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International

USA ziehen Botschaftspersonal aus Tunesien und Sudan ab

Sonntag, 16. September 2012, 4:41 Uhr, Aktualisiert 10:47 Uhr

Nach den Angriffen auf ihre Vertretungen in Tunesien und im Sudan ziehen die USA fast das gesamte Personal aus den dortigen Botschaften ab. Zugleich warnte man US-Bürger vor «allen Reisen» in diese Länder. Der umstrittene Mohammed-Film wird von Google derweil auf der Youtube-Plattform belassen.

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Der Internet-Konzern hat damit eine Bitte des Weissen Hauses abgelehnt, den Islam-feindlichen Mohammed-Film von der Internetplattform Youtube zu entfernen. Der Zugang werde lediglich in einzelnen Ländern gesperrt, hiess es.

Das Weisse Haus in Washington hatte am Freitag erklärt, es habe Youtube um eine Überprüfung gebeten, ob das Video gegen die Nutzungsbedingungen verstosse. Youtube erklärte daraufhin, das Video bewege sich eindeutig innerhalb der Richtlinien und werde daher nicht entfernt. Die Internetplattform gehört dem Konzern Google.

Youtube sperrt Video nur regional

Der Zugang zu dem Video wurde in Libyen und Ägypten gesperrt. Youtube berief sich dabei auf «die sehr sensible Lage» in diesen beiden Staaten. Später sperrte Youtube den Zugang zu dem Schmähfilm auch in Indien und Indonesien. Die Regierungen dieser Länder hatten darauf hingewiesen, dass das Video gegen Gesetze verstosse. Der Film war in mehreren islamischen Ländern Auslöser gewaltsamer Demonstrationen gegen westliche Vertretungen. In Libyen wurden dabei der US-Botschafter und drei amerikanische Mitarbeiter getötet.

Inzwischen hat auch die Regierung von Bangladesch ein Verbot des Videos angemahnt. Kein Muslim könne eine Verunglimpfung des Propheten Mohammed tolerieren, sagte Ministerpräsidentin Sheikh Hasina in der Hauptstadt Dhaka.

Aus Wut über einen in den USA produzierten Islam-feindlichen Film hatten gewalttätige Demonstranten in mehreren islamischen Ländern seit vergangenem Dienstag US-Botschaften und Vertretungen anderer westlicher Länder angegriffen. Im libyschen Bengasi waren dabei in der Nacht zum Mittwoch der US-Botschafter und drei weitere Amerikaner getötet worden.

Obama rechnet mit längerer Krise

Nach Angaben der «New York Times» rechnet US-Präsident Barack Obama nach den jüngsten anti-amerikanischen Ausschreitungen nicht mit einer Beruhigung der Lage im Nahen Osten. Wegen der «anhaltend kritischen» terroristischen Bedrohung wurde auch vor Reisen in den Sudan gewarnt.

Das Weisse Haus gehe davon aus, dass die gewaltsamen Proteste, bei denen vier US-Diplomaten getötet wurden, zu einer «anhaltenden Krise mit unvorhersehbaren diplomatischen und politischen Konsequenzen» führen könnten. Eine Folge könnte sein, dass die USA ihre diplomatische Präsenz in der Region vermindern, schreibt die Zeitung weiter.

Auch in Pakistan ist es zu gewaltsamen Protesten gekommen. («Tagesschau» vom 16.09.2012)

Wie inzwischen vermeldet wurde, haben am Samstag auch in Paris Muslime vor der US-Botschaft demonstriert. Die Polizei hat bei der nicht angemeldeten Kundgebung rund 150 Menschen vorläufig festgenommen, zwei wurden inhaftiert.

Neue Aktion gegen deutsche Botschaft

Nach dem Angriff auf die deutsche Botschaft im Sudan hat Deutschlands Aussenminister Guido Westerwelle die Regierung in Khartum in scharfer Form aufgefordert, die Sicherheit deutscher Staatsbürger zu gewährleisten. «Dass unsere Botschaft trotz vorheriger Aufforderung nicht ausreichend geschützt wurde, können wir nicht akzeptieren», sagte der Politiker der «Welt am Sonntag». Er erwarte vom Sudan, «dass er die Integrität unserer Botschaft und die Sicherheit unserer Landsleute in vollem Umfang garantiert.»

Für den Sonntag ist dem Bericht zufolge eine weitere Demonstration geplant, die sich gegen Deutschland richten soll. Westerwelle liess offen, wann die deutsche Botschaft in dem Land ihre Arbeit wieder aufnehmen wird: «Ich erwarte, dass die Vorfälle aufgeklärt werden. Erst nach einer genauen Analyse der Vorfälle und der entstandenen Schäden werden wir entscheiden, wie und wie schnell wir die Arbeitsfähigkeit unserer Botschaft Schritt für Schritt wieder herstellen können.»

Vergeltung für Karikaturen?

Der Angriff radikaler Muslime auf die deutsche Botschaft im Sudan am Freitag ist offenbar nicht auf den Film aus den USA zurückzuführen. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtet, könnte es sich um eine Vergeltungsaktion für das Zeigen von Mohammed-Karikaturen in Berlin gehandelt haben.

Bereits beim Freitagsgebet Anfang September hätten radikale Prediger in Khartum auf die Demonstration der rechtspopulistischen Splitterpartei Pro Deutschland hingewiesen, schreibt das Magazin ohne konkrete Quelle. Mitte August hatte Pro Deutschland in Berlin vor drei muslimischen Gotteshäusern Mohammed-Karikaturen in die Höhe gehalten und Schilder mit durchgestrichenen Moscheen gezeigt. Im Sudan stürmten am Freitag tausende Demonstranten die deutsche Botschaft, die teilweise in Flammen aufging.

(agenturen/halp;maiu)