Betroffenen über den Islam und die Lage in ihrer alten Heimat Ägypten äussern.
Salafisten bedrängen ägyptische Familie
Mehrere Dutzend Salafisten sind mittlerweile vor dem Haus einer christlichen Frau in Kairo aufmarschiert, deren Sohn Joseph an der Produktion des Mohammed-Schmähvideos beteiligt gewesen sein soll.
Nach Angaben aus Sicherheitskreisen umstellte die Polizei ihr Haus im Stadtteil Giza und vertrieb die protestierenden Islamisten. Die Mutter und der Bruder des Beschuldigten erhielten Polizeischutz. Der ägyptische Christ lebt den Angaben zufolge seit zehn Jahren in den USA.
(dpa/red;red)







