Schweiz
Jetzt nimmt Mörgeli zu Vorwürfen Stellung
Der Druck auf Christoph Mörgeli hat sich über das Wochenende weiter verschärft. Seine Arbeitgeberin, die Universität Zürich, lässt die Leistung des Medizinhistorikers ausserordentlich beurteilen. Nun nimmt der SVP-Nationalrat erstmals in «Schweiz aktuell» Stellung.
Sogar von Mörgelis fristloser Kündigung war in den Sonntagsmedien die Rede. Nun äussert sich der SVP-Politiker zu den jüngsten Ereignissen.
«Ich weiss nicht, ob ich entlassen werde. Ich habe von diesem Umstand in den Zeitungen erfahren», sagt der Nationalrat zu «Schweiz aktuell». Von der Universitätsleitung habe er jedoch nichts gehört. «Ich gehe immer noch davon aus, dass die Universität ein faires Verfahren durchführt, das nicht durch den Druck der Medien oder Politik beeinflusst wird.» Zum Verdacht diese Veröffentlichungen seien politisch motiviert, sagt der Medizinhistoriker: «Dazu darf ich mich nicht äussern. Aber man darf ja auch nicht naiv sein.»
«Es wird schwierig sein mir etwas nachzuweisen»
Die Vorwürfe an seiner Arbeit kontert er: «Es geht hier nicht um Stolz. Aber klar bin ich enttäuscht». Er habe 30 Bücher geschrieben und ebenso viele Ausstellungen kuratiert. Eines seiner Bücher soll sogar ins Spanische und Chinesische übersetzt werden. «Es ist also nicht so, dass ich nur eine regionale Grösse bin», führt Mörgeli aus. Eine fristlose Entlassung würde ihn sehr wundern. Denn es sei schwierig, ihm etwas derart schwerwiegendes nachzuweisen.
Die Gerüchte um eine fristlose Entlassung dementierte die Universität ebenfalls. Bezüglich des Arbeitsverhältnisses mit Christoph Mörgeli sei nichts entschieden. Die ausserordentliche Leistungsbeurteilung, die seit November 2011 laufe, sei noch nicht abgeschlossen. Es lägen noch keine Ergebnisse vor, teilte die Universität am Sonntag mit.
Bundeshaus mischt sich nicht ein
Während der Titularprofessor Mörgeli an seinem Arbeitsort Zürich massiv unter Druck steht, ist der Politiker Mörgeli an seinem Arbeitsort Bern derzeit nicht unter zusätzlichem Beschuss. Niemand will die Angelegenheit im Moment politisch ausschlachten, nicht einmal die SP. So Andy Tschümperlin, Fraktionspräsident SP, über die Affäre: «Jeder, der in Bern politisiert, weiss, wie schwierig die Vereinbarung von Politik und Beruf ist.»
SVP spricht von Mobbing
Schützenhilfe bekam Christoph Mörgeli auch von seiner Partei: Scharfe Kritik am Arbeitgeber des Zürcher Nationalrats übte Alfred Heer, Präsident der SVP Kanton Zürich. Mörgeli habe aus der Zeitung «Der Sonntag» erfahren müssen, dass die Universität Zürich ihm fristlos kündigen will. SVP-Präsident Toni Brunner sprach gar von Mobbing.
(sf/rufi;mery)



