US-Wahlkampf 2012
Bunte Vögel am Weissen Haus: Hollywood im Wahlfieber
Mit Star-Power aus Hollywood geht die Schlacht um das Weisse Haus in den Endspurt. Schauspieler und Musiker geben ihren Wunschkandidaten mit Spenden-Dinnern und Werbespots Schützenhilfe.
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Barack Obama strahlt in der Mitte. Rechts lächelt R&B-Sängerin Beyoncé, links ihr Ehemann, Rapper Jay-Z. Treffen Sie die drei in New York, heisst es neben der Fotomontage auf der Wahlkampf-Webseite des US-Präsidenten.
37'000 Franken für Obama-Billett
Jay-Z ist Mitbesitzer des Nachtclubs 40/40 in Manhattan, wo geballte Star-Power am Dienstag (18. September) Obamas Wahlkampfkasse weiter füllen sollte. Schon für eine Spende ab 15 Dollar konnten Anhänger an der Verlosung einer Eintrittskarte teilnehmen. Für 40'000 Dollar (etwa 37'000 Franken) sind betuchte Promi-Fans mit dabei. Beyoncé und Jay-Z machten sich schon 2008 für Obama stark. Vier Millionen Dollar soll jetzt ihr Club-Auftritt einbringen.
Star-Konzert am 7. Oktober
Beim Wahl-Endspurt kann sich Obama auf Hollywood verlassen. Am 7. Oktober soll der Präsident nach Los Angeles jetten. Im grossen Nokia Theatre werde ein Star-Konzert steigen, das Millionen einbringen soll, brachte das Branchenblatt «Hollywood Reporter» in Erfahrung. Die teuersten Tickets für 10'000 Dollar würden ein gemeinsames Foto mit Obama garantieren, hiess es. Über die Promis auf der Bühne wurde zunächst nichts bekannt. George Clooney, Brad Pitt, Mariah Carey, Scarlett Johansson und Sarah Jessica Parker sind bei Spendenaktionen für den Demokraten meist zur Stelle.
Obamas Herausforderer Mitt Romney muss sich in der liberalen Hochburg mit weniger glamourösen Namen zufriedengeben, kann sich aber mit Promi-Milliardären wie Donald Trump und dem «Fluch der Karibik»-Produzenten Jerry Bruckheimer schmücken. Der Sänger Kid Rock ist ein erklärter Romney-Fan. Auch die Schauspieler Chuck Norris, Tom Selleck, Sylvester Stallone und Jon Voight, Vater der Obama-treuen Schauspielerin Angelina Jolie, legen sich gewöhnlich für die Republikaner ins Zeug. Oscar-Preisträger Robert Duvall habe die Romney-Kampagne mit 800'000 Dollar unterstützt, rechnete das Wirtschaftsportal «Business Insider» kürzlich vor.
Schwieriger als beim letzten Mal
Als Hollywoods 82 Jahre alter Westerheld Clint Eastwood Anfang August Romney seine Stimme versprach, jubelten die Republikaner. Doch mit seiner «Stuhl»-Rede beim Parteitag der Republikaner fiel der Leinwandveteran bizarr aus der Rolle. Er sprach zu einem leeren Stuhl, auf dem ein unsichtbarer Barack Obama sitzen sollte. Später räumte Eastwood ein, dass sein Auftritt «sehr unorthodox» gewesen sei, doch den scharfen Ton behielt er bei. «Präsident Obama ist der grösste Schwindel, dem das amerikanische Volk je aufgesessen ist», wetterte der konservative Haudegen in einem Zeitungsinterview.
In dem politischen «Star Wars»-Duell der Promis hat Obama die grössere Mannschaft hinter sich. Als George Clooney im Mai zum Spendendinner in seine Hollywoodvilla einlud, kamen fast 15 Millionen Dollar zusammen. Dutzende Stars, darunter Barbra Streisand, Salma Hayek und Tobey Maguire, hofierten Obama. «Es wird schwieriger sein als beim letzten Mal», warnte der Präsident seine prominenten Helfer.
Homo-Ehe als Zugpferd
Nicht alle, die Obama vor vier Jahren begeistert ins Amt verholfen hatten, bringen ihm noch dieselbe Loyalität entgegen. Oscar-Preisträger Matt Damon etwa warf Obama vor, viele seiner politischen Versprechen nicht gehalten zu haben. Kritik gab es auch von Melissa Etheridge, Harry Belafonte und US-Regisseur Michael Moore. Doch Romneys ultra-konservativer Kurs hat die traditionell linksliberale amerikanische Kulturelite längst wieder hinter Obama vereint.
Mit seiner Unterstützung für die Homo-Ehe sammelte der Präsident in Hollywood weiter Pluspunkte. «Sex and the City»-Star Sarah Jessica Parker lud zum Dinner mit Obama und First Lady Michelle in ihre New Yorker Villa ein. Oscar-Preisträger Morgan Freeman spendete eine Million Dollar für den sogenannten Super-PAC «Priorities USA Action», der sich für eine Wiederwahl von Obama einsetzt. Latino-Star Marc Anthony nahm einen Werbespot auf, der sich vor allem an die spanischsprachige Bevölkerung der USA richtete.
HipHop-Star packt Sarkasmus aus
Zum Demokraten-Parteitag in Charlotte (North Carolina) jetteten Anfang September viele Hollywood-Grössen an. Schauspieler Jeff Bridges heizte mit seiner Musikband ein. Scarlett Johansson lobte als Rednerin auf der Bühne Obamas Einsatz für Sozialprogramme. Eva Longoria («Desperate Housewives») attackierte die Steuerpläne von Mitt Romney. Rock- und Popstars wie Mary J. Blige, James Taylor und die Foo Fighters spielten auf.
Wahlkampf-Wirbel löste kürzlich HipHop-Star Nicki Minaj aus, die im Song «Mercy» ihres Kollegen Lil Wayne singend verkündet: «Ich bin Republikanerin, die für Mitt Romney stimmt», gefolgt von deftigen Kraftausdrücken. Die schrille Rapperin als Wählerin der Konservativen? Da kamen auch Obama Zweifel, die er in einem Radiointerview vorsichtig äusserte. Wenig später wurde er von Minaj via Twitter gelobt. «Ha! Danke, dass Sie meinen kreativen Humor & Sarkasmus verstehen, Mr. Präsident. Die Schlauen tun das immer...*sende Liebe & Unterstützung*».
(dpa/halp; engf)







