Inhalt

International

Mohammed-Film: Koptischer Christ drehte mit Porno-Regisseur

Sonntag, 16. September 2012, 19:50 Uhr

Der Amateurfilm, der den Propheten Mohammed und die Muslime als unmoralisch und gewalttätig darstellt, wurde offenbar von einem koptischen Christen gemeinsam mit einer evangelikalen Gruppe produziert. Laut US-Medien leitete ein Porno-Regisseur die Dreharbeiten.

Als Schlüsselfigur erscheint bisher Nakoula Basseley Nakoula. Der 55jährige Kopte steckt nach Angaben von US-Medien hinter dem Pseudonym «Sam Bacile», der nach Beginn der Proteste vor knapp einer Woche im «Wall Street Journal» den Islam als «Krebs» beschimpfte.

Bild Protestplakat.
Der Filmemacher ist kein «Zionist», sondern ägyptischer Kopte. keystone

Keine Juden beteiligt

Nakoula gab später zu, den 14-minütigen Trailer des Films ins Internet geladen zu haben. Zudem kündigte der in den USA lebende Ägypter an, den gesamten rund zweistündigen Film verbreiten zu wollen. Nakoula wurde am Samstag kurz von der US-Justiz vernommen. Ein Polizeisprecher sagte, der 55jährige sei zu möglichen Verstössen gegen seine Bewährungsauflagen vernommen worden. Nakoula war 2010 wegen Bankenbetrugs verurteilt worden und darf fünf Jahre lang weder Computer noch das Internet benutzen. Nakoula ist nach der Befragung abgetaucht, um von Islamisten nicht gefunden werden zu können.

Neben Nakoula soll auch die Organisation Media for Christ an der Produktion des Films beteiligt gewesen sein. Der Gruppe gehören evangelikale Christen wie der Pastor Terry Jones in Florida an, der einen Koran verbrennen wollte, und so zu Bekanntheit gelangt war. Zuvor hatte es geheissen, eine Gruppe Juden hätte den Film finanziert.

Prediger stammt aus Ägypten

Nach Angaben des Klatsch-Magazins «Gawker» wurde der Film von dem 65-jährigen Regisseur Alan Roberts gedreht, der bisher vor allem Porno- und Actionfilme machte. Nach Darstellung von Schauspielern des Low-Budget-Films, die «Gawker» interviewte, wussten sie nicht, dass der Streifen das Leben des Propheten Mohammed thematisiert. Demnach wurde der Film nach dem Dreh neu synchronisiert.

Laut Medienberichten arbeiteten neben Nakoula und Roberts auch die beiden radikalen Christen Steve Klein und Joseph Nassralla, der einer christlichen Hilfsorganisationvorsteht, an dem Film mit. Die «Los Angeles Times» berichtete, Nakoula, Klein und Nassralla seien alle von dem aus Ägypten stammenden koptischen Prediger Zakaria Botros Henein beeinflusst, der für seine Hetze gegen den Islam bekannt sei.

Film ist zweifellos legal

Demnach predigt Botros, dass der Prophet Mohammed ein Homosexueller und Kinderschänder gewesen sei. Laut der «Los Angeles Times» wurde Botros in Ägypten wegen der versuchten Missionierung von Muslimen mehrfach inhaftiert und ins Exil gezwungen. Demnach lebte er zunächst in Australien, bevor er Anfang der 2000er nach Kalifornien kam.

Auch wenn sich der Hintergrund des Films langsam klärt, bleibt es ein Rätsel, warum der Film erst Monate, nachdem er ins Netz gestellt wurde, für Proteste sorgte. Seit ihrem Beginn wurden in Libyen, Tunesien, dem Jemen, dem Sudan und anderen Ländern mindestens 15 Menschen getötet, darunter der US-Botschafter in Libyen und drei seiner Mitarbeiter. Die US-Regierung hat den Film verurteilt, doch jedes Vorgehen dagegen ausgeschlossen. Laut der US-Verfassung fällt auch beleidigende Kritik unter Meinungsfreiheit.

(agenturen/fasc;hesa)