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International

Wut der Muslime flammt in Australien auf

Samstag, 15. September 2012, 9:57 Uhr, Aktualisiert 16:44 Uhr

Die anti-westliche Gewalt radikaler Muslime wegen eines islamfeindlichen Internetvideos hat weltweit Besorgnis ausgelöst. Während die Gewalt in den arabischen Ländern etwas abflaute, brachen in Australien neue Proteste aus.

In den arabischen Ländern kehrte zunächst wieder Ruhe ein. Ägyptische Sicherheitskräfte räumten den zentralen Kairoer Tahrir-Platz und die Strassen zur nahe liegenden US-Botschaft, wo seit Tagen protestiert wurde. In Ägypten hatten die inzwischen weltweiten Proteste am Dienstag mit einem Sturm auf die US-Vertretung begonnen.

Auch in Sydney musste bei einer Demonstration von Muslimen die Polizei einschreiten. («Tagesschau» vom 15.09.2012)

Andernorts flammten neue Proteste auf. In Sydney setzte die Polizei Tränengas gegen Hunderte demonstrierende Muslime ein, die zum US-Konsulat ziehen wollten. Es habe Verletzte gegeben, berichtete der Fernsehsender ABC. Teilnehmer trugen schwarze Dschihad-Fahnen sowie Transparente mit der Aufschrift: «Enthauptet all jene, die den Propheten beleidigen.» Auch Parolen gegen Kopten waren zu hören. Malaysia und andere Staaten verschärften derweil die Sicherheitsvorkehrungen besonders vor US-Institutionen.

Präsident des UNO-Sicherheitsrates, Peter Wittig an der Medienkonferenz. (Englisch)

Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte die Gewalt: «Die Mitglieder des Sicherheitsrates verurteilen in schärfster Form die Serie von Gewalt gegen Botschaften und konsularische Vertretungen», sagte der Präsident des Sicherheitsrates, in diesem Monat der deutsche UNO-Botschafter Peter Wittig. «Wir sind in tiefer Sorge wegen dieser Angriffe. Der Sinn diplomatischer Vertretungen ist friedlicher Natur, weil sie der besseren Verständigung dienen», sagte Wittig. Es gebe keinerlei Rechtfertigung für die Angriffe, «egal von wem, wann und aus welchen Motiven».

Offenbar koptischer Christ an Film beteiligt

Das in den USA privat hergestellte kurze Video stellt den Propheten Mohammed als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dar. Das Videoportal Youtube hat den Zugang zu dem Film in Libyen, Ägypten, Indien und Indonesien zeitweise gesperrt. Nach Recherchen von US-Medien soll an dem Filmprojekt auch ein koptischer Christ beteiligt gewesen sein. Die christliche Minderheit der Kopten fühlt sich in Ägypten von der muslimischen Bevölkerungsmehrheit unterdrückt und diskriminiert.

Filmemacher im Visier der Polizei

Die Polizei in Kalifornien verhört den mutmasslichen Macher des Islam-feindlichen Videos, das zu weltweiten Protesten geführt hat. Es werde geprüft, ob der bereits vorbestrafte Mann seine Bewährungsauflagen im Zusammenhang mit dem Film verletzt habe.

Zum muslimischen Wochenende hatten die Demonstrationen gegen den Film ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Nach den Freitagsgebeten war es in islamischen Ländern von Indonesien bis Tunesien zu gewaltsamen Protesten gegen den Film gekommen. Vor allem US-Botschaften, aber auch die deutsche und die britische Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum wurden attackiert. In Tunis, Tripoli und Khartum wurden mehrere Menschen getötet.

Ägyptische Zeitungen begrüssen Proteste

Ägyptische Zeitungen begrüssten die Demonstrationen, verurteilten aber die Gewaltexzesse. Die unabhängige Kairoer Tageszeitung «Al-Shorouk» bedauerte auf dem Titel ihrer Samstagsausgabe, dass der Zorn den Verstand besiegt habe.

Unterdessen hat ein Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida Muslime in aller Welt zu Angriffen auf US-Botschaften aufgeruden. Eine im Jemen ansässige Unterorganisation rief im Internet dazu auf, nach libyschem Vorbild amerikanische Botschafter und Diplomaten zu töten oder wie im Jemen und in Ägypten die Gebäude zu stürmen. Ziel sei es, die US-Vertretungen aus den islamischen Ländern zu vertreiben, hiess es auf der Dschihadisten-Website.

Päpstlicher Appell

Papst Benedikt XVI., der zurzeit den Libanon bereist, forderte in Baabda eine Erziehung zum Frieden. «Eine plurale Gesellschaft gibt es nicht ohne gegenseitigen Respekt, nicht ohne den Wunsch, den anderen zu kennen, und den ständigen Dialog.»

Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle mahnte im Magazin «Focus»: «Wichtig ist, dass wir die jetzigen Proteste nicht verallgemeinern: Die Mehrheit der Menschen in den arabischen Ländern will friedliche Veränderungen und lehnt Gewalt ab.»

(dpa/engf/buet;hesa)