International
Zorn der Muslime – Polizei umstellt Moschee in Tunis
Mehr als 1000 Sicherheitskräfte haben in der tunesischen Hauptstadt Tunis eine Moschee umzingelt. Dort hat sich ein Salafisten-Führer mit hunderten Anhängern verschanzt. Auch in Afghanistan, Pakistan, Saudi-Arabien und Indonesien ist es zu Ausschreitungen gekommen.
Der Salafisten-Führer Abu Yadh wird wegen den Ausschreitungen vor der US-Botschaft am vergangenen Freitag gesucht. Spezialkräfte umstellten die al-Fatah Moschee in Tunis. Bislang wurde noch kein Versuch unternommen die Moschee zu stürmen.
In der afghanischen Hauptstadt Kabul gingen tausende Menschen auf die Strasse und riefen in Sprechchören «Tod Amerika». Die Lage sei eskaliert, als junge Männer Müllcontainer und Geschäfte in Brand gesetzt hätten. Den Angaben zufolge ging auch ein Polizeiauto in Flammen auf, teilte die Polizei mit. Etwa 50 Sicherheitskräfte seien durch Steinwürfe leicht verletzt worden. Zudem sei aus der Menge in Richtung der Polizei geschossen worden.
Die Polizei sprach von 3000 bis 4000 Demonstranten. «Wir werden unseren Propheten verteidigen, bis wir Blut an unserem ganzen Körper haben», sagte ein Teilnehmer. «Die Amerikaner werden für diese Schande bezahlen.»
Merkel ruft zur Mässigung auf
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im Streit um das islamfeindliche Video alle Seiten zu Mässigung aufgerufen. «Gewalt ist kein Mittel der Auseinandersetzung», sagte Merkel in Berlin.
Gleichzeitig machte Merkel deutlich, dass der Schutz der deutschen Botschaften «unabdingbar» sei. «Wir treten ein für ein friedliches Zusammenleben der Religionen», betonte Merkel. Die Meinungsfreiheit sei in Deutschland ein hohes Gut, sie habe aber auch Genzen. Deshalb werde jetzt ein Verbot von öffentlichen Aufführungen geprüft: «Ich kann mir vorstellen, dass es gute Gründe für ein Verbot gibt.»
Brennende Schiffscontainer
Auch nahe einem US-Militärstützpunkt protestierten mehrere hundert Menschen gegen das Video. Ein Polizeibeamter erklärte, bis zu 800 Menschen hätten auf einer Strasse in Dschalalabad demonstriert und Steine geworfen. Sie hätten Schiffscontainer und Reifen angezündet und «Tod für Amerika» skandiert.
Die Beamten hätten in die Luft geschossen, um die Menge zu vertreiben. Gemäss dem Polizeichef ist mindestens ein Polizeifahrzeug ausgebrannt.
Im Nordwesten Pakistans ist bei den Protesten gegen das islamfeindliche Video ein Demonstrant getötet worden. Zuvor sei es zu einem Schusswechsel zwischen wütenden Muslimen und der Polizei gekommen, hiess es aus Polizeikreisen. Rund 800 Demonstranten hatten zudem vor einer Polizeiwache demonstriert und diese in Brand gesetzt.
Örtliche Behörden und Stammesälteste bemühten sich darum, die angespannte Lage zu beruhigen. Ausschreitungen gab es auch in der Hafenstadt Karachi. Dort versuchten Islamisten den zweiten Tag in Folge, zum US-Konsulat zu marschieren. Am Sonntag waren bei Protesten in Karachi mehrere Menschen verletzt worden.
«Wir wollen Amerika nicht»
Nach den gewalttätigen Protesten in mehreren arabischen Staaten ist es nun auch in Saudi-Arabien trotz eines offiziellen Demonstrationsverbots zu kleineren Aktionen gegen das Mohammed-Schmähvideo gekommen. Teilnehmer der Protestaktionen in der Stadt Buraida veröffentlichten Videoaufnahmen von Kundgebungen, die am vergangenen Wochenende stattgefunden haben sollen.
Die Demonstranten riefen: «Wir wollen Amerika nicht» und «Alles ausser dem geliebten (Propheten), ihr Anbeter des Kreuzes». In Saudi-Arabien sind Demonstrationen verboten. Seit Beginn des Arabischen Frühlings hatten vereinzelt Schiiten in der Ost-Provinz gegen das Königshaus protestiert.
Anschlag auf Kathedrale
In der nordirakischen Stadt Kirkuk zündeten Extremisten eine Bombe vor einer Kathedrale. Ein Polizeisprecher sagte, an der Heiliges-Herz-Kathedrale sei erheblicher Sachschaden entstanden. Verletzt wurde durch den Anschlag niemand.
Die Gemeinde stellte keinen Zusammenhang zwischen dem Anschlag und den Krawallen nach der Veröffentlichung des islamfeindlichen Films her. Die Polizei wollte dies dagegen nicht ausschliessen.
Malaysia prangert Google und Youtube an
«Der Besitzer von Youtube verdient es nicht, vor dem Zorn der Muslime oder dem langen Arm des Gesetzes bewahrt zu werden», sagte Malaysias Informationsminister in einer schriftlichen Erklärung.
Der Informationsminister warf Youtube mangelnde Sensibilität vor, weil es die Verbreitung des Films, in dem der Prophet Mohammed als Gewalttäter, Frauenheld und Kinderschänder verunglimpft wird, nicht stoppt.
«Youtube nimmt den Tumult, den es ausgelöst hat, gar nicht wahr», schimpfte der Minister. Google hatte den Zugang zu dem Video in Malaysia nach Beschwerden der dortigen Medienkommission am Sonntag blockiert. Gut 60 Prozent der Einwohner Malaysias sind Muslime.
Ausschreitungen in Indonesien
Auch in Indonesien halten die Proteste gegen das islamfeindliche Video an. Wütende Muslime zogen vor die US-Botschaft in der Hauptstadt Jakarta. Dort warfen sie Steine und Molotow Cocktails und verbrannten Autoreifen. Nach Angaben von Augenzeugen wurde mindestens ein Polizist am Kopf verletzt. Die aufgebrachte Menschenmenge versuchte zudem einen Lastwagen in Brand zu setzen.
Die Kundgebung begann friedlich, als sich mehrere hunderte weissgekleidete Demonstranten in Richtung US-Botschaft in Bewegung setzten. Die Botschaft hatte zuvor US-Bürger gewarnt und mitgeteilt, dass sich etwa 1000 Demonstranten vor dem Gebäude versammeln wollten. Am Wochenende ist es in den Städten Medan, Bandung sowie in Jakarta zu friedlichen Protesten gekommen.
Indonesiens Präsident übt Kritik
Zuvor war es in der zentraljavanischen Stadt Solo zu Ausschreitungen gekommen. Demonstranten stürmten KFC- und McDonalds-Filialen. Sie vertrieben die anwesenden Gäste und erzwangen die Schliessung der Restaurants.
Präsident Susilo Bambang Yudhoyono kritisierte das Video als Beleidigung für Muslime. «Wenn so etwas weiter verbreitet werden darf, kann das in der ganzen Welt Konflikte auslösen», sagte er.
(agenturen/muei;engf;hesa)



