Schweiz
Schweizer Muslime verurteilen islamfeindlichen Film ebenso wie Gewalt
Vertreter des Islams in der Schweiz verurteilen die tödlichen Ausschreitungen in der islamischen Welt. Allerdings seien auch sie betroffen von der Provokation, die der islamfeindliche Film darstelle, wie sie zur «Tagesschau» sagen.
Amira Hafner-Al-Jabaji, Islamwissenschaftlerin und Publizistin, sagt, sie fühle sich als Muslimin zwar nicht erniedrigt. Aber sie sei doch betroffen, wenn der Prophet des Islams in einer derart «schäbigen und herabniedernden Art» beleidigt wird.
«Ein Stück weit nachvollziehbar»
Die aktuellen Ausschreitungen von Muslimen könne sie ein Stück weit nachvollziehen. «Aber ich finde die Eskalation und insbesondere die Tatsache, dass Zivilpersonen ihr Leben lassen mussten, genauso verabscheuenswürdig und verurteile es», stellt sie klar.
Als Ursache für die Ausschreitungen sieht sie aber nicht das islamfeindliche Video alleine. Es entluden sich auch viele Emotionen, die mit der gesellschaftspolitischen Situation der muslimischen Welt, besonders mit der Perspektivlosigkeit einer ganzen Generation, zusammenhingen, so die Islamwissenschaftlerin.
«Politische Intrige»
Farhad Afshar von der Koordination Islamischer Organisationen sieht in dem Film eine politische Intrige, «die beabsichtigt, einen Konflikt zwischen den Religionsgemeinschaften Judentum und Islam zu provozieren und das Christentum als verantwortlich hinzustellen.
Bei ihm persönlich löse das Video eine tiefe Betroffenheit aus, so Afshar. Er fordert, dass die «Schreibtischtäter», die derlei Filme verantworten, genauso zur Verantwortung gezogen werden wie die fanatisierten Täter.
Keine Rechtfertigung für Gewalt
Das Video sieht Afshar als Fortsetzung einer andauernden Folge von Provokationen, die die Muslime erlebten. Als Beispiele aus Schweizer Sicht nennt er etwa das Minarettverbot, Bestrebungen für ein Burkaverbot und als jüngstes Beispiel die Kontroverse um die Beschneidung von Knaben.
Der Film selber bringt für Afshar eine Form von Rassismus zum Ausdruck. Auch für ihn rechtfertigt der Film aber in keiner Weise die Tötung von Diplomaten. «Die islamische Gemeinschaft betrachtet jegliche Ausschreitungen gegenüber Diplomaten und Ausländern als eine gravierende Verletzung des Gastrechts. Und wer diese Werte tangiert, tangiert auch den Islam.»
(sf/buet;fasc)



